Ausbildung Betriebsunterhalt

Deine Lehrstelle 2021

Die Ausbildungsplätze der reformierten Kirchgemeinde Zürich im Beruf Betriebsunterhalt für das kommende Jahr sind online ausgeschrieben. Wem eine solide Ausbildung ebenso wichtig ist wie die Arbeit in einem engagierten Team, ist bei uns am richtigen Ort.

Die Lehrstellensuche ist eine grosse Herausforderung. Junge Menschen setzen sich in diesem Lebensabschnitt intensiv mit der Berufswahl und ihrer Zukunft auseinander. Die aktuelle corona-bedingte Ausnahmesituation macht die ohnehin nicht einfache Aufgabe noch anspruchsvoller. «Die aktuelle Lage auf dem Lehrstellenmarkt hat uns in den letzten Wochen stark beschäftigt», sagt Annelies Hegnauer, Präsidentin der Kirchenpflege der reformierten Kirchgemeinde Zürich. «Wir haben uns gefragt, ob die Jugendlichen eine Lehrstelle bei uns wirklich wollen oder ob sie eher zur Notlösung wird, weil es in anderen beliebten Branchen wie Event, Gastronomie oder Reisebranche keine Stellen gibt», so Annelies Hegnauer. Trotz erschwerender Umstände ist es für die reformierte Kirchgemeinde Zürich wesentlich, auch in schwierigen Situationen Jugendlichen eine Perspektive zu bieten. Die Beziehung mit den Lernenden steht für sie im Mittelpunkt – von Anfang an.

Hochwertige Begleitung – fachlich und menschlich

Mit der Fusion wurde dieses Jahr die Berufsbildung der Kirchgemeinde Zürich vereinheitlicht. Die Verantwortlichen bei der Streetchurch, Peti Gutknecht und Theres Brandenberger, koordinieren und beaufsichtigen den angebotenen Lehrgang. Die praktische Ausbildung im Beruf Betriebsunterhalt erfolgt durch Ausbildnerinnen und Ausbildner in den einzelnen Kirchenkreisen. Das neue Berufsbildungskonzept bietet somit optimale Strukturen und die perfekte Ausgangslage für eine erfolgreiche Lehrzeit.

Vielfältige Arbeit an einzigartigen Orten

Diese Lehre führt die Lernenden mitunter an durchaus ungewöhnliche Orte. Wer hat schon die Gelegenheit, in städtischen Wahrzeichen, in Kirchen, denkmalgeschützten Gemeindehäuser oder historischen Wohnungen zu arbeiten, zu lernen und mitzugestalten? Auch was die praktischen Seiten anbelangt, bietet die Beschäftigung in einer Kirchgemeinde viele Möglichkeiten – zum Beispiel den Fokus auf soziales Engagement.

Erhabener Moment der Diplomübergabe

Kirchenpflegepräsidentin Annelies Hegnauer hat ihre Laufbahn mit einem Diplom als Betriebsleiterin gestartet. «Das Diplom in den Händen zu halten, war ein erhabener Moment, der mir alle Türen öffnete für ein erfolgreiches Berufsleben», sagt sie rückblickend. Ob die Lernenden reformiert sind oder nicht, ist bei der Ausbildung übrigens nicht von Belang. «Wir begegnen Menschen nicht als Vertreterinnen und Vertreter einer Konfession, sondern als Menschen», so Peti Gutknecht.

Und wenn es mal Probleme gibt? «Nicht nur in der Ausbildung, auch im späteren Berufsleben gibt es Sonnen- und Schattenseiten», sagt Annelies Hegauer aus eigener Erfahrung. Sie rät den jungen Menschen, Probleme anzusprechen und nicht herunterzuschlucken, bis es nicht mehr geht. Die Förderung und Ermutigung der Jugendlichen, die erfolgreich, zufrieden und mitfühlend durchs Leben gehen: Das ist es, was bei der Lehre in der Kirchgemeinde zählt.

Mehr Informationen zur Ausschreibung der Lehrstellen finden Sie hier.

Corona-Lockdown-Patchworkdecke

Lismen als sozialer Kitt

Stricken ist sinnvolle Freizeitbeschäftigung und damit beste Medizin für eine gesunde Psyche. Diverse Initiativen in den Kirchgemeinden zeigen, wie beliebt stricken ist – sei es in Gesellschaft oder daheim.  

