Weihnachten findet statt

Meine schönste Weihnachtserinnerung

Weihnachten findet statt! So heisst es seit Wochen, seit Monaten. Aber die hohen Infektionszahlen ziehen Beschränkungen nach sich. Nichtsdestotrotz findet Weihnachten statt – halt einfach ein wenig anders als sonst. Das Erinnern an unsere schönsten Weihnachtserfahrungen ist wärmend, nicht nur in diesem besonderen Jahr. Wer kommt nicht innerlich ins Schmunzeln – und meist auch äusserlich ins Lächeln -, wenn er oder sie an seine/ihre schönsten Weihnachsterinnerungen denkt? Hier ein paar Erinnerungen von Menschen aus der Kirchgemeinde Zürich…

«Frieden unter den Religionen» Offene Weihnachten in einer übervollen Helferei an der Kirchgasse. Die unterschiedlichsten Menschen treffen sich zum Essen, zum Gottesdienst, zum Glühwein und Tanz. Vor ein paar Jahren lebte eine Flüchtlingsfamilie aus der Türkei in unserer Notwohnung. Inmitten der Freiwilligen, die kochen und Essen austeilen, stand mit lachendem Gesicht der Vater. Ein Muslim hat für uns Christen an Heiligabend gekocht. Ehre sei Gott in den Höhen und Frieden unter den Religionen auf Erden! Christoph Sigrist, Pfarrer

«Der besondere Schmuck» Mein Vater brachte alljährlich eine wunderschöne Nordmanntanne aus dem Wald nach Hause. Kurz vor Heiligabend wurde sie ins Haus geholt und über Nacht vom Christkind prachtvoll geschmückt. Meine Kinder dürfen sich jedes Jahr mit ihrem Vater ihren Lieblingsbaum aussuchen, den wir gemeinsam kunterbunt schmücken. Und an Heiligabend entdecken sie jeweils einen ganz besonderen Schmuck, der das Christkind heimlich über Nacht an unseren Baum gehängt hat. Katja, Mitglied der reformierten Kirchgemeinde Zürich

«Das mystische Lichtermeer» Wir feierten als Familie jeweils am 25. Dezember Weihnachten. Die Sigristin entzündete am späten Abend auf dem Vorplatz der Kirche immer ein Lichtermeer von Kerzen. Am liebsten ging ich allein nach draussen, um dieses Licht in aller Stille zu erleben. Das Feiern in der Kirche und zu Hause fand ich auch schön. Aber das stille Erleben der vielen Lichter liess mich schon früh etwas von der Mystik von Weihnachten erahnen. Roland Wuillemin, Pfarrer

«Endlich zu dritt mit Rollschinkli und Bohnen» Der 24. Dezember vor neun Jahren wird mir und meinem Mann immer in Erinnerung bleiben. Wir durften an diesem Tag endlich unsere Tochter nach Hause nehmen. Ich erinnere mich an die grosse Dankbarkeit, die uns an diesem Heiligen Abend erfüllte. Aber auch daran, wie fröhlich wir waren, als wir nach alter Familientradition unser Rollschinkli mit Bohnen und Kartoffelgratin zubereiteten und dabei kaum den Blick von dem herzigen Baby in der Wippe abwenden konnten. Sibylle, Mitglied der reformierten Kirchgemeinde Zürich

«Aus voller Kehle» Von weitem hörte ich feierlich fröhliche Musik und in meiner Nase breitete sich ein feiner Wohlgeruch aus. So wurde ich am ersten Weihnachtstag sinnlich geweckt. Der Zopf stand später zum Auskühlen auf dem Balkon und die Trompeten und der Chor hörten nicht auf, von der frohen Kunde zu erzählen. Später – und das kam wirklich nur an Weihnachten vor – kam meine Schwester mit mir in den Gottesdienst. Ehrlich gesagt gingen wir nur, um gemeinsam und aus voller Kehle das «O du fröhliche» zu singen. 
Liv Zumstein, Pfarrerin

