Berufsbildung in der Kirche.

Unsere neuen Lernenden

Am August haben neun Jugendliche ihre Ausbildung bei der reformierten Kirche Zürich in Angriff genommen. In den zwei Bereichen Fachperson Betriebsunterhalt und Kauffrau beziehungsweise Kaufmann absolvieren sie ihre Berufslehrgänge.

Die Ausbildung ist für die reformierte Kirche Zürich ein festes Fundament und ein Bereich, in den sie investieren will. Die Berufsbildung ist seit der Fusion zur reformierten Kirchgemeinde Zürich vereinheitlicht worden. Dies dank neuer Strukturen und einem offiziellen, für den ganzen Betrieb geltenden Berufsbildungskonzept. 18 Lernende werden zurzeit ausgebildet, das Ziel sind 25. Verantwortlich für die Ausbildung ist die Streetchurch (mehr dazu könnte ihr auf unserer Website «Berufsbildung – ganz nah an den Menschen» nachlesen).

Zum Lehrstart zwei intensive Kennenlerntage

Nun hat also ein neues Lehrjahr begonnen. Am 10. August fanden sich neun Jugendliche bei der Streetchurch ein, um ein neues Kapitel in Angriff zu nehmen. In zwei gemeinsamen ersten Tagen erhielten sie nicht nur eine Einführung, sondern hatten auch die Möglichkeit, sich dank Teambildungsaufgaben besser kennenzulernen. «Es waren sehr intensive und spannende Tage», sagt Peti Gutknecht, Diakon und Koordinator Berufsbild Betriebsunterhalt.

Annelies Hegnauer begrüsst die Auszubildenden

Begrüsst wurden die Lernenden auch von der Präsidentin der Kirchenpflege, Annelies Hegnauer. In der Streetchurch richtete sie ihre Worte an die Jugendlichen: «Herzlichen Dank, dass ihr euch für eine Lehre bei der Kirchgemeinde Zürich entschieden habt. Wir hoffen, dass ihr diese erfolgreich abschliesst und dass ihr uns auch nachher erhalten bleibt. Denn wir brauchen dringend motivierte junge Menschen».

Hegnauer sprach auch den grossen Wechsel an, der sich nun im Leben der Jugendlichen vollziehen wird, und nahm betreffend Herausforderungen kein Blatt vor den Mund: «Es wird wahrscheinlich nicht immer einfach sein. Aber ihr habt mit der Streetchurch jemanden im Hintergrund, der immer für euch da ist und an den ihr euch wenden könnt.»

Superfood und Nachhaltigkeit

Als kleines Willkommensgeschenk gab es dann von Annelies Hegnauer für alle eine Tüte mit einem Mix aus Bio-Superfood – für die ersten Tage, um Kraft zu tanken und um an den Nachhaltigkeitsgedanken der reformierten Kirche Zürich erinnert zu werden. «Wir möchten allen eine Umwelt hinterlassen, in der wir gut leben können – auch euch», schloss Hegnauer ihre Ansprache.

Fotos: Sandro Süess, Streetchurch

Sommerzeit – Ferienzeit

Von Jutta Lang, Geschäftsstelle

Es ist Sommerzeit – Ferienzeit. Wir sind zwar immer noch für Euch da, aber wir posten nicht mehr so regelmässig. Wir ruhen uns ein wenig aus. Und wünschen Euch, dass Ihr auch Zeit und Musse findet für viele freie Stunden, Tage, die Ihr geniessen und in denen Ihr Euch erholen könnt.

Seit dem 20. März haben wir hier täglich einen Impuls für Euch vorbereitet. Wir haben Euch unsere Online-Gottesdienste präsentiert, Euch versucht, Mut zu machen in dieser nicht immer einfachen Corona-Zeit. Wir haben berichtet über unsere Arbeit, über hilfreiche Initiativen, über tolle Projekte. Wir haben Musikvideos für Euch bereitgestellt: Song of the Week der Jungen Kantorei Enge oder Lieder vom Gospelchor Oberengstringen. Wir haben es genossen, in Verbindung mit Euch zu sein. Danke!