Ran an die Stricknadeln, und los! In der reformierten Kirchgemeinde Zürich gibt es diverse Initiativen, die Strickwaren herstellen und verkaufen – mit dem Ziel, gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Bereits während des Lockdowns im März hat der Kirchenkreis zwölf zum Stricken von kleinen Quadraten aufgerufen. So sind insgesamt 900 Stück zusammengekommen, die Erna Kümin und ihre Kolleginnen von der Basargruppe vorwiegend zu Decken zusammengenäht haben.

Corona-Lockdown-Patchworkdecke

Die Frauen treffen sich einmal pro Woche zum Kreativsein und Handarbeiten. Entstanden sind ca. zehn Kinderdecken, zwei grosse Decken und zwei Kissen. Da der Basar wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, werden die bunten Decken nun im Kirchgemeindehaus Oerlikon verkauft.

Patchworkdecke. Foto: Silvia Ritschard

Wollsocken sind der Kassenschlager

Auch die Sozialdiakonin der Bullingerkirche im Kirchenkreis vier und fünf, Elsbeth Bösch, trifft sich regelmässig mit der 80-jährigen Elsa Blöchlinger und der um rund zehn Jahre jüngeren Rita Frech zum Stricken. «Die beiden Frauen stricken Mützen, Pulswärmer, Stulpen, Schals, Bébéfinken und stapelweise Socken», erzählt Elsbeth Bösch.

Der Verkauf findet normalerweise nach dem Gottesdienst oder am Herbstfest statt und kommt einem Hilfswerk zugute. «Eigentlich heisst es ja, dass heutzutage niemand mehr Wollsocken trägt. Aber am Herbstfest sind sie immer ganz schnell weg», so Elsbeth Bösch weiter. Dieses Jahr fällt das Herbstfest wegen der Corona-Pandemie ins Wasser – und die Frauen evaluieren zurzeit andere Absatzkanäle.

Lismen in der Bullingerkirche: Rita Frech (links) und Elsa Blöchliger. Foto: Elsbeth Bösch

Im Kirchenkreis zehn gibt es seit rund 15 Jahren handglismets.ch im Netz, einen Online-Shop für gestrickte Artikel, vor allem Wollsocken. Die Initiantinnen nehmen auch Aufträge entgegen, stricken aber nur daheim.

Babyfinken

Die Kirchgemeinde Oberengstringen, die zum Kirchenkreis zehn gehört, hat die vorhandenen Strickwaren kurzerhand in eine Tradition eingebaut: Dort bekommen die Eltern bei der Geburt ihres Kindes gestrickte Babyfinken, die ein Vertreter oder eine Vertreterin der Kirchgemeinde jeweils als Willkommensgeschenk vorbeibringt.

Bébéfinkli. Foto: Peter Lissa

Beim Stricken sind die Hände beschäftigt – das beruhigt, gerade in unsicheren Zeiten. Doch genauso wichtig sind Austausch und Geselligkeit. Dies beobachtet auch Sozialdiakonin Elsbeth Bösch: «Wir plaudern und trinken Kaffee oder Tee, wenn wir uns treffen – da liegt die Strickarbeit dann fast mehr auf dem Tisch.» Die wunderbaren Strick-Erzeugnisse werden also vor allem daheim angefertigt.

Das eigene Zuhause ist im Corona-Jahr ein Zufluchtsort – bei empfohlenem Homeoffice oder verordneten Quarantänetagen kann es aber auch Isolation und Einsamkeit bedeuten. Inzwischen sind es längst nicht mehr nur die älteren Menschen, die gegen die Einsamkeit anstricken. Elsbeth Bösch erzählt: «Ich habe neulich eine junge Bekannte getroffen, die seit März im Homeoffice ist. Sie sagt, sie habe schon alles versucht, damit ihr die Decke nicht auf den Kopf fällt – Mandalamalen, Backen oder Nähen. Nun hat sie mit Stricken begonnen, aber eigentlich kann sie es gar nicht.» Wären also generationenübergreifende Stricknachmittage ein Bedürfnis? Viele Strickgruppen sind gern bereit, neue Mitglieder – egal welchen Alters – aufzunehmen und ihr Wissen zu teilen. 