«Eine Gioia als grösstes Geschenk» Meine schönste Weihnacht war, als unser jüngstes Kind am 24. Dezember zur Welt kam. Die ganze Familie war im Spital versammelt und sagte unisono: «Mama, du musst heimkommen, wir bereiten alles vor, aber Weihnachten ohne dich geht nicht! Die Freude über das neue Familienmitglied war so gross, dass sogar das Geschenkeauspacken fast vergessen ging. In einer spontan einberufenen Familienkonferenz haben wir dann entschieden, dass das bis dahin noch namenlose Kind Gioia, Freude, heissen sollte. Tamara, Mitglied der reformierten Kirchgemeinde Zürich

Wenn Ihr an Heiligabend und/oder an Weihnachten zwar gerne einen Gottesdienst feiern wollt, aber lieber von daheim aus, empfehlen wir Euch unsere Online-Gottesdienste auf YouTube.

Hier die Daten unserer Online-Weihnachtsgottesdienste:
Heiligabend ab 16 Uhr auf YouTube und um 17.30 Uhr auf Tele Züri
Erster Weihnachstfeiertag ab 9 Uhr auf YouTube und um 9.30 Uhr auf Tele Züri




Kirche Oerlikon

Schweigende Nacht, stille Nacht, singende Nacht – Konzert zum Mitsingen

Mit dem Singen ist es dieses Jahr so eine Sache. Singen gehört seit jeher zu Weihnachten und zur reformierten Tradition, deshalb schenkt Organist Christian Gautschi am 4. Advent allen Musikfreunden ein besonderes Geschenk: ein Konzert zum Mitsingen.

Mit einem Livestream-Orgelkonzert aus der Reformierten Kirche Oerlikon bringt Christian Gautschi Advents- und Weihnachtslieder in die Stube: Von «Tochter Zion» über «Stille Nacht» bis hin zu «O du fröhliche» sind alle bekannten und beliebten Lieder vertreten. Und wer weiss, vielleicht ist die eine oder andere unbekannte Trouvaille unter den Liedern zu entdecken. Der Text der Lieder ist unterlegt, so dass – wer will – diese zuhause mitsingen kann. Und wer nicht selbst singen will, kann die schönen Melodien einfach geniessen und in den Orgelklängen schwelgen.

Das Konzert wird am Sonntag, 20. Dezember 2020, um 17 Uhr als Livestream auf YouTube ausgestrahlt. Es bleibt auch nachher noch eine Zeit lang online, sodass man es auch zu einem späteren Zeitpunkt anschauen kann.

Wir wünschen allen viel Freude bei diesem weihnachtlichen Vergnügen und sind dankbar, dass wir auf diesem Wege Weihnachtslieder und Weihnachtsstimmung verbreiten können.

Zum Konzert gelangt man über folgenden Link.

Singen@home

Singen@home? oder In dulci jubilo, nun singet und seid froh!

Singen macht glücklich! Oh ja, das wissen alle, die singen, ob allein oder im Chor. Jetzt, wo sich die Chorsingenden nicht mehr zum gemeinsamen Singen treffen können, wird dies umso deutlicher und schmerzlich vermisst, vor allem in der Vorweihnachtszeit. Jedoch, es gibt Hilfe! Gute Hilfe, um auch in der jetzigen Zeit zu singen! Tolle Online-Angebote, Apps, Mitsing-Tools, die ein freudvolles Singen zu Haus ermöglichen. Das ist doch mal eine erfreuliche Nebenwirkung dieses Virus’.

Apropos Virus…. Singen hält gesund! Die Kräftigung des Immunsystem ist eine der vielen nachgewiesenen Stärken des Singens! Fangen Sie also am besten gleich morgens an!  Zum Beispiel mit dem morgendlichen «Einsingen um 9»: Seit März 2020 findet jeden Morgen live ein Einsingen statt, alternierend geleitet von den Profis Julia Schiwowa, Barbara Böhi und Daniel Perez.