Jetzt ist der Sommer da. Wer hätte im März geglaubt, dass Corona uns so lange beschäftigen würde? Und – es ist ja noch nicht vorbei. Langsam sieht man wieder erste Flugzeuge am Himmel. Aber nur wenige haben schon Lust auf Ferien im Ausland. Viele werden zu Hause bleiben. In der Schweiz Ferien machen. Ich persönlich finde, es gibt definitiv Schlimmeres.

Balkongarten pflegen, in die Badi oder Wandern gehen, die Blümlein am Wegesrand geniessen. Zeit zum Lesen haben. Alles ein wenig ruhiger nehmen. Übrigens: Kennen Sie unsere Büchertipps? Da findet jede und jeder etwas für sich: Sommerbuchtipps I und Sommerbuchtipps II.

Wie weiter mit den Online-Gottesdiensten?

Auch bei unseren Online-Gottesdiensten ist Sommerzeit angesagt. Wir werden bis zum Ende der Sommerferien Online-Gottesdienste im 14-tägigen Rhythmus aufzeichnen. Das heisst am Sonntag, 19. Juli feiern wir Fraumünster meets Streetchurch, das ist unser 19. (!) Online-Gottesdienst. Sehr empfehlenswert: Rap trifft auf Orgel.

Am 2. August dürft Ihr gespannt sein auf unser Sommergespräch zum Thema Liebe und am 16. August dreht sich alles um das Thema Hoffnung. Was oder auf was hofft Ihr denn zurzeit?

Alle unsere Online-Gottesdienste werden auch in der Sommerzeit sonntags um 9.30 Uhr auf Tele Züri ausgestrahlt. Ihr könnt sie aber auch auf YouTube sehen. Unseren YouTube-Kanal kann man abonnieren, dann seid Ihr immer zuerst informiert.

Wenn es gerade keinen neuen Online-Gottesdienst gibt, Ihr aber Lust auf Gottesdienst habt, empfehlen wir Euch ebenfalls gerne unseren YouTube-Kanal. Dort findet Ihr alle unsere Online-Gottesdienste und noch einiges mehr.

Über Grüsse und Kommentare freuen wir uns immer

Auch wenn wir nicht so regelmässig wie in den kommenden Wochen hier aktiv sind, freuen wir uns auf Eure Nachrichten, Anregungen oder auch über Grüsse aus Euren Ferien.

Bleibt gesund.

Pilgern – ist das jetzt so ein Hype?

Von Jutta Lang, Leiterin Strategische Kommunikation und Teilnehmerin der Ausbildung Pilgerbegleiterin

Zurzeit werden im Pilgerzentrum St. Jakob wieder 20 Pilgerbegleiterinnen und Pilgerbegleiter ausgebildet. Alle zwei Jahre findet ein solcher Ausbildungskurs statt, und für den Kurs 2022 liegen bereits die ersten Anmeldungen. Ist Pilgern ein Hype?

«Pilgern hat eine lange Tradition. Man findet es als spirituelle Praktik in den grossen Weltreligionen. Die Reformierten haben dieses Potenzial von spirituellen Erfahrungen erst in den 1990er-Jahren wieder entdeckt. Deshalb ist Pilgern in meinen Augen so wichtig – es verbindet die Konfessionen und auch die grossen Weltreligionen miteinander», sagt Pilgerpfarrer Michael Schaar, der seit 2016 das Pilgerzentrum St. Jakob in Zürich leitet.

Dass sich so viele Menschen fürs Pilgern interessieren, hat für ihn weniger mit einem Hype zu tun, als mit dem Bedürfnis der Menschen nach gelebter Spiritualität und einem Leben nah bei dem eigenen Selbst. «In meinen Augen – und da schliesse ich mich ja selbst mit ein – möchten viele Menschen Erfahrungen machen, eben nicht nur kopflastig ihren Glauben leben, sondern mit dem ganzen Körper erfahren, was es bedeuten kann, Gott in allen Dingen zu suchen und vielleicht zu finden. Es geht um ein Unterwegssein mit mir selbst, aber auch um Gottessuche. Beim Pilgern kann es gelingen, die Sinne zu schärfen und mit Achtsamkeit wahrzunehmen, was einem auf den ersten Blick vielleicht verborgen scheint. Gerade die Schöpfungsspiritualität wird in Zeiten von Klima-Krise und Corona mehr und mehr in den Mittelpunkt gerückt werden müssen. Davon bin ich überzeugt.»