Übersicht über die Strickinitiativen der Kirchgemeinden:

Kirchenkreis vier fünf

Im Kirchgemeindehaus der Bullingerkirche wird regelmässig gestrickt – Rita Frech und Elsa Blöchlinger stehen bei Strickproblemen auch gern beratend zur Seite.
Kontakt: Elsbeth Bösch, 044 493 44 22

Kirchenkreis neun

Im Kirchenkreis neun, Standort Altstetten, wird traditionell am ersten Dienstag im Monat in gemütlicher Runde bei Kaffee und Gesprächen gestrickt. Die Gruppe unterstützt sich gegenseitig bei Strickproblemen und tauscht Ideen und Strickmuster aus.
Kontakt: Eva Winzeler, 044 431 12 05

Kirchenkreis zehn

Bazargruppe Höngg
Die Bazargruppe Höngg ist eine Arbeitsgruppe in Höngg, die sich unter dem Jahr trifft und für den Bazar der reformierten Kirchgemeinde strickt. Neue Helferinnen sind jederzeit willkommen.
Kontakt: Susanna Gehrig-Meili, 077 501 40 26

Osteuropahilfe
Die Osteuropahilfe stellt Weihnachtspakete für Kinder von 2 bis 16 Jahren in Osteuropa (www.osteuropahilfe.ch) her und sucht Strickerinnen, die Pullover, Schals, Mützen, Socken und Handschuhe stricken. Sie sind auch auf Wollspenden angewiesen.
Kontakt: Beatrice Bertschi-Meili, 077 535 27 76

Kirchenkreis zwölf

Oerlikon
Die Strickfrauen vom Kirchenkreis zwölf treffen sich regelmässig am Dienstagnachmittag von 14 bis 16.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Oerlikon zum Kreativsein und Handarbeiten. Da der Basar nicht stattfinden konnte, verkaufen sie Stickwaren und Bastelerzeugnisse während der Öffnungszeiten des Kirchgemeindehauses.

Saatlen
Im Kreativ-Atelier im Kirchenzentrum Saatlen werden über das ganze Jahr mit viel Liebe zum Detail farbenfrohe Kunstwerke gestrickt und gehäkelt. Die Socken, Decken, Jäckchen und vieles mehr können jeweils am Dienstagnachmittag von 14 bis 16.30 Uhr gekauft werden.
Kontakt: Anni Kuhn, 044 301 26 33

Sammelaktion Handys

Wohin mit alten Mobiltelefonen?

Schon bald weihnachtet es – neue Geschenke müssen her. Und vielleicht liegt ja dann ein neues Mobiltelefon unter dem Weihnachtsbaum? Doch wohin mit den alten, noch brauchbaren Geräten?

Die Werk.Statt.Flucht hilft gerne, Geräte einer Wiederverwendung zuzuführen oder zu reparieren. Das besondere Anliegen von Hans Leu ist es, «alte» Mobiltelefone, wenn möglich mit Ladekabel, einzusammeln. «Die Menschen in Bénin in Westafrika, mit denen ich intensiven Kontakt pflege, sind gerade in der jetzigen Situation grosser Not ausgesetzt», sagt Hans Leu.

Wenn ihr Handy kaputt geht oder gestohlen wurde, sind sie gesellschaftlich komplett ausgeschlossen, denn ohne Mobilkommunikation läuft gar nichts in Afrika. Die Menschen können sich meist nicht einmal mehr ein gebrauchtes Gerät kaufen, da sie oft ohne Arbeit sind. Zudem sind die lokal verfügbaren Handys allzu oft von schlechter Qualität.

«Gerne würde ich zu Weihnachten ein paar Dutzend Mobiltelefone, deren Akkus noch funktionieren, nach Bénin /Natitingou mitgeben, damit einige Menschen, die dort in Not sind, eine Erleichterung erfahren können“, sagt Hans Leu.

Das Schweizer Hilfswerk (CFL Bénin), das dort vor Ort tätig ist, koordiniert die Vergabe der gespendeten Geräte. Hier kommen Sie zu einem Video von der Lehrwerkstatt CFL Bénin auf Youtube.

