Holunderküchlein

Das Holunderküchlein passt kulinarisch bestens in die Zeit um Pfingsten herum. Denn dann beginnen die Holunderstauden zu blühen. Die wunderbar duftenden Holunderblütendolden können gesammelt und zu diesem feinen Gebäck verarbeitet werden. Mehr Pfingstrezepte finden Sie hier.

Zutaten:
12 bis 15 frisch gepflückte Holunderblütendolden
350 ml Milch
3 Eier
200g Mehl
2 EL Honig
1 Prise Salz
etwas Öl
Puderzucker
Schlagrahm

Zubereitung:
Die Eier trennen, Eigelb und Eiweiss auffangen.
Eigelb, Mehl, Honig und Salz zusammen in eine Schüssel geben und gut verrühren.
Das Eiweiss steif schlagen und unterziehen.
Die Blütendolden in den fertigen Teig eintauchen und in einer Pfanne mit etwas Öl goldbraun backen.
Anschliessend auf einem Küchentuch gut abtropfen lassen und mit Puderzucker bestäuben.
Das Ganze zusammen mit Schlagrahm servieren.

Falls Sie an Pfingsten an einem unserer Gottesdienste teilnehmen wollen – live oder online – finden Sie hier alle Pfingst-Gottesdienste auf einen Blick.

Die Himmelsleiter – im Garten und in der Bibel

Von Pfarrer Matthias Reuter

In diesem Frühjahr blüht bei uns Pfarrgarten eine wunderschöne blaue Himmelsleiter, auch Jakobsleiter genannt. Ich habe sie im letzten Jahr auf dem Wildstaudenmarkt hier in Horgen gekauft – einfach, weil ich den Namen so schön fand. Ich wusste nichts über die Pflanze. Inzwischen freue ich mich über die wunderschönen himmelblauen Blüten mit langen, auffallend gelb gefärbten Staubblätter. Noch mehr freut mich, dass nicht nur ich die Himmelsleiter mag, sondern sie auch bei vielen Insekten wie Bienen, Hummeln und Schmetterlingen begehrt ist. Der Name der Pflanze leuchtet mir ein: Die länglichen, gefiederten Blätter wirken wie kleine Leitern.

Zum anderen erinnert der Name an eine biblische Geschichte, in der Jakob von einer Himmelsleiter träumt: Der biblische Jakob hat so einiges auf dem Kerbholz. Er hat betrogen – seinen Bruder und seinen alten Vater. Ergaunert hat er sich von seinem blinden Vater den Segen, der seinem älteren Bruder Esau zugestanden hätte. Und verbunden mit dem Segen auch allen Besitz des Vaters. Jakob weiss um seinen Betrug, er hat ihn ganz bewusst begangen; und er ist nicht mehr rückgängig zu machen. Auch wenn der Vater schier verzweifelt und der Bruder platzt vor Wut. Also flieht Jakob aus Angst vor der Rache seines Bruders. Richtung Osten von Sonnenaufgang bis Sonnenuntergang führt ihn sein Weg. Es wird dunkel. Weit und breit kein Haus, keine Hütte, die Unterschlupf bietet, nur eine verlassene Stätte mit ein paar Steinen. Das muss reichen.

Jakob schläft ein und beginnt zu träumen. Eigentlich müsste Jakob Albträume haben, auf der Flucht vor dem Bruder, den er hintergangen hat. Auf der Flucht vor sich selbst. Doch Jakob wird ein wunderschöner Traum geschenkt. Er träumt von einem offenen Himmel, von einer Leiter, die vom Himmel bis auf die Erde reicht, auf der Gottes Boten hinauf- und hinabsteigen. (Gen 28,12ff). Mehr noch: In seinem Traum hört Jakob Gottes Stimme, die ihn segnet: Ich bin mit dir und werde dich behüten, wohin du auch gehst.

Gottes Segen für Jakob zeigt mir, dass Gott frei darin ist, wem er sich wann, wo und wie zeigt und wem er seinen Segen zukommen lässt. Auch Menschen mit keiner blütenweissen Weste. Wer hat die schon? Gott richtet nicht nach den Buchstaben des Gesetzes. Was wäre dann aus Jakob geworden? Was würde aus mir? Gott hat andere Massstäbe als wir Menschen. Und vor allem ist Gott barmherzig. Und darum müssen wir auch nicht immer so streng mit uns sein, wenn Gott uns doch segnet.

Fotos: Matthias Reuter.