Die Ausbildung zur Pilgerbegleiterin / zum Pilgerbegleiter findet jeweils von Mai bis September statt. Dieses Jahr musste das erste Modul wegen der Corona-Massnahmen digital stattfinden. Anstatt sich im Seminarhaus Rüdlingen zu treffen, traf man sich zu Hause am Computer. Das war ungewöhnlich, auch für die beiden Ausbilder, Pfarrer Michael Schaar und Pilgerbegleiterin Marianne Lauener aus Frutigen/BE. Anstatt Vorträge zu halten, haben sie im Vorfeld Podcasts aufgenommen.

Die 20 Auszubildenden waren anfangs skeptisch: Das ganze Wochenende am Computer sitzen, sich alles selbst erarbeiten. Puuh, die Skepsis war gross. Ob das Lernen so Spass machen kann? Aber dann ging es los. Und es ging besser als gedacht. Man konnte sich seine Zeit frei einteilen – geh ich jetzt lieber eine Stunde in den Garten oder arbeite ich meine Lektion durch. Beides ist möglich. Und als grosser Vorteil zeigte sich, dass man spannende Podcasts mehrmals hören. Oder zwischendurch kurz unterbrechen. Oder zurückspulen. Und so merkten die Auszubildenden: Das digitale Modul hat auch Vorteile.

Trotzdem haben wir uns alle gefreut, als wir uns Ende Juni getroffen haben. Theoretisch haben wir uns ja alle irgendwie schon gekannt – vom Bildschirm. Und dann plötzlich waren wir live und in Farbe zusammen. Es war, als würden man alte Bekannte treffen.

Das fünftägige Ausbildungsmodul stand unter einem guten Zeichen. Wetter gut, Stimmung gut, Motivation auf hohem Level. Auf dem Programm stand dann auch noch das, was wir alle sehr gerne bis am liebsten machen: Wir gepilgert – von Schaffhausen nach Winterthur. Auf dem Jakobsweg. Jede Vierergruppe hat einen Halbtag lang die ganze Gruppe geführt.

Eine Gruppe führen heisst beim Pilgern übrigens nicht einfach, dass man vorne läuft und alle anderen folgen. Nein, jede Gruppe hatte ihr Teilstück im Vorfeld rekognosziert. Es wurde viel vorbereitet, ein Thema für den Weg ausgesucht, Impulse vorbereitet. Man musste an vieles denken. Wie schnell darf man gehen, wenn man eine Pilgergruppe führt? Wie bekomme ich die Aufmerksamkeit der Gruppe, wenn ich etwas sagen will? Sind wir noch im Zeitfenster? Darf man die Trödlerinnen oder Trödler antreiben?

Oh, ja, das Trödeln war in der Praxis ein grosses Thema. Jetzt sollte man meinen, dass eine Gruppe Lernender Pilgerbegleitung bereitwillig den Führenden folgt. Immerhin werden sie ja auch demnächst mal führen und wollen dann, dass alle folgen. Aber weit gefehlt. Unsere Gruppe verhielt sich wie jede beliebige Gruppe. Die eine hatte Durst, der andere musste aufs WC. Der eine wollte sich das Blümchen noch genauer anschauen, obwohl die Zeit drängte, und die andere hatte partout keine Lust das zu machen, was als anregender Impuls gedacht war.