Wenn Sie auch noch ein altes, funktionierendes Handy haben, können Sie es im Kirchgemeindehaus Oerlikon, Baumackerstrasse 19, 8050 Zürich abgeben oder kontaktieren Sie Hans Leu direkt per Mail: info@wsfoe.ch

Meriton Isenaj ist Auszubildender bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

«Jetzt habe ich die Chance, etwas zurückzugeben»

Eine Lehre bei der Kirche – für viele Jugendliche, die sich nicht als gläubig bezeichnen, liegt das oft nicht auf der Hand. Das war auch bei Meriton Isenaj der Fall. Heute weiss er: Die reformierte Kirchgemeinde Zürich ist weitaus vielfältiger als er dachte.

Das erste Lehrjahr von Meriton Isenaj war anders. Denn statt zwischen Arbeitsort und Schule zu pendeln und in Zusammenarbeit mit Kolleginnen und Mitschülern Erfahrungen zu sammeln, war er oft zu Hause. Die Corona-Krise hatte und hat Auswirkung auf viele Bereiche des Lebens. Oft auch auf solche, die nicht auf den ersten Blick ersichtlich sind. Doch was heisst Remote Work und Home Schooling für einen jungen Menschen in Ausbildung?

Meriton erzählt: «Es war nicht einfach, so isoliert zu sein und keinen Ort zu haben, wo man hinkann.» Er bestätigt, was viele im Homeoffice erleben: «Zu Hause ist es schwierig, zwischen Arbeit und Freizeit eine klare Trennung zu machen.» Doch Meriton weiss auch, dass er viel Glück hatte. Denn die reformierte Kirchgemeinde Zürich war gut organisiert. Wöchentlich wurde zu Meetings via Zoom geladen und die Berufsbildner waren fast täglich im Gespräch mit den Lernenden. Heute ist Meriton – wie auch seine Arbeitskolleginnen und -kollegen – zurück am Arbeitsplatz. Und es heisst wieder: gemeinsam arbeiten.

«Das geht nicht besser als hier.»

Der Teamgedanke ist bei der reformierten Kirchgemeinde wichtig. Genau deswegen gefällt es Meriton bei seinem Arbeitgeber auch so gut. «Ich kann mir keinen besseren Lehrbetrieb vorstellen», schwärmt er. «Betreffend der Aufgaben ist es wahrscheinlich überall in etwa gleich. Aber das Umfeld, die Menschen, mit denen ich arbeiten kann: Das geht nicht besser als hier.» Der 22-Jährige ist zudem nicht nur überzeugt von seinen Kolleginnen und Kollegen, er ist es auch vom Tun seines Arbeitgebers. «Was wir bei der Streetchurch machen, wie wir die Menschen unterstützen – damit identifiziere ich mich sehr. Wohl auch, weil ich selbst diese Hilfe schon in Anspruch genommen habe», erzählt der Lernende. «Jetzt habe ich die Chance etwas zurückzugeben.»

Der Weg zur Berufslehre führte über die Streetchurch

Für Meriton ist die Lehre zum Kaufmann bereits die zweite Ausbildung, die er beginnt. Seine erste im Detailhandel musste er wegen körperlicher Probleme abbrechen. Er stand dann ohne Stelle da und wusste nicht, wie weiter. Beim Berufsinformationszentrum wurde er auf das ehemalige Programm «Saubere Jungs für saubere Fenster» der Streetchurch aufmerksam gemacht. Hier fand er nicht nur Arbeit, sondern auch Hilfe im Bewerbungsprozess.

Als eine Lehrstelle im KV-Bereich bei der reformierten Kirchgemeinde ausgeschrieben war, führte das eine zum anderen. «Ich wurde angefragt, ob das nicht etwas für mich wäre», erzählt Meriton. Man musste den heute 22-Jährigen nicht zweimal fragen. «Ich war sehr dankbar. Und zudem finde ich es wirklich bemerkenswert, denn mit der Kirche oder mit dem Glauben an sich hatte ich bis anhin nicht viel am Hut», sagt er.

Es ist einer der Punkte, der in den Bewerbungsgesprächen oft aufkommt, wenn es darum geht, die zukünftigen Lernenden kennenzulernen. Muss man an Gott glauben, um bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich zu arbeiten? Die Antwort ist simpel: nein. Meriton erklärt: «Ich selbst bin nicht sehr gläubig und trotzdem werde ich nicht ausgegrenzt – ganz im Gegenteil. Es sind alle willkommen, egal welchen Glaubens und welcher Herkunft. Diese Durchmischung ist einzigartig. Hier zählst du als Mensch und deine Leistung – das steht im Vordergrund.»