Endlich wieder Kita

Von Michael Braunschweig, Mitglied der Kirchenpflege, Ressort Kommunikation

Die Landesregierung muss unsere Stoßgebete gehört haben, die wir zwischen dem tausendsten „aramsamsam gulli gulli gulli ramsamsam“ und dem mittlerweile hundertfach verstorbenen und wieder zum Leben erwachten „Häschen in der Grube“ zum Himmel stießen. Alles Gute kommt von oben. So auch die Nachricht, dass die strengen Isolationsmaßnahmen nun schrittweise gelockert werden dürfen. Nach gut einem Monat, in dem unsere Wohnung gleichzeitig als Bastelraum, Vorlesungssaal, Fußballfeld, Konferenzraum, Tanzbühne und Sitzungszimmer diente, sind wir nicht unglücklich über diese Entlastung.

Mit dem bundesrätlichen Lockerungsplan waren nun auch wir gefordert, eine Exitstrategie aus dem familiären Lockdown zu organisieren. Seit dieser Woche nehmen wir die Betreuungsleistungen unserer Krippe wieder als für unser kleines Familiensystem relevante Entlastung in Anspruch. Die umsichtige Leiterin unserer Kita hatte uns Eltern per Mail dezent darauf hingewiesen, dass die Rückkehr zu normaleren Verhältnissen für unsere Kinder möglicherweise nicht gleich leicht zu bewältigen sein wird wie für uns Erwachsene. Denn nach über einem Monat Abwesenheit von der Kita und den anderen Kindern werden sie sich an diese nun wieder neue Situation erst wieder gewöhnen müssen.

Den Rat haben wir uns zu Herzen genommen und ein didaktisch gestuftes Vorbereitungsprogramm gestartet: In der vergangenen Woche haben wir zunächst immer wieder von der Kita, den Betreuerinnen und den anderen Kindern gesprochen, dann haben wir regelmäßig Bilder aus dem Kita-Alltag angesehen und schließlich haben wir unsere täglichen Spaziergänge so gelegt, dass sie uns an der Kita vorbeiführten. Durch die großen Glasscheiben konnten unsere Kinder so bereits mit den anderen Kindern wieder Kontakt aufnehmen; was sie so gerne taten, dass man sie von der Scheibe fast unter Tränen losreißen musste. Und dann kam der große Tag, an dem sie früh am Morgen wieder in die Kita aufbrechen durften. Es lief zum Glück alles, als hätte es keine Corona-bedingte Abwesenheit gegeben: Voller Freude stürzten sie sich, kaum waren wir angekommen, in ihren Gruppenraum und jauchzten, begeistert darüber, dass ihnen alles vertraut war.

Dankbar nehmen wir derweil die Entlastung unseres Heimbüros an – und sind froh darüber, dass uns diese Krise noch vor der Schulpflicht unserer Kinder getroffen hat. Voller Respekt stellen wir uns vor, wie ungleich anspruchsvoller es in den letzten Wochen gewesen sein muss, gleichzeitig Arbeit, Familie und Schulunterricht in der eigenen Wohnung und in einem auf Dauer auch ertragbaren 24-Stunden-Rhythmus unterbringen zu müssen – und das alles ganz ohne Unterstützung der Großeltern.

Nach der langen Periode ungewisser Aussichten, ging nun plötzlich alles wieder ziemlich rasch. Fast ein wenig zu rasch. Denn diese Zeit buchstäblich beengter Verhältnisse hatte auch ihre schönen Seiten. Vor allem aber hatten wir uns für diese Zeit eigentlich noch mehr erzieherische Ziele vorgenommen: den Kindern die Angst zu nehmen vor dem Laufrad, sie an den Topf oder gar ans WC heranzuführen und vielleicht, ja, vielleicht sogar: den ewigen Nuggi endlich ins Pfefferland zu verbannen. Aus alledem wurde nur ansatzweise etwas: Das Interesse fürs Laufrad hat zugenommen – der gehörige Respekt ist aber noch immer da. Die WC-Schüssel ist immer noch vor allem ein Studienobjekt, aber immerhin hat Töchterchen bereits einmal ein Probesitzen gewagt. Ganz traurig sind wir allerdings auch nicht, dass wir diese Ziele nicht erreicht haben. Denn insgeheim wünschen wir uns ja, dass wir unsere Kinder eines Tages von der Kita abholen und wir verdutzt erfahren, dass sie ab nun keine Windeln mehr brauchen.