YouTube Einsingen

Rasch wurde dieses Angebot von sehr vielen Singbegeisterten genutzt und es wird mittlerweile europaweit genutzt!  Via Link Einsingen um 9 kommt man in den Genuss, «gemeinsam» mit anderen die eigene Stimme in Form zu halten.  

Man kann das Einsingen im Internet live mitverfolgen und mitmachen, ohne dass man selber gefilmt oder gehört wird, so als würde etwas im Fernsehen live übertragen. Und auch hier ein schöner Vorteil der virtuellen Welt: Jede Einsing-Lektion bleibt online abrufbar. Wer will kann also seine Lieblingslektion immer wieder üben oder mehrere Lektionen hintereinander mitsingen.

«Singen, wo und wann ich möchte!»  mit diesem Slogan wirbt die App Cantico: https://www.cantico.me Oh du Fröhliche! Es kommt ein Schiff geladen. Es ist ein Ros’ entsprungen … All die schönen Advents- oder Weihnachtslieder zuhause zum Mitsingen – allein oder mit der ganzen Familie. Sämtliche Texte, Noten und Melodien der beliebtesten Lieder lassen sich auf das Smartphone oder Tablet laden und können dann mithilfe der praktischen Karaoke-Funktion problemlos mitgesungen werden.

Zuhaus@Kirche: Wer sich einen visuell einladenden Raum dazu wünscht, kann sich täglich ab 8 Uhr mit einem Advents- oder Weihnachtslied aus dem Grossmünster einstimmen lassen oder am besten gleich mit dem Choralbuch mitsingen: „Klingender Adventskalender“.

Chorprobe via Zoom

ZOOM-Singen. Oder sollte man besser von «Summ-Singen» sprechen, wenn überhaupt? Nun ja, alle, die es anfangs versucht haben, wurden rasch enttäuscht: Virtuelle Zoom-Proben können niemals einer realen Chorprobe gleichkommen.

Dennoch haben Chorproben via Zoom einen Gewinn, der nicht zu unterschätzen ist:

  • Stimmbildung – die Stimme bleibt in Form!
  • Werke können weiter einstudiert werden mit Hilfe der Stimme des Chorleitenden plus Klavier-Begleitung (für einige eine «schöne» Herausforderung, da sie ganz auf sich gestellt sind, sie aber im Gegenzug auch kein anderer ablenken kann)
  • Wiedersehen, Austausch, Geselligkeit!

Singen Sie täglich 15- 20 Minuten! Und schon verbessert sich die Sauerstoffversorgung in Ihrem Körper, wodurch das Immunsystem und die Abwehrkräfte gestärkt werden. Die Glückshormone betreten dann etwas später die (Körper-)Bühne. Nach ca. 30 Minuten Singen werden vom Gehirn vermehrt Anteile von stimmungsaufhellenden Hormonen wie Beta-Endorphin und Serotonin produziert und gleichzeitig werden Stresshormone wie Cortisol abgebaut!

Singen Sie sich also täglich gesund und glücklich – für mehr heitere Momente in diesen schwierigen Tagen und für eine stimmungsvoll klingende Weihnachten!

In dulci jubilo, nun singet und seid froh!

Weitere Links zum Thema:

https://www.br.de/radio/bayern1/singen-102.html

https://www.spektrum.de/frage/macht-singen-gluecklich/1630772

Weihnachtsfilme

Drei Welten und ein Geheimtipp

In eine Zauberwelt abzutauchen ist an Weihnachten besonders schön. Welche Filmklassiker lohnen sich besonders? Wir haben drei Tipps aus drei Welten für Sie zusammengestellt – machen Sie es sich bequem und gehen Sie auf Reisen.

«Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» (1973)

Die Version von Božena Němcová «Drei Haselnüsse für Aschenbrödel» (1973) bricht mit Cinderella-Klischees. Anstatt auf den Prinzen zu warten, der sie aus ihrem Elend befreit, erledigt die Heldin das gleich selbst. Der Film ist übrigens zufällig zum Weihnachtsklassiker avanciert: Die Dreharbeiten mussten aus organisatorischen Gründen in den Winter verschoben werden.

«Der Grinch» (2000)

Lieber etwas Leichteres? «Der Grinch» (2000) möchte den weihnachtsverrückten Einwohnern von Whoville das Fest vermiesen. Er wurde als Kind nämlich von ihnen gehänselt – weil er grün ist. Wunderbar überzeichnet.

«Joulutarina» (2007)

Unser absoluter Geheimtipp ist «Joulutarina» (2007): Das finnische Filmjuwel erzählt vom Waisenjungen Nikolas, der von den Bewohnern eines Dorfs gemeinsam grossgezogen wird. Immer an Heiligabend zieht er zur nächsten Familie. Bis eines Tages alles anders wird …

Hasengehege

Liebe Verwaltung – Eine nicht ganz alltägliche Geschichte

Dieses Jahr ist ja ein ganz spezielles Jahr. Es gibt sicherlich einige, die denken, es könnte ruhig auch schon vorbei sein, dieses 2020. Zum Glück passieren dann aber doch manchmal so schöne Dinge, dass man trotz allem voller Freude und Dankbarkeit im Hier und Jetzt ist.

Kürzlich erreichte uns ein Brief. Handgeschrieben. Von zwei Schwestern, sieben und neun Jahre alt, die ihre Eltern nach langen Diskussionen überzeugen konnten, dass sie Hasen halten dürfen – sofern die Schwestern sich dann auch um alles kümmern. Hasen sind die Lieblingstiere der beiden Schwestern. Also machten sie sich an die Arbeit…

Fachlich korrekt schrieben sie einen Antrag an die Verwaltung, «unten bei der Wiese» ein Hasengehege aufstellen zu dürfen. Und es macht fast den Eindruck, als hätten die Schwestern aus einem Handbuch für Verwaltungsanfragen gelernt, wie man wichtige Anliegen als Antrag formuliert und bei der entsprechenden Stelle einreicht.

Brief
Liebe Verwaltung…

Dank der mitgelieferten Lageskizze war sofort ersichtlich, wo das Gehege aufgestellt werden soll und welche Nachbarn davon betroffen sind. Herzlichen Dank! Dies erübrigt einen Augenschein-Termin. Bei den Nachbarn wollen die Schwestern die Bewilligung übrigens selbst einholen. Auch dafür herzlichen Dank!

Unten bei der Wiese

Nach (eingehender) Prüfung haben wir den Antrag bewilligt und freuen uns ebenfalls auf die neuen Quartier-Bewohner!

Herbsstimmung

Was hilft gegen den November-Blues?

Der November ist besser als sein Ruf. Mitarbeitende der refromierten Kirchgemeinde Zürich verraten ihre besten Tipps und Tricks gegen kalte Füsse und depressive Verstimmungen.

Beinahe unbemerkt hat er sich wieder in unser Leben geschlichen: Der November. Schon fast vergessen waren die Nässe, die uns durch Mark und Bein geht, der eisige Wind, der uns zum zügigen Gehen antreibt. Und da ist ja noch die Nacht, die täglich früher über uns hereinfällt. Das Licht schwindet – und macht einer grossen Dunkelheit Platz. 

Noch gar nicht lang ist es her, da haben wir im Wasser geplantscht und uns in der Sonne gebräunt! Wir waren verliebt, haben gelacht, sind mit dem Velo über Feldwege gesaust und haben den frischen Sommerduft eingesaugt. Nun verhöhnt uns der Gartenstuhl vor dem Haus. Die Farbe blättert ab, nasses Laub klebt am morschen Holz und erinnert uns an den Lauf der Zeit.