Wir haben viel gelernt – auch über Gruppenprozesse. Wir sind viel gelaufen – Pilgern ist mehr als Wandern. Wir haben viel gelacht – beim Pilgern kommt man sich selbst und den Mitpilgernden näher. Wir haben die Motivation nochmals hochgefahren. Was auch nötig ist, denn am 10. August müssen wir unsere Zertifikatsarbeit einreichen. Wir dürfen eine mehrtägige Pilgerreise planen – inklusive Budget, Marketing und Vorbereitung auf Notfallsituationen.

Wenn alles gut gehen, sind wir Ende September transnational ausgebildete Pilgerbegleiterin oder ausgebildeter Pilgerbegleiter EJW (Europäische Jakobswege). Also, wenn Sie sich mal überlegen, ob Pilgern etwas für Sie ist, sprechen Sie mich an oder schauen Sie auf der Website des Pilgerzentrums St. Jakob nach, ob ein passendes Angebot für Sie vorhanden ist.

Sie interessieren sich fürs Pilgern: Pfarrer Roland Wuillemin hat über seine Pilgerreise nach Santiago de Compostela einen inspirierenden Kurzfilm gemacht.

Fotos Pilgergruppe: Doris Münch
Foto: Wegwarte: Jutta Lang

Neuer Name für Lutherwiese

Auf Initiative der Lesegruppe «Frauen Lesen» im Kirchenkreis zwölf heisst der bisher als Lutherwiese bezeichnete Spielplatz hinter dem Offenen St. Jakob im KIrchenkreis vier fünf jetzt offiziell Mentona-Moser-Anlage. Mentona Moser war eine bedeutende Schweizer Revolutionärin. Der Roman, den Eveline Hasler über sie geschrieben hat, hat die Lesegruppe des Kirchenkreises zwölf dazu veranlasst, einen Antrag auf Umbenennung an die Strassenbenennungskommission zu stellen. Mit Erfolg. Am 2. Juli wurde die neue Namenstafel enthüllt.

Auf der ganzen Welt werden zurzeit die Denkmäler und Strassennamen der westlichen Welt diskutiert: Sie ehren nicht selten problematische Persönlichkeiten – und fast ausschliesslich Männer. Jetzt, auf dem Höhepunkt der Diskussion, wurde ein zentraler Platz in Zürich nach einer Frau benannt. Auf Initiative einer Gruppe, die vielen kein Begriff sein dürfte.

Eine produktive Lesegruppe

«Frauen Lesen» nennt sich der Lesekreis, die der Kirchenkreis zwölf der reformierten Kirchgemeinde seit rund 20 Jahren organisiert. Rund zwölf Frauen treffen sich regelmässig, um gemeinsam Bücher von und/oder über Frauen zu lesen. Vor ungefähr einem Jahr lasen sie «Tochter des Geldes» von Eveline Hasler, ein Roman über die Schweizer Revolutionärin und Moser-Erbin Mentona Moser, wie Pfarrerin Hanna Kandal erzählt, die die Lesegruppe organisiert und leitet.

«Die Geschichte von Moser hat uns nachhaltig fasziniert und berührt», sagt Kandal. So nachhaltig, dass die Mitglieder der Lesegruppe gemeinsam einen Antrag an die Zürcher Strassenbenennungskommission stellten. Am 2. Juli, ein Jahr später, findet sich eine kleine Gruppe Menschen auf der Wiese hinter der Citykirche Offener St. Jakob ein. Sie wartet darauf, dass eine neue Namenstafel enthüllt wird: Mentona-Moser-Anlage. Bisher war der Spielplatz als Lutherwiese bekannt.

Eine Berufsrevolutionärin

Mehr darüber, wer Mentona Moser war, erzählt Hannes Lindenmeyer vom Quartierverein in einem kurzen Input: eine eigentliche Berufsrevolutionärin. 1874 als Tochter einer der reichsten Familien der Schweiz geboren, wandte sie sich bald sozialen und politischen Themen zu. In London besuchte sie Kurse über Soziale Arbeit und leistete freiwillige Unterstützung in sozialen Brennpunkten. Zurück in Zürich engagierte sie sich in der Sozialdemokratischen Partei, trat später aber wieder aus, um der Kommunistischen Partei beizutreten. Der Idealismus Mosers führte sie später nach Russland und nach Deutschland, wo sie sich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligte. 