Das Hoffen auf diese kleinen Wunder muss ja auch in Krisenzeiten erlaubt sein. Wenngleich auch bei uns die große Hoffnung überwiegt, dass die Suche nach einer Impfung bald erfolgreich sein wird. Dum spiro, spero.

Dieser Beitrag erschien in leicht anderer Fassung am 25.4.20 in der „Schweiz am Wochenende“ und verschiedenen Regional-Zeitungen. Online findet er sich z.B. unter diesem Link.

Neue Räume erschliessen

von Petra Wälti-Symanzik, Betriebsleiterin Kirchenkreis vier fünf

Ich schreibe diesen Text als Betriebsleiterin des Kirchenkreises vier fünf im Homeoffice, in Woche fünf. Zu normalen Zeiten wäre diese Be­merkung keine Zeile wert. Doch der Lockdown wegen der Pandemie hat unsere Zusammenarbeit im Kirchenkreis verändert. Inzwischen sind Sitzungen per Videokonferenz mit Mitarbeitenden und den verschiedenen Gremien selbstverständlich. Das alles klappt soweit – und doch fehlen das physische Abschiednehmen vom vorherigen Präsidenten sowie die Begrüssung des neuen und einzigartigen Co-Präsidiums in unserem Kirchenkreis.

Das werden wir nachholen. Und den persönlichen Kontakt zu den Mitarbeitenden kann das Telefon oder der Videocall nicht wirklich ersetzen.

Der Schub in Richtung Digitale Kirche war und ist enorm, dank der Flexibilität und des grossen Einsatzes von Pfarrpersonen, Musikerinnen und Musikern, Sozialdiakonen, und Sozialdiakoninnen, Mitarbeiterinnen in der Administration sowie der Gastgeber und Hüter der Kirchenräume. Und doch spreche ich hier wohl für alle: Wir freuen uns, Ihnen wieder an unseren Kirchenorten begegnen zu können.

Als Betriebsleiterin im Kirchenkreis vier fünf treffe ich auf verschiedene Herausforderungen: Da sind über Jahre gewachsene, unterschiedliche Betriebskulturen der Kirchenstandorte. Seit 2019 begegnen sich diese in unterschiedlichen Fachgruppen, in denen Expertenwissen im Kreis geteilt und gewürdigt werden. Wenn bei dieser Zusammenarbeit konstruktives Feedback gelingt und wir gemeinsam als lernende Organisation in kleinen Schritten vorwärts gehen, freue ich mich.

Was ich gelernt habe? Durchatmen, E-Mails manchmal überschlafen, Ungeklärtes nicht auf die lange Bank schieben, Ermöglichen, Zutrauen und Delegieren – und nicht zuletzt: Zuhören. Der Lockdown hat uns über Nacht zur Digitalen Kirche werden lassen.

Als Betriebsleiterin frage ich mich: Was braucht die Stadt von uns, vom Kirchenkreis? Und sehe es wie Stefan Jütte bei reflab.ch: «Wir wissen noch nicht, wie es mit dem Christentum in der Gesellschaft ist, welches die zentralen Werte sind. Darum wollen wir Gesprä­che führen und mit den Menschen gemeinsam rausfinden, was uns zusammenhält, antreibt und Hoffnung gibt.»

Dafür bieten wir gerne Raum an den drei Standorten im Kirchenkreis vier fünf.

Gedanken zum Freitag

Von Roland Gisler, Sozialdiakon, Kirchenkreis sieben acht

Sind Sie über 65 Jahre alt? Oder leiden Sie an Diabetes oder Bluthochdruck oder einer anderen
Vorerkrankung? Dann gehören Sie dazu! Ob Sie möchten oder nicht! Nehmen Sie sich in Acht!

Was wurde nicht alles geschrieben in den letzten Tagen und Wochen – von Risikogruppen und
sogenannt Vulnerablen, also besonders gefährdeten und verletzlichen Menschen….

Aber gehören nicht auch diejenigen, die jetzt in Kurzarbeit versetzt werden oder gar um ihre Stelle fürchten müssen, zu den Vulnerablen? Oder diejenigen, die ihr Geschäft geschlossen halten müssen und kein Einkommen mehr haben?

Auch diejenigen, die sich in den Spitälern um die Kranken kümmern, sind verletzlich. Auch diejenigen, die zuhause im Homeoffice sitzen und gleichzeitig die aus Distanz beschulten Kinder betreuen müssen, sind verletzlich. Auch diejenigen, denen zuhause die Decke auf den Kopf zu fallen droht, weil sie kaum die Wohnung verlassen dürfen, sind verletzlich. Wir alle sind verletzlich.