Hingabe an die Hingabe

Mit einem Stossseufzer nehmen wir die gefütterten Winterstiefel aus dem Schrank, dabei berühren wir mit der Hand zufällig einen weichen Stoff. Ja genau! Da hängt ja der kostbare Mantel aus Schurwolle und Kaschmir, ein Schnäppchen des letztjährigen Ausverkaufs! Und irgendwo müssten auch noch die bunten Zehensocken sein, die immer so gute Laune machen.

Annelies Hegnauer, Präsidentin der reformierten Kirchgemeinde Zürich, greift im Winterhalbjahr bewusst in den Kleider- und in den Küchenschrank: «Nicht dunkle, sondern starke Farben bei den Kleidern, buntes, abwechslungsreiches, gesundes Essen und das Staunen über die faszinierende Natur helfen mir, von aussen das Graue im Innern zu verdrängen.»

Das nasskalte Wetter macht Lust auf eine Tasse dampfenden Tee. Und wann wird eigentlich die Glühweinsaison im Freundeskreis eingeläutet? Wärme ist auch für Ulrich Meldau, Kantor der Kirche Enge, zentral: «Ein Feuer im Cheminée, das man öfters mal anmachen kann. Der ausklingende goldene Herbst, dem man in der Natur begegnet und natürlich der November-Blues, sofern man ‹Blues› als Musiksparte oder Hinweis auf Kultur nimmt.» Tatsächlich sei für ihn der November einer seiner Lieblingsmonate.

Auch Monika Ramsauer vom Sekretariat im Kirchenkreis neun hat ein Rezept gegen kalte Hände: Heisse Maroni und lachen ohne Ende. Alexandra Baumann, verantwortlich für Administration und Kommunikation in den Kirchenkreisen vier und fünf, verbringt jeden Tag mindestes eine halbe Stunde draussen und tankt Tageslicht – bei jedem Wetter. An den Arbeitstagen macht sie das am liebsten über Mittag. Alexandra Baumann: «Das tut Körper und Seele gut und vertreibt den Blues.»

Vielleicht finden Sie ja in unseren Veranstaltungen etwas, das Ihnen gegen den November-Blues hilft. Stöbern Sie doch ein wenig durch unseren Veranstaltungs-Kalender.

Verraten Sie uns Ihre Tipps und Tricks gegen Nebelsuppe und depressive Verstimmungen

Was sind für Sie die reizvollen Seiten des tristen Monats November? Kommentieren Sie diesen Beitrag und verraten Sie Ihr Rezept.

Mit der App Weiler 3:33 wird die Stadt Zürich zu einem spirituellen Ort.

Innehalten mit der App Weiler 3:33

Von Edita Truninger

Die Gratis-App Weiler 3:33 lädt an 33 verschiedenen Orten in der Stadt Zürich zum Innehalten. Gleichzeitig vermittelt sie spannende Informationen zur unmittelbaren Umgebung.

Er liegt auf meinem Heimweg, deshalb bin ich schon oft mit dem Velo drüber gebrettert, ohne jemals anzuhalten: der Cassiopeia-Steg in Zürich-Wollishofen. Der Holzsteg ragt vom Ufer 100 Meter in den See und verbindet die rote Fabrik mit dem Hafen Wollishofen. Das Konstrukt aus Holz und Metall ist sowohl für Joggerinnen als auch für Väter mit kleinen Kindern zu jeder Jahreszeit ein Anziehungsort zum Sporttreiben oder Flanieren. Auch an diesem wechselhaften Tag Ende Oktober. Die Gipfel des Alpenpanoramas über dem Zürichsee sind bereits schneebedeckt, Möwen und sogar Reiher haben sich auf dem verlassenen Badefloss versammelt und halten sich gegenseitig warm, Flügelchen an Flügelchen.

Die Stille aushalten

Cassiopeia-Steg in Wollishofen im Kirchenkreis zwei.