Ein Hauptaugenmerk Mentona Mosers hätte immer den Kindern gegolten, erzählt Hanna Kandal. In Zürich habe sie sich stark dafür eingesetzt, dass Freiräume geschaffen werden, in denen sie sich in sicherem Umfeld austoben dürfen. «Das war damals noch überhaupt nicht gewöhnlich», sagt Lindenmeyer. «Auf der nahegelegenen Bäckeranlage war Kindern das Spielen verboten.» Erst auf den Druck Mentona Mosers hin eröffnete Zürich 1909 schliesslich den ersten Kinderspielplatz der Stadt. Hinter dem Offenen St. Jakob, auf der heutigen Mentona-Moser-Anlage.

Neun Frauen und drei Kinder leben in der Herberge für geflüchtete Frauen

Annette Lory, Leiterin der «Herberge für geflüchtete Frauen und Kinder»

Das auf drei Jahre befristete Projekt «Herberge für geflüchtete Frauen und Kinder» ist im Januar 2020 mit einer Bewohnerin gestartet. Mittlerweile leben neun Frauen und drei Kinder in den Räumlichkeiten einer ehemaligen Krankenstation in Wiedikon.

Im grossen Wohnzimmer im 5. Stock ist heute Morgen noch nicht viel Betrieb. Einzig Lara, die 13-jährige Tochter von Isabelle, brütet bereits über ihren Haushausaufgaben. Und Sonbul, der Herbergskater, wartet darauf, dass er endlich gebührend wahrgenommen wird. Noch gibt das Corona-Virus den Takt vor: Sämtliche Deutschkurse vom Solinetz sind abgesagt und auch die Wohnungssuche der Frauen ist auf Eis gelegt.

Das unbestrittene Highlight der Woche aber ist, aber auch in diesen Zeiten, der Besuch der «Schweizer Tafeln», deren Bus jeden Montag vor der Herberge haltmacht. Wer zufälligerweise genau dann vorbeispaziert, könnte glauben, versehentlich auf einem orientalischen Markt gelandet zu sein. Eine Gruppe von Frauen steht auf dem Gehsteig und wählt Gemüse, Früchte oder andere Lebensmittel aus. Eine Frau fragt sich, ob das Fleisch, das angeboten wird, wirklich noch geniessbar ist. Eine andere möchte wissen, wie Mangold am besten zubereitet wird.

In der Corona-Krise ist das Kochen und Backen zu einem  beliebten Zeitvertrieb geworden, die Frauen überbieten sich gegenseitig mit leckeren, selbst gebackenen Kuchen und köstlichen Speisen aus ihren Herkunftsländern.

Aus dem Wohnzimmer sind Stimmen und Lachen zu hören. Wenn einer Frau die Betriebsamkeit mal zu viel wird, kann sie sich ins eigene Zimmer zurückzuziehen, um zu lesen, Musik zu hören oder sich in Ruhe unter vier Augen zu unterhalten.

Aber auch die regelmässigen Gespräche mit der Leiterin der Herberge und die WG-Sitzungen, sind wichtige Fixpunkte im Alltag der Frauen. Einer Frau mit drei Kindern ist es (trotz Corona-Krise) gelungen, eine eigene Wohnung zu finden, was den anderen Frauen Hoffnung gibt, bald auch ein festes Zuhause zu haben.

Lieber Herr Harald Naegeli

Ein Brief von Regine Bernet

Seit einigen Wochen ist auf der strassenseitigen Fassade des Kirchgemeindehauses Hottingen ein tanzender Knochenmann mit Sense zu sehen. Auch ohne Fachgutachten sind wir sicher: ein echter Harald Naegeli!

Ohne zu zögern haben alle Mitglieder unserer Kirchenkreiskommission sieben acht sich dafür ausgesprochen, dass der Knochenmann Bleiberecht haben soll. Sie haben uns ein Geschenk gemacht, das wir gerne annehmen.