Der deutsche Maler Franz Marc (1880 – 1916) hat sich in seinem künstlerischen Werk mit ebendieser Verletzlichkeit von Mensch und Natur besonders auseinandergesetzt. Ein wunderbares Beispiel dafür ist sein 1913 entstandenes Bild «Der Turm der blauen Pferde».

Vier Pferde mit nach links geneigten Köpfen sind zu sehen. Bei jedem Pferd ist die Augenöffnung unterschiedlich. Jedes Pferd blickt etwas anders: Verträumt, sehnsüchtig,
selbstversunken, angstvoll…?

Jeder Blick lässt einen Gemütszustand erahnen. Trotz oder wegen ihrer muskulösen Körperformen wirken die Pferde fragil. Wohin sie wohl blicken? Einer bestimmten Gefahr
entgegen? Was haben sie zu erwarten? Ganz im Hintergrund, über den Pferden, spannt sich ein
farbiger Bogen auf. Ein Regenbogen? Die Pferde scheinen ihn nicht zu sehen. Trotzdem ist er da.

Und wir? Wie nehmen wir unsere Verletzlichkeit wahr? Blicken wir ihr ängstlich entgegen oder
verdrängen wir sie? Nach der Sintflut darf Noah aus der Arche heraustreten. Im Bund mit Noah verpflichtet sich Gott, die Schöpfung nie mehr zu verderben:

«Solange die Erde währt, sollen nicht aufhören Saat und Ernte, Frost und Hitze, Sommer und Winter, Tag und Nacht» (Genesis 8,22).

Der Bogen in den Wolken ist das Zeichen dafür. Darauf dürfen wir uns verlassen. Auch heute. Auch morgen.

Bhüet Sie Gott!

Teamwork mit Patchwork: Stricken Sie mit!

Der Kirchenkreis zwölf hat die Aktion Patchwork-Decke ins Leben gerufen. Alle sind eingeladen, zu Hause einen «Lismiblätz» oder «Höögliblätz» zu fertigen. Das Endprodukt – eine Patchwork-Decke – soll später ausgestellt und für einen guten Zweck verkauft werden.

 «Unter normalen Umständen treffen wir uns jeden Dienstag im Kirchgemeindehaus Oerlikon zum gemeinsamen Stricken und Häkeln», sagt Erna Kümin von der Basargruppe Oerlikon. Sie seien vorwiegend pensionierte Frauen, die nebst dem Handarbeiten den unkomplizierten Austausch und das gemeinsame Kaffeetrinken schätzten. Im Moment ist alles anders: Der Austausch findet höchstens am Telefon statt, der Kaffee kommt aus der eigenen Maschine zu Hause. Doch auf das Gemeinsame wollten die Frauen nicht verzichten. Kurzerhand wurde die Aktion Patchwork-Decke ins Leben gerufen, mit dem Ziel, von zu Hause aus zusammen etwas zu kreieren.

Trotz Corona gemeinsam handarbeiten

Je mehr gestrickte oder gehäkelte Quadrate zusammenkommen, umso besser. Jung und Alt, Gross und Klein dürfen – ja sollen – mitmachen und ein Quadrat von 10 x 10 cm beisteuern. Seien auch Sie dabei und fertigen Sie ein kleines «Blätzli». Vielleicht haben Sie schon lange ein paar Wollreste aufbewahrt, die nun sinnvoll «verlismet» werden können. Oder Sie nehmen die Aktion zum Anlass, endlich das Häkeln aufzufrischen oder ein spezielles Muster zu stricken. Ein paar Anregungen finden Sie in den Stricktipps weiter unten. Auch Erna Kümin von der Basargruppe hilft gern weiter bei allen möglichen Fragen rund um die Patchwork-Decke. Sie dürfen sie zudem kontaktieren, wenn Sie Wolle oder Garn brauchen oder nicht die richtigen Stricknadeln im Haus haben. Ihre Telefonnummer finden Sie unten.

Patchwork für die Mission am Nil

Sobald es die Situation wieder zulässt, können die Quadrate im Kirchgemeindehaus Oerlikon abgegeben werden. Die Basarfrauen häkeln die bunten «Blätze» dann zu einer oder mehreren Patchwork-Decken zusammen und stellen sie aus. Wenn alles nach Plan läuft, werden die farbigen Gemeinschaftswerke im November an den Basaren in Oerlikon und Saatlen verkauft. Der Erlös geht an die Mission am Nil, eine christliche Hilfsorganisation, die sich seit 120 Jahren in sechs afrikanischen Ländern entlang des Nils für benachteiligte Menschen einsetzt. Eine rundum gute gemeinsame Sache also!