Der Cassiopeia-Steg ist einer der 33 Orte auf dem Gebiet der Stadt Zürich, die die Gratis-App Weiler 3:33 zum Entdecken vorschlägt. Anhand von geführten Audio-Texten – Achtung Kopfhörer mitbringen! – findet der App-Nutzer oder die App-Nutzerin inmitten in einer von einem steten Lärmteppich erfüllten Umgebung zur Ruhe und Einkehr. Informative Audio-Texte tragen dazu bei, mehr über die Orte direkt vor der eigenen Haustür zu erfahren. Gleichzeitig sind in den angeleiteten Audio-Texten immer wieder Momente für die Stille vorgesehen – und dies ist durchaus wortwörtlich zu verstehen. Denn schnelles Überspringen der Sequenzen lässt die App nicht zu, es gilt, die Stille auszuhalten – in sie einzutauchen. Verrückt, wie ungewohnt es für uns geworden ist.

Widerstrebende Kräfte in uns

Die Weite auf dem Cassiopeia-Steg befreit, das Atmen fällt plötzlich leichter. Träge Wolken sitzen am Himmel über dem See, die Herbstsonne fühlt sich warm und einladend an. Eine angenehme männliche Stimme weist darauf hin, dass der Steg ein W formt und so das Sternbild Cassiopeia abbildet. «Unsere Erde macht zwei grundlegende Bewegungen: Sie dreht sich um die Sonne und gleichzeitig um sich selbst», so die Stimme. Alle Menschen würden Schwer- und Fliehkräfte in ihrem Leben kennen. Einiges strebe nach Dauer, anderes nach Verwandlung. Ich werde von der Stimme dazu eingeladen, mich zu fragen, wo meine eigenen Stärken und Schwächen in diesen widerstrebenden Kräften liegen.

Die erste ihrer Art

Die Stimme stellt jedoch nicht nur Fragen, sondern leitet während des spirituellen Spaziergangs auch Meditationspraktiken wie Atmen oder Gehen an. Bei der App handelt es sich um die erste ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 2019 von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) und Katholisch Zürich entwickelt. Fazit: Weiler 3:33 ist ein heisser Tipp für kalte Tage. Und gerade wenn Covid-19 die Freizeitaktivitäten stark einschränkt, das ideale Hilfsmittel, um die eigene Stadt und gleichzeitig die eigene Innerlichkeit zu erforschen.

Der Cassiopeia-Steg in Wollishofen ist einer der 33 spirituellen Orte, der in der App Weiler 3:33 bespielt wird. Fotos: Edita Truninger


Der Kirchenkreis neun organisiert am 9. November 2020 um 18.30 Uhr einen spirituellen Spaziergang: Mit dem Handy in der Hand

Pfarrerin Muriel Koch aus dem Kirchenkreis neun und Meinrad Furrer (kath.) führen zunächst in die App ein und machen sich dann zusammen mit den Teilnehmenden auf den Weg.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Die spirituellen Orte auf der App Weiler 3:33 verteilen sich über die ganze Stadt, einer befindet sich auch im Kirchenkreis neun beim Kirchenhügel. 

Päckliaktion

Schenken Sie Weihnachtsfreude – Päckliaktion

Auch in diesem Jahr sammelt die Kirchgemeinde Zürich wieder Weihnachtspäckli für bedürftige Menschen in Osteuropa. Die Päckli können am Mittwoch, 18. November zwischen 10.00 bis 18.00 Uhr im Quartiertreff LOKAL Fluntern, Voltastrasse 58, 8044 Zürich abgegeben werden.

Jedes Jahr werden 10’000 Päckli aus der Schweiz an bedürftige Menschen in Ost- und Südosteuropa verschickt. Gerade in diesem Jahr ist die Lage an vielen Ort noch schwieriger als sonst: Menschen erkranken, die medizinische Versorgung ist nicht gewährleistet, Arbeitsplätze gehen verloren, Waren werden teurer und staatliche Unterstützung gibt es kaum.