Grosse Ziele und ein grosser Wille

Die Leistung, die will Meriton unbedingt abliefern. Er schätzt an seinem neuen Beruf, – der nicht per se zu seinem Wunschberuf gezählt hat – dass er kognitiv täglich beansprucht wird. Das KV sei eine super Grundausbildung. Schliesslich brauche es in jedem Betrieb jemanden, der diese Aufgaben erledigen kann. So will der Lernende nach seiner zweijährigen Ausbildung zum Büroassistenz EBA diejenige zum Kaufmann EFZ anhängen. «Eigentlich hatte ich von Anfang an den EFZ-Abschluss im Kopf. Doch bei der Streetchurch war nur eine EBA-Stelle ausgeschrieben. Und mir war klar: Für diesen Betrieb nehme ich den kleinen Umweg in Kauf.»

Für seine Freunde hingegen war die Wahl doch eher unerwartet, wenn nicht ungewöhnlich. «Sie dachten, dass ich eher Dentalassistent werde, als bei der Kirche zu arbeiten», sagt Meriton lachend. Das Bild der Kirche sei bei den Jugendlichen noch immer: Da gehen ältere Leute hin, es gibt nur das Thema Gott und es ist langweilig. Umso spannender sei es, dass er einen anderen Einblick habe vermitteln können.

Auch seine weiterführenden Ziele kann der 22-Jährige genau beschreiben: «Durch die Streetchurch erhalte ich einen Einblick in die soziale Arbeit. Was diese Arbeit mit der Entwicklung der Menschen macht, was man erreichen kann, finde ich sehr spannend und motiviert mich weiter zu kommen und weiter zu gehen».

Mehr zum Berufsbildungskonzept der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

Zum Interview mit den Berufsbildnern der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

Zum Porträt unseres Auszubildenden Adrian Pasteur.

Berufsbildung in der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

«Wir wollen Menschen fördern»

Eine zentrale Rolle in der Berufsbildung innerhalb der reformierten Kirchgemeinde Zürich kommt neu der Streetchurch zu. Ihre Mitarbeitenden Peti Gutknecht und Theres Brandenberger koordinieren und beaufsichtigen die beiden angebotenen Lehrgänge. Im Interview sprechen sie über ihre Arbeit.

Am 17. August traten in Zürich hunderte Jugendliche eine neue Lehre an. Damit begann für sie ein neuer Lebensabschnitt. Neun von ihnen bildet die reformierte Kirchgemeinde Zürich zu Fachpersonen Betriebsunterhalt oder zu Kauffrauen beziehungsweise Kaufmännern aus. Den Rahmen dafür bildet ein neues Berufsbildungskonzept, das im Anschluss an die Fusion zur reformierten Kirchgemeinde Zürich erarbeitet wurde. Die praktische Ausbildung erfolgt in den Kirchenkreisen durch Berufsbildnerinnen und -bildner vor Ort; koordiniert und verantwortet wird sie durch die Streetchurch.

Theres Brandenberger und Peti Gutknecht sind für diese Koordination in den beiden Berufsbildern KV und Betriebsunterhalt zuständig. Was diese Aufgabe beinhaltet, wo ihre Herausforderungen liegen – und weshalb ihnen die Zusammenarbeit mit den Lernenden Freude bereitet, erzählen sie im Interview.

Muss man eigentlich reformiert sein, um eine Ausbildung bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich zu absolvieren?

Peti Gutknecht: Nein. Das ist überhaupt kein Thema. Wie auch sonst bei der Streetchurch begegnen wir Menschen nicht als Vertreterinnen und Vertretern einer Konfession – sondern als Menschen. Das gilt natürlich auch für die Ausbildung von neuen Lernenden.

Wieso sollte man denn eine Lehre bei der reformierten Kirchgemeinde absolvieren?

PG: Ich hoffe, dass sich das, was wir hier in der Streetchurch und in der reformierten Kirchgemeinde generell vorleben, auch in der Berufsausbildung ausdrückt: nämlich dass wir Menschen fördern wollen. Und dass wir sie dabei unterstützen wollen, ein aktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden.