Fünf Stricktipps für AnfängerInnen

  • Dicke Nadeln, dicke Wolle
    Stricken Sie am Anfang mit eher dicken Nadeln und dicker Wolle. So schaffen Sie vielleicht sogar mehr als ein Quadrat für die Patchwork-Decke!
  • Maschen anschlagen
    Im Video lernen Sie, wie man eine Strickarbeit beginnt, also Maschen anschlägt.
  • Rechte Maschen stricken
    Wenn Sie noch wenig Erfahrung haben, stricken Sie erst nur rechte Maschen. Wie das geht, sehen Sie hier.
  • Maschenprobe stricken
    Bevor Sie mit dem richtigen «Blätz» beginnen, stricken Sie eine Maschenprobe. Schlagen Sie dazu 20 Maschen an. Stricken Sie ein paar Runden und zählen Sie aus, wie viele Maschen Sie tatsächlich anschlagen müssen, damit ihr Quadrat zehn Zentimeter breit wird.
  • Die Strickarbeit beenden: Abketten
    Wenn der Blätz genügend gross ist, wird abgekettet. Schauen Sie hier, wie man das macht.

Kontakt: Erna Kümin, Basargruppe Oerlikon: 044 312 46 68

Für diejenigen, die noch ein paar Inspirationen brauchen, hier zwei Youtube-Videos:
Die 20 lustigsten Produkte aus Strick- und Häkelarbeiten.
Kunstvolles gestrickt oder gehäckelt.

Urnengrab

„Wenn ich sterbe….

von Angelika Steiner Kirchenkreis zwei

«Wenn ich sterbe, wird die Kirche leer sein, es wird niemand kommen.» Lilly sass an ihrem Stubentisch und betrachtete den köstlichen Geburtstagskuchen, der vor ihr lag. Hans, ihr Mann, schwieg und bewegte sich weiter zwischen Kaffeemaschine und Gästen hin und her. Wir sprachen nicht das erste Mal über ihre Beerdigung und auch nicht über ihre Befürchtung, dass niemand an die Abdankung kommen könnte, um ihr die letzte Ehre zu erweisen.

Ich fragte sie: «Lilly, wieso sagst du das? Du lebst schon so lange in Leimbach, die Menschen kennen und mögen Dich, Du hast so viele Jahre im Kirchenchor mitgesungen, du warst immer, wenn möglich, an allen Veranstaltungen im Quartier dabei, wie zum Beispiel im Theater und an Männerchorkonzerten. Wieso sagst Du das immer wieder?» «Ich kann es Dir nicht sagen. Ich weiss es einfach. Es wird niemand kommen, um Abschied zu nehmen. Die Kirche wird leer sein.»

An dieser Stelle wechselten wir, wie so oft, das Thema und sprachen über den Alltag und die Neuigkeiten aus dem Quartier. Hans servierte weiter Kaffee und Kuchen, da laufend neue Gäste eintrafen. Nach einiger Zeit löste sich die Geburtstagsrunde auf.

Mit Hans war sie nun fast 70 Jahre verheiratet und fast so lange lebten sie auch in Leimbach. Sie freute sich darauf, ihr 70-jähriges Jubiläum am 26. August 2020 zusammen mit Hans zu feiern. Voller Respekt und tiefer Bewunderung beobachtete ich die beiden. In all den Jahren mussten sie gemeinsam einige Schicksalsschläge  meistern. Den Tod ihres Sohnes Hanspeter zu akzeptieren, war das Schwerste überhaupt. Der Schmerz über diesen Verlust war stets spürbar und gehörte von da an zu ihrem Leben.

Auch wenn Lilly von vielen körperlichen Einschränkungen und Schmerzen geplagt war, versuchte sie, am gesellschaftlichen Leben weiter teilzunehmen und freute sich auf ihr Jubiläum, in der Hoffnung,  noch genügend Kraft zu haben, dieses Fest zu geniessen. Sie schätzte sehr, dass Ihr Hans gesundheitlich noch recht fit war. So konnte er sich um den Haushalt kümmern und musste das Autofahren auch nicht so schnell aufgeben. Irgendwann wurde es aber zu viel und sie entschlossen sich, gemeinsam ins Alterszentrum zu ziehen.

wird die Kirche leer sein.