Das Graffito ist schön und dynamisch, und es ist in vielen Bezügen verankert. Der Sensenmann ist vielleicht aus der Grube unter dem Bodengitter heraufgestiegen. Oder er ist abgehauen aus dem Totentanzprojekt in den Türmen des Grossmünsters, das seit letztem Sommer stockt, und hat hier einen neuen Platz zum Tanzen gefunden. Schon früher gab es einen Naegeli an diesem Kirchgemeindehaus (leider wurde er versprayt und musste entfernt werden), ein weiterer, etwas schlichter Kollege figuriert am Kirchgemeindehaus Neumünster. Sie selber wurden in Fluntern geboren, haben früher in Hottingen gewohnt und sind auch heute wieder im Quartier. Auch wenn es nicht vernünftig ist und wohl auch nicht in Ihrem Sinn: ein einheimischer Knochenmann schreckt weniger.

In Sachen Tod gilt die Kirche ja als kompetent, gleichsam zuständig für den Umgang mit dem grossen Thema. Dieser Knochenmann wurde zudem in Zeiten von Corona gesprayt, als wir alle ein wenig dünnhäutiger waren, manche gar verängstigt. Er wird uns in Zukunft an diese Periode erinnern. Es hat uns auch gefallen, dass Sie in dieser Zeit Hauseigentümer mit Bildergaben motiviert haben, ihren Geschäftsmietern die Miete zu erlassen, wenn sie wegen Corona keine Einnahmen hatten. 

Der Knochenmann von Hottingen wird vielen Menschen Anlass geben, eine Pause einzulegen für ein paar Gedanken zur Kunst, zum Tod oder zur Frage, was eine Hausfassade schön oder hässlich macht.

Wir bedanken uns herzlich für das Kunstwerk, das Sie uns geschenkt haben, und grüssen Sie freundlich!

Für die Kirchenkreiskommission sieben acht
Regine Bernet

Wege aus dem Lockdown

Von Alexandra Baumann, Kirchenkreis vier fünf

«Ich habe so viel mehr Mühe, aus dem Lockdown rauszukommen, als mich darauf einzulassen». Diese Aussage habe ich in den vergangenen Wochen x-fach von verschiedenen Personen gehört.

Homeoffice wo möglich, enorm reduzierte soziale Kontakte und der Stillstand des öffentlichen Lebens: In den vom Bundesrat verordneten Lockdown zu gehen, war ein kollektives Umstellen für die Schweiz. Anders sieht es mit dem Lockup aus: Hier haben wir in vielen Bereichen die Möglichkeit, das Tempo selbst zu bestimmen.

Und so gehen wir auch alle dieses Thema unterschiedlich an: Die einen können es kaum erwarten, wieder am sozialen Leben teilzunehmen, das Vibrieren des Stadt-Alltages zu spüren und die verpassten sozialen Kontakte nachzuholen. Andere sind vorsichtig, leben weiterhin zurückgezogen und sind unsicher, wie viel «draussen sein» ok ist.

Genau dies ist meiner Meinung nach eine der Herausforderungen in diesem ganzen Prozess: Im Umgang mit dem Corona-Virus einen verlässlichen inneren Kompass zu haben, empfand ich als Herausforderung. Jedes Experten-Interview widerspricht dem letzten, jede neue Erkenntnis wird vielleicht schon am darauffolgenden Tag wieder umgeworfen.

Was ich mit grosser Freude feststelle: Die Menschen haben das kirchliche Zusammensein vermisst. Zwar muten die Gottesdienste mit den räumlichen Distanzen vielleicht zuerst etwas seltsam an, das Mitsummen statt Mitsingen ist gewöhnungsbedürftig – und trotzdem wird wieder am Kollektiv teilgenommen. Oft mit spürbarer Freude und der Erleichterung über diesen Weg zurück in eine veränderte Realität.