Die Aktion Weihnachtspäckli setzt ein starkes Zeichen der Verbundenheit und Solidarität mit notleidenden Menschen. Für Menschen in grosser Armut oder in sehr schwierigen Verhältnissen ist ein Weihnachtspäckli ein wichtiges Geschenk, das lange in Erinnerung bleibt.

Damit die Päckli gut durch den Zoll kommen, müssen alle aufgelisteten Produkte enthalten sein:

Das Paket für Kinder:
Schokolade
Biskuits
Süssigkeiten (Bonbons, Gummibärchen etc.)
Zahnpasta
Zahnbürste (in Orogonalverpackung)
Seife (in Alufolie gewickelt)
Shampoo (Deckel mit Scotch verkleben)
zwei Notizhefte oder -blöcke
Kugelschreiber
Bleistift und Radiergummi
Mal- oder Filzstifte
2-3 Spielzeuge wie Puzzle, Ball, Seifeblasen, Stofftier, Spielauto etc.
Evtl. Socken, Mütze, Handschuhe, Schal

Das Paket für Erwachsene:
1 kg Mehl
1 kg Reis
1 kg Zucker
1 kg Teigwaren
Schokoade
Biskuits
Kaffee (gemahlen oder instant)
Tee
Zahnpasta & Zahnbürste (in Originalverpackung)
Seife (in Alufolie gewickelt)
Schreibpapier
Kugelschreiber
Evtl. weitere Artikel wie Ansichtskarten, Kerze, Streichhölzer, Schnur, Socken, Mütze, Handschuhe, Schal etc.

Päckliaktion im Kirchenkreis sieben acht.

Anselm Grün kommt nach Zürich.

«Die Corona-Leugner sind nicht offen für Verwandlung»

Sein Verstand ist messerscharf, sein Schreibtempo schwindelerregend. Am 23. Oktober macht Benediktinerpater Anselm Grün für eine musikalische Lesung in Zürich Halt. Was denkt er über die Schweiz? Und wie steht er zum Klimawandel und den Corona-Leugnern? Wir haben ihn gefragt.

Der Benediktinerpater Anselm Grün ist mehr als ein Medienpater, der Wohlfühl-Spiritualität verströmt: Er ist ein Intellektueller, der sich regelmässig in gesellschaftliche Debatten einschaltet. So spricht er sich zum Beispiel gegen das Zölibat in der katholischen Kirche aus und hält Bischöfinnen und Päpstinnen für möglich. Am 23. Oktober macht er während des Buchfestivals «Zürich liest» für eine musikalische Lesung in Zürich Halt. Wir haben Anselm Grün im Vorfeld nach seinen Gedanken gefragt. Von A wie Älterwerden über C wie Corona-Leugner bis Z wie Zweifeln.

Herr Grün, was denken Sie …

… über das Älterwerden?

Es ist eine Kunst, älter zu werden. Sie will geübt werden. Das Alte hat neue Chancen: Gelassenheit, Weisheit, Dankbarkeit.

… über Corona-Leugner?
Sie wollen die Realität nicht sehen, weil sie möchten, dass alles so weiter geht wie bisher. Sie sind nicht offen für Verwandlung.

… über Freundschaft?

Freundschaft ist ein hoher Wert. Augustinus sagt einmal: Ohne Freund kommt einem nichts freundlich vor in dieser Welt.

… über den Generationenkonflikt?

Wie eine Gesellschaft mit dem Generationenkonflikt umgeht, zeigt ihre Reife oder Unreife. Es ist eine Chance, dass die Generationen sich miteinander auseinandersetzen.

… über Heimweh?

Jetzt im Alter kenne ich kein Heimweh mehr. Da bin ich bei mir daheim.

… über den Klimawandel?