Auch als ich Lilly vor ein paar Wochen in ihrem neuen Daheim im Alterszentrum besuchte, sagte sie wieder diesen Satz: «Wenn ich sterbe, wird die Kirche leer sein.»

Sie starb am 28. März, ein paar Monate vor ihrem 70. Hochzeitstag. Ihr Lebenskreis ist nun vollendet, sie ist zurück bei ihrem Schöpfer und ihrem Sohn, woran sie immer glaubte.  Auf dem Friedhof standen neun Personen um die Urne, inklusive Friedhofgärtner und nahmen im kleinen Kreise von ihr Abschied. Wegen Corona mit 2 Meter Abstand und die Kirche war leer, wie sie es immer voraus sagte.

Die Gedenkfeier fällt aber nicht aus, sie wird einfach zu einem späteren Zeitpunkt stattfinden und die Kirche wird dann nicht leer sein. Alle werden sie an Lilly denken und ihr Leben rückblickend zur Sprache bringen. Der Kirchenchor wird ihre Lieblingslieder singen und wir werden dann zu ihrem Konfirmationsspruch von ihr Abschied nehmen.

 «In mir habt ihr Frieden, in der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden.»

Joh. 16, 33

Wir werden nicht nur Lilly, sondern all die Menschen, die unsere Welt in diesen Wochen verlassen haben, nochmals in unsere Mitte nehmen und uns an sie erinnern. Wir wollen uns dann gegenseitig trösten und wieder in den Arm nehmen und uns nahe sein. Egal, ob dies im Sommer, im Herbst oder an ihrem ersten Todestag sein wird.

Was immer die Beweggründe für die Voraussage von Lilly waren, es ist genauso eingetroffen.  Für sie ist das aber nicht mehr wichtig, denn sie ist jetzt in der Welt des Friedens, wie immer sie sich diese Welt des Friedens vorstellte.

Jesus spricht von einem Frieden, der unsere Vorstellungskraft sprengt, ein Friede, den wir hier auf dieser Erde vermissen. Aber es gibt ihn. Darauf dürfen wir hoffen und vertrauen. Und daran sollen wir bereits jetzt und heute mitwirken. Es ist nicht der Horizont, der unsere Erde begrenzt und nicht der Tod, der ein Leben beendet. Es sind die Erinnerungen, der Glaube, dass es mehr gibt als wir sehen und sind.

Auch wenn ich zusammen mit Hans und seiner Familie traurig bin über den Tod von Lilly, so freue ich mich, sie und ihr Leben zu einem späteren Zeitpunkt nochmals zu würdigen und zwar in einer Kirche, die dann belebt sein wird, mit Menschen, die sie kannten und sich von ihr verabschieden werden.

Kirche St. Peter

Will Gott uns mit der globalen Corona-Krise etwas sagen?

Von Pfarrer Ueli Greminger, Kirchenkreis eins, Kirche St. Peter

Im Livestream-Gottesdienst vom 19. April im St. Peter habe ich die Frage nach dem tieferen Sinn der Corona-Katastrophe gestellt und habe die Gemeinde eingeladen, eigene Gedanken dazu aufzuschreiben. Es hat mich mit grosser Freude erfüllt, dass ich ganz verschiedene, gehaltvolle Zuschriften bekommen habe. Ich finde sie bedenkenswert. Einige gekürzte Beispiele:  

1. Es ist nicht Gott, der straft. Es ist der Mensch, der sich durch sein Verhalten in die Bredouille bringt. Gott hat die Menschen früher durch die Propheten gewarnt. Heute ist es Aufgabe der Theologen aufzuzeigen, dass sich der Mensch durch seine Regelverstösse Probleme schafft.

2. Ich glaube, er will uns gar nichts sagen. Denn wenn Corona eine chiffrierte, verborgene Sprachsendung an uns wäre, dann wäre er doch ein ziemlich unheimlicher Kerl, der solche schlimmen Sachen braucht, um uns etwas zu sagen.

3. Gott – oder das Schicksal – hat uns eine Atempause in der Atemlosigkeit der modernen Welt verschafft; wir sollten sie dafür nutzen, uns Gedanken darüber zu machen, was wirklich wichtig ist, was wirklich zählt im Leben und in was für einer Gesellschaft wir leben möchten.

4. Ja, Gott will uns mit dieser Krise sagen: «Wachet auf, respektiert mich und meine Erde! Ich will das Beste für euch, eine bewohnbare Welt. Und was habt ihr daraus gemacht? Ich schickte euch Greta Thunberg und ihr habt nicht auf sie gehört. Ihr schafft es aus eigenem Antrieb nicht, euch der Zerstörung meiner Erde entgegenzustellen! So schicke ich euch das Corona Virus, das eine globale Katastrophe ausgelöst hat, die ihr euch mit eurer masslosen Lebensweise selbst eingebrockt habt. Wird sie euch zur Umkehr bewegen?»