Theres Brandenberger: Hinzu kommen ganz praktische Gründe, die dafür sprechen, sich bei uns ausbilden zu lassen. Im KV etwa bietet die Arbeit in einer Kirchgemeinde sicher andere Möglichkeiten und ein anderes Umfeld als etwa die Ausbildung bei einer Versicherung. Gerade für Jugendliche mit ausgeprägtem sozialem Bewusstsein bieten wir ein interessantes Umfeld für ihre KV-Ausbildung. Ähnliches gilt für den Betriebsunterhalt, wo man in einem beeindruckenden und einzigartigen Umfeld arbeitet.

PG: Und: Wir suchen Nachwuchskräfte. Die Berufsbildung ist nicht bloss Selbstzweck. Die reformierte Kirchgemeinde hat ein grosses Interesse daran, kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Grundausbildung hinaus in der Organisation zu halten.

Sie arbeiten als sogenannte Koordinatorin beziehungsweise als Koordinator eines Berufsbilds. Das klingt ziemlich abstrakt. Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?

PG: Unsere Arbeit ist vielfältig. Zum einen sind wir für die Rekrutierung von neuen Lernenden verantwortlich. Weiter organisieren wir Anlässe und Ausflüge für unsere Lernenden. Und wir betreiben zurzeit noch viel Aufbauarbeit. Das Berufsbildungskonzept der reformierten Kirchgemeinde ist ja immer noch recht neu: Da fällt viel konzeptionelle Arbeit an. Vieles wird in der jetzigen Phase definiert und gleich umgesetzt.

TB: Zentral ist sicher auch, dass wir dafür sorgen, dass die Berufsbildung in der reformierten Kirchgemeinde einheitlich und in guter Qualität abläuft. Wer bei uns eine Lehre macht, kann eine funktionierende Struktur erwarten. Um das zu erreichen, bieten wir unter anderem interne Weiterbildungen für unsere Lernenden und Berufsbildnerinnen  und -bildner in den Kirchenkreisen an. Und schliesslich sind wir auch Anlaufstelle. Wer Sorgen, Probleme oder Wünsche hat, kann sich jederzeit an uns wenden.

Wird dieses Angebot beansprucht?

PG: Wir haben natürlich noch keinen grossen Erfahrungswert, aber wir stehen schon in regem Kontakt mit den Mitarbeitenden in den Kirchenkreisen. Unser Selbstverständnis ist es, dass wir mit allen anderen Beteiligten der Berufsbildung zusammenarbeiten. Wir wünschen uns ein «Miteinander» – und das ist gut angelaufen.

Das klingt alles sehr idyllisch. Gibt es auch Probleme? Worin besteht die grösste Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

TB: Das Alter, in dem die meisten Lernenden ihre Berufsbildung antreten, ist eine enorm intensive Zeit. Die Ablösung von den Eltern, Identitätsfragen, Ausbildung, das Erwachsenwerden: Das sind so viele grosse Themen, die ja auch verunsichern können. Die grösste Herausforderung, aber auch eine enorm bereichernde Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, die Jugendlichen auf diesem Weg zu begleiten. Ihnen Orientierung zu bieten, aber auch Freiraum zu gewähren. Sodass sie sich bei uns bestmöglich entwickeln und entfalten können.

Mehr über die Arbeit der Streetchurch erfahren Sie hier.

Ausführlich wird das Berufsbildungkonzept der Kirchgemeinde Zürich hier vorgestellt.

Unsere neuen Lernden stellen wir Euch hier vor. In losen Folge veröffentlichen wir Porträts unserer Lernenden, den Anfang machte Adrian Pasteur, der im Kirchenkreis seine Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt begonnen hat.

reformierte Kirche Wipkingen

Klimastreik lädt zu Eröffnungsfest in Kirche Wipkingen ein

Seit August nutzt die Bewegung Klimastreik die reformierte Kirche Wipkingen als ihr neues Hauptquartier. Die Klimabewegung will einen offenen Raum für die Auseinandersetzung mit der Klimakrise und ihrer Bewältigung schaffen. Am Freitag, 11. September findet um 17 Uhr die Eröffnungsfeier statt, zu der alle eingeladen sind, die sich ein eigenes Bild von dem Wirken der Klimabewegung machen wollen.