Trotzdem dürfen wir diejenigen nicht vergessen, für welche das Zurückkommen aus der sozialen Isolation nicht so einfach möglich ist. Diejenigen, die vielleicht schon vor dem Lockdown Schwierigkeiten hatten, sich unter Menschen zu mischen und bei denen die Existenz von diesem Virus zusätzliche Hürden aufbaute. Denn wir wissen nie, warum ein Mensch zurückhaltend bleibt. Vielleicht hat sie/er jemanden an eine Lungenkrankheit verloren? Vielleicht lebt sie/er mit einem/r Risikopatient*in zusammen? Und vielleicht waren diese Monate der erzwungenen Entschleunigung einfach genau das Richtige für eine Person, welche vorher immer im Hamsterrad war und nicht gleich direkt wieder einsteigen möchte?

Ich wünsche mir, dass vom Lockdown die Solidarität zurückbleibt. Dass die physische Distanznahme nicht zur enormen mentalen Distanzierung zwischen Menschen führt. Und wir Wege finden, wie wir die unterschiedlichen Tempi aus dem Lockdown akzeptieren können. Verschiedene Auffassungen und uns vielleicht unbekannte Angstgefühle zu verstehen versuchen. Und als Kirche weiterhin kreative Wege suchen, um auch mit denjenigen in Kontakt zu bleiben, welche an unserem Angebot (noch) nicht wieder persönlich teilnehmen.

Solidarisch durch die Krise: Broken Bread

Von Christian Baumgartner, Jugendarbeiter, Kirchenkreis zwei

Es zeichnet sich noch nicht ab, wie sich die Coronakrise mittel- und langfristig auf unser Leben auswirken wird. Was allerdings deutlich sichtbar ist: Die Krise trifft die Ärmsten hart – auch mitten in Zürich. 1’400 Personen standen jüngst in der Langstrasse an, um sich eines der vielen Lebensmittelpakete des Vereins Incontro zu ergattern. Immer willkommen: Spenden für die Ärmsten.

Die Arbeit des Vereins wird durch Zuwendungen von Kirchgemeinden und Privatpersonen ermöglicht. Hier können wir als Kirche unterstützen. Auch die reformierte Kirchgemeinde Zürich engagiert sich, zum Beispiel im Kreis zwei. In den Kirchgebäuden werden von Mitgliedern zusammengestellte Pakete entgegengenommen. Freiwillige transportieren die gesammelten Lebensmittelspenden wöchentlich ins Stadtzentrum, wo sie am Freitag- und Samstagabend an die bedürftige Bevölkerung abgegeben werden. Niederschwellig, unkompliziert und schnell. Es ist eine Hilfe, die rasch ankommt und geschätzt wird. Denn sie wirkt unmittelbar.

Lebensmittelspenden sind willkommen

Gerne lade ich Sie ein, sich zu beteiligen und ein Paket an einem der Sammelorte zu deponieren. Es fällt ins Auge, dass viele Menschen ihr Paket kreativ verzieren oder eine handgeschriebene Karte an die Betroffenen beilegen. Das ist ein grosses Zeichen von Menschlichkeit in einer Zeit, welche für alle mit grossen Unsicherheiten belastet ist.

Was packe ich in das Paket (=Papiersack) ein?

Variante 1: Für unsere Freunde und Freundinnen, die eine Kochgelegenheit haben

1 Pack Toastbrot
1 Brotaufstrich (Nutella, Konfitüre, Honig)
2 Packungen / Schachteln Streichkäse / Sandwichkäse (ohne Kühlung haltbar)
2 Dosen Thon
1 kg Teigwaren und 1 kg Reis
Schokolade bzw. Schoggi‐Cake oder Madeleine
1 Dose Pastetenfüllung
1 Tomatensauce
1 Büchse Erbsli mit Rüebli bzw. Bohnen
Instantkaffee oder Tee
½ Liter Milch

Variante 2 – für unsere Freunde und Freundinnen, die obdachlos sind

1 Pack Toastbrot
1 Brotaufstrich (Nutella, Konfitüre, Honig)
2 Packungen / Schachteln Streichkäse / Sandwichkäse (ohne Kühlung haltbar)
2 Dosen Maiskörner (Dose, die man ohne Dosenöffner öffnen kann)
2 Dosen Thon
1 Pack Salami (ungekühlt haltbar)
Schokolade bzw. Schoggi‐Cake oder Madeleine
Apfelmus (in Tetrapackung oder Dose, die man ohne Dosenöffner öffnen kann)
1 Liter Orangensaft
½ Liter Milch · 1 Plastikmesser und 1 Plastiklöffel