5. Mit Corona zeigt uns Gott die grosse Unsicherheit, der wir ausgesetzt sind. Und zwar geht es nicht um Gut und Böse, nicht um einen fassbaren «Feind». Es ist das Unbekannte, örtlich Umfassende und zeitlich Unbestimmte, das uns niederdrückt. Dem steht die Fülle an Daten und Theorien gegenüber, die aber nicht hilft, sondern die Menschen in wissenschaftlichem Streit und in Diskussionen über den Sinn der getroffenen Massnahmen sich verlieren lässt. Für die mit Corona verbundene Angst gibt es keinen menschlichen Trost, sie kann nur im Gebet vor Gott niedergelegt werden.

6. Seit ein paar Jahren spüre ich: So geht es nicht weiter! Wir alle wissen, es muss sich etwas ändern, wir müssen anders miteinander umgehen, die Luft ist aufgeladen wie vor einem Gewitter. Oder mit anderen Worten, irgendwie habe ich schon länger das Gefühl, Gott will uns etwas sagen, aber wir verstehen es noch nicht. Der Lärm, den wir Menschen produzieren, ist immer noch zu laut. 

7. Möglicherweise ist Corona unsere Freundin, die uns zeigt, was uns wirklich wichtig ist, wie lächerlich unser Konsumverhalten und unser Streben nach Mehr und immer noch Mehr ist und wie wenig uns eigentlich genug ist. Vielleicht können wir unsere Haltung – die gerade der eines zweijährigen Kindes gleicht; mit der Aussage «ich will aber jetzt» – ablegen. Ich schreibe bewusst im wir, weil es uns alle betrifft. Jeden auf eine andere Weise, aber uns alle in irgendeiner Form. Und ich wünsche mir sehr, dass wir diesen Schritt alle gemeinsam schaffen, so verschieden wir auch sind. Bisher hatte ich nie den Eindruck, dass Gott in dieser Grössenordnung in das Erleben der Menschen eingreift. Aber vielleicht tut er das gerade wirklich. Vielleicht war es noch nie so dringend nötig wie jetzt.

In diesen ungewissen Zeiten, da wir für eine längere Dauer nicht wissen werden, wie es weitergeht, scheint es mir besonders wichtig, dass wir uns vertieft Gedanken machen, aufeinander hören, miteinander ins Gespräch kommen und voneinander lernen!

«Hilfesuchende werden noch mehr stigmatisiert als sonst.»

Zu Hause bleiben ist für uns alle momentan das Credo. Die sozialen Kontakte also auf ein Minimum reduzieren, um so zu versuchen, die Ausbreitung des Virus zu verlangsamen. Doch was passiert mit denen, die eben kein zu Hause, kein Dach über dem Kopf haben? Wo gehen sie hin und wie gehen sie mit der aktuellen Krise um? Spurensuche beim Sozialwerk Pfarrer Sieber.

Die Covid-19-Krise trifft auch etliche Einrichtungen der Obdachlosenhilfe der Stadt Zürich, wie den Pfuusbus und das Iglu, die Notschlafstellen des Sozialwerk Pfarrer Sieber (SWS). Die beiden Einrichtungen mussten geschlossen werden – und bauen gleichzeitig ihr Angebot aus. Denn: Randständige im Stich zu lassen, kommt für das SWS nicht in Frage. Die Gassenarbeit bietet Hilfssuchenden seit dem 23. März eine 24-Stunden-Betreuung mit Verpflegung, Beratung und Seelsorge. Walter von Arburg (Foto), Kommunikationsbeauftragter vom SWS, erläutert die Situation.

Herr von Arburg, wer kommt zurzeit zu Ihnen und was brauchen die Menschen nun besonders?

Zu uns kommen Menschen, deren Lebensmittelpunkt auf der Strasse ist. Menschen also, die obdachlos oder von der Schliessung sozialer Treffpunkte besonders betroffen sind. Dadurch ist ihre Tagesstruktur stark tangiert, sie werden zurückgestossen in die Einsamkeit. Im Rahmen unseres 24/7-Angebots auf dem Pfuusbus-Areal können wir sie wieder etwas aus dieser Isolation herausholen.

Ist Corona bei den Hilfssuchenden ein grosses Thema?