Es ist ein ernstes Thema, dem wir uns stellen müssen. Neben rationalen Gründen braucht es auch eine spirituelle Erfahrung mit der Natur, um sich wirklich für die Natur einzusetzen, um den Klimawandel aufzuhalten.

… über das Lachen?
Ist wichtig für die Gesundheit. Und es relativiert unsere Probleme.

… über das Reisen?

Das Reisen erweitert den Denkhorizont des Menschen. Aber die Corona-Krise zeigt uns auch die Grenzen des Reisens auf.

… über die Schweiz?
Ein liberales und freundliches Land.

… über Selbstisolation?
Wer sich selbst isoliert, schneidet sich vom Leben ab

… über Selbstzweifel?
Selbstzweifel gehören zum Leben. Das hält einen lebendig und bewahrt vor Überheblichkeit.

… über Verzicht?

Ohne Verzicht – so sagt Sigmund Freud – kann niemand ein starkes Ich entwickeln. Verzicht ist auch wichtig, dass wir angesichts des Klimawandels überleben.

… über den Zweifel?
Der Zweifel gehört wesentlich zum Glauben. Er lädt uns ein, unseren Glauben so zu formulieren, dass unser Verstand befriedigt wird. Ich will auch verstehen, was ich glaube.

Foto: Julia Martin, Abtei Münsterschwarzach

Sommerbuchtipps: Teil 2

Das Coronavirus hat so manche Sommerferienpläne durchkreuzt. Statt Trübsal zu blasen über die abgesagten Aktivferien oder die Städtetour durch Europa: Widmen Sie sich doch dem Naheliegenden. Nutzen Sie die freigewordene Zeit fürs Lesen von Schweizer Autoren! In unseren Sommerbuchtipps empfehlen wir Ihnen einen wunderbaren Roman und einen mitreissenden Krimi, der in Zürich spielt. Tauchen Sie ab in diese beiden literarischen Abenteuer!

Liebe Romanfans!

«Sagte Liesegang» – was mag wohl hinter diesem Titel stecken? Schon auf den ersten Seiten des Romans von Ralf Schlatter ahnt man, dass man nicht ein alltägliches Buch in den Händen hält. Der in Albisrieden wohnhafte Autor nimmt einen mit auf eine aussergewöhnliche Reise durch das Leben eines Seismologen, Alfons Liesegang nämlich. Dieser, soeben verstorben, lässt sich auf einen Deal mit einem Engel ein: Solange Liesegang aus seinem Leben erzähle, solange dürfe er danach noch einmal auf die Erde zurück. Und so ist man bereits mitten drin in dieser sprachlich umwerfend raffiniert erzählten Lebensgeschichte, einem einzigen Monolog. Beginnen Sie nur zu lesen, wenn Sie gerade genügend Zeit haben: Weglegen mag man dieses Buch nämlich nicht, bevor die letzte Seite gelesen ist.

Ralf Schlatter
Sagte Liesegang
Limbus, CHF 25.90

Liebe Krimifans!

Möchten Sie die Stadt Zürich einmal auf eine kriminelle Art erleben? Dann tauchen Sie ein in die Welt der Privatdetektivin Enitta Carigiet. Kalkbreite, Hardau, Letzigrund: Wenn man der Badenerstrasse weiter folgt, landet man irgendwann in Altstetten. Und so heisst auch der neue Krimi des Zürcher Autors Mike Mateescu. Er lässt darin Enitta Carigiet ihr viertes Abenteuer erleben. Diesmal stehen die Privatdetektivin selbst und auch ihre Schwester Janita im Visier eines Mörders. Dieser hat bereits mehrere Protagonisten eines neuen Films über Enittas beruflichen Erfolg auf dem Gewissen. Wenn sie die Schweizer Premiere ihres Films noch erleben will, muss sie etwas unternehmen. Eine atemlose Flucht quer durch ihr geliebtes Zürich beginnt. 

Mike Mateescu
Altstetten – Enitta Carigiets viertes Abenteuer
Emons, CHF 16.90