Sammelorte in unserer Kirchgemeinde gibt es im
Kirchenkreis eins: Predigerkirche (Mo-Sa von 14.00-15.30 Uhr)
Kirchenkreis zwei:  Kirchen Enge, Kirche Leimbach (Mo-Fr 9.00 bis 19.00 Uhr) und Alte Kirche Wollishofen: (Mo-Fr 9.00 bis 17.00 Uhr)
Kirchenkreis sieben acht
Kirchenkreis neun: Alte Kirche Albisrieden und Altstetten (Fr bis 15.00 Uhr)
Kirchenkreis zehn: Kirche Höngg und Oberengstringen (bis Fr 12.00 Uhr)
Kirchenkreis elf

Über die Aktion Broken Bread hat SRF 4 News Aktuell am 5. Juni 2020 berichtet und am 23. April 2020 war ein Bericht in der NZZ.

Ein echter Nägeli

Habt Ihr auch einen? Einen echten Nägeli? Also, wir haben einen. Nein, wir haben sogar zwei. Der im Grossmünster ist bekannt, aber immer noch nicht fertig. Die Arbeiten daran stecken in einem Zwist mit den Behörden fest. Und neu haben wir jetzt auch einen am Kirchgemeindehaus Hottingen.

Jaja, wo ein Nägeli ist, ist der Streit oft nicht weit. Wir jedenfalls freuen uns über «unseren» Nägeli.

Mehr dazu erfahren Sie in dem Beitrag auf Tele Züri.

Harald Nägeli ist einst aus seiner Heimat geflüchtet. Er war ein berühmt berüchtigter Sprayer – vor 40 Jahren war das noch eine Kunst, die in den behördlichen Kreisen selten auf Gegenliebe stiess. Jetzt ist Harald Nägeli, 80-jährig, zurückgekehrt in seine Heimatstadt. Seine Heimkehr hat er mit einer spektakulären Geschenkaktion für private Hausbesitzer gefeiert. Wer dem aufgrund von Corona geschädigten Gewerbe den Mietzins nachlässt, darf auf einen echten Nägeli als Geschenk hoffen: Siehe dazu Artikel in der NZZ vom 7. April 2020.

Seit drei Wochen prangt auch am Kirchgemeindehaus Hottingen ein solcher Nägeli. «Ich persönlich freue mich darüber, dass Herr Nägeli unser Kirchgemeindehaus für seine Totentanzskizze erwählt hat, und dieser Totentanz ist für mich bereits ein bleibender Bestandteil des Gebäudes», sagt Susanne Stamm, Ressort Liegenschaften der Kirchenkreiskommission sieben acht.

«Es ist ein Geschenk, ein willkommendes Geschenk», sagt auch Thomas Manhart, Präsident der Kirchenkreiskommission sieben acht. Er geht davon aus, dass der Nägeli bleiben darf.

Das ist nicht selbstverständlich. Am Kunsthaus in Zürich mag man ihn nicht haben. Dort klagt man gegen den Sprayer.

Endlich – es finden wieder Veranstaltungen statt

Seit 6. Juni dürfen wieder Veranstaltungen bis 300 Personen stattfinden. Klar, es müssen die Sicherheits- und Hygienemassnahmen eingehalten. Aber immerhin, man kann sich wieder treffen, gemeinsam in der Kirche meditieren, gemeinsam beim Bibel-Kafi lesen und beten oder im Zytlos einen Kaffee trinken.

Besuchen Sie den Kalender auf unserer Website, dort finden Sie alle Veranstaltungen der Kirchgemeinde Zürich, die stattfinden. Dort erfahren Sie auch, wenn es besondere Hinweise zu beachten gilt.