Viele Hilfesuchende sind sich bewusst, dass sie zur Hochrisikogruppe gehören, weil sie krank oder durch das Leben in unsicheren und erschwerenden Verhältnissen geschwächt sind. Sie werden noch mehr stigmatisiert und zurückgestossen oder übersehen als sonst schon. Gleichzeitig erleben wir sie als sehr achtsam, diszipliniert und unterstützend in der Beachtung der Verhaltensregeln, die eingehalten werden müssen, damit unser Angebot funktioniert.

Corona hat in der Gesellschaft eine grosse Solidaritätswelle ausgelöst. Merken Sie davon auch etwas?

Ja, sehr. Und das ist wirklich berührend und bewegend. Menschen bieten wertvolle Dienste an: Zeit, Manpower, Sach- und Lebensmittelspenden, gute Gedanken und Gebete. Wir werden getragen und unterstützt. Das tut gut.

Krisen können auch Chancen sein – auch für das Sozialwerk Pfarrer Sieber?

Ich wurde in den letzten Jahren, insbesondere nach dem Tod unseres Stiftungsgründers und angesichts des Verschwindens der offenen Drogenszene aus dem öffentlichen Raum, oft gefragt, ob es uns denn überhaupt noch braucht. Und die Antwort ist ganz klar: Ja. Ja, es brauchte und es braucht uns – nicht erst jetzt, wo die Not wieder sichtbar wird. Sichtbar wird aber gerade jetzt, wie wichtig es für das Zusammenleben in unserer Stadt und in unserer Gesellschaft überhaupt ist, dass eine Organisation gibt, die schnell und unkompliziert das Richtige im richtigen Moment und am richtigen Ort tun kann. Insofern ist diese Krise in ihrer ganzen unbestrittenen Tragik auch eine Chance.

Hug me

Hug me – später

Von Regina Angermann, Kirchenkreis sieben acht

Hug me

«Big hug», schreibt meine Freundin am Ende ihrer Mitteilung. «Hug me» – «Umarme mich» – vor einiger Zeit liefen in vielen Grossstädten der Welt meist junge Menschen mit umgehängten Plakaten durch die belebten Strassen. Manchmal kam auch ich der Aufforderung nach, einfach, weil es so eine nette Geste war und irgendwie an die Flower-Power-Bewegung erinnerte mit ihren friedvollen Aufforderungen zur Liebe und Freundlichkeit zueinander.

Kleine Bewegung, glückliche Wirkung, könnte man sagen. Es tut einfach gut, einen Menschen zu umarmen, den Kopf an die Schulter zu legen, einige Zeit zu verharren und sich dann vielleicht mit einem kleinen Kuss auf die Wange wieder voneinander zu lösen.

Warum mir das gerade jetzt einfällt, hat zwei Gründe: Der erste, für uns Christen ein sehr bedeutsamer. Der Verrat an Jesus durch Judas ging bekanntlich einher mit einer Umarmung und einem Kuss auf die Wange. Die schöne, menschliche Geste missbraucht und ins Gegenteil verkehrt. Am Ende steht allem zum Trotz der Triumph: «Wahrhaftig, er ist wahrhaftig auferstanden!»

Der zweite Grund ist derzeit für alle Menschen einschneidend: Das Corona-Virus verbietet Nähe zu anderen. Keine Umarmung, kein nahes Beieinander, ausweichen nach rechts oder links auf dem Weg.

Ich gebe jetzt eine Vorhersage heraus, eine Prophezeiung für das «Unwort» des Jahres 2020: Ich glaube, es wird «social distancing» sein, die Beschreibung der Meidung zwischenmenschlicher direkter Kontakte, zwei Meter Abstand mindestens, wenn man verantwortungsvoll ist. «Abstand!» rief mir kürzlich ein Herr schon von weitem entgegen. (Fast, als wäre «Abstand!» das neue «Grüezi!»). Das lächerlich zu machen, liegt mir fern. Ich möchte betonen, dass es ausserordentlich wichtig ist, den Empfehlungen von WHO und BAG Folge zu leisten, ich tue dies selbstverständlich auch.

Doch wenn wir die Pandemie – wie ich von ganzem Herzen hoffe und wünsche – gut überstanden haben und Sie sehen eine Person mit einem Plakat umherlaufen, auf dem steht «Hug me!», dann ist die Wahrscheinlichkeit gross, dass ich das bin. Wenn Sie mich also sehen, zögern Sie nicht, kommen Sie und wir umarmen uns innig!