An der Eröffnungsfeier wird Regierungsrätin Jacqueline Fehr anwesend sein. Die Kirchgemeinde ist durch Michael Braunschweig als Vizepräsident und Michael Hauser als Ressortverantwortlicher Immobilien der Kirchenpflege vertreten. Neben Redebeiträgen und Workshops sind ein gemeinsames Essen und ein Velokino geplant.

Die reformierte Kirchgemeinde Zürich stellt dem Verein Klimastreik die Kirche sowie den umliegenden Grünraum kostenlos zur Zwischennutzung zur Verfügung: als Arbeitsort, Treffpunkt und Veranstaltungsraum.

Eröffnungsfest Klimabewegung in der Kirche Wipkingen.

Mehr über die Zwischenutzung erfahren Sie hier.

Seenotrettung - ein Foto von Flavio Gasperinin von SOS Mediterannee

Fotoausstellung und Podium zur Seenotrettung

Die Citykirche Offener St. Jakob beherbergt eine Fotoausstellung zum Flüchtlingsdrama im Mittelmeer: Kommen Sie zur Podiumsdiskussion «Seenotrettung blockiert» am 2. September!

«Im Mittelmeer spielt sich derzeit ein grosses, stilles Drama ab», sagt Verena Mühlethaler, Pfarrerin in der Citykirche Offener St. Jakob. Seit Juli sei gerade noch ein Seenotrettungsschiff unterwegs, das Flüchtlinge aufnehmen könne. Alle anderen würden momentan daran gehindert, Menschenleben zu retten. Die Pfarrerin wird am 2. September die Podiumsdiskussion «Seenotrettung blockiert» moderieren. Unter ihren Gästen ist Eva Ostendarp von SOS Mediterranee Schweiz.

Die humanitäre Initiative hat seit ihrer Gründung 2015 annähernd 32’000 Menschenleben gerettet. Einer der Geretteten, Mahamed Ahmed, wird von seiner schwierigen Flucht über das Mittelmeer erzählen. Mitdiskutieren wird auch Marco Müller, der schon in den Startlöchern stand für einen Rettungseinsatz, dann aber nicht auslaufen durfte. Das Podium ist der Auftakt zu einer Fotoausstellung von SOS Mediterranee, die angesichts der aktuellen Situation brisanter nicht sein könnte. Nach Genf, Bern und Luzern sind die Bilder nun in Zürich zu sehen.

Auf prekäre Situation aufmerksam machen

Claire Juchat von SOS Mediterranee sagt: «Fakt ist: Fast alle Seenotrettungsboote werden im Moment daran gehindert, Leben zu retten, nachdem sie in Italien festgesetzt wurden. Als fadenscheinige Gründe wurden angebliche Sicherheitsmängeln oder das Nichteinhalten von Vorschriften angeführt.» Gleichzeitig hätten in den letzten Wochen mehr Menschen versucht, aus Libyen zu fliehen. Dort erlebten sie Menschenrechtsverletzungen. Die libysche Küstenwache hindere die Menschen zudem aktiv an der Flucht. Sie werde dafür von europäischen Staaten und auch der Schweiz bezahlt. Denn diese wollten verhindern, dass die Menschen die europäischen Küsten erreichen. «Seit das aktuelle Rettungsschiff von SOS Mediterranee – die Ocean Viking – am 22. Juli in Sizilien festgesetzt worden ist, kam es zu vielen Abfangmanövern und Schiffsbrüchen. Allein am 17. August sind 45 Flüchtlinge vor der Küste Libyens ertrunken. Darum ist es wichtiger denn je, dass das unmenschliche Leid durch die Bilder ein Gesicht bekommt», sagt Claire Juchat. Auch Verena Mühlethaler erhofft sich, dass endlich etwas geht und dass auch die Schweizer Regierung endlich nicht mehr wegschaut – sondern handelt.

Fotoausstellung mit Zeitdokumenten zur Seenotrettung

In der Ausstellung vorm Offenen St. Jakob werden dreissig grossformatige Bilder gezeigt. Sie sind an Bord des Rettungsschiffes Aquarius von SOS Mediterranee zwischen 2016 und 2018 entstanden. Aufgenommen wurden sie von rund zwanzig verschiedenen Fotografen. Die Fotografen reisten abwechslungsweise an Bord mit, um das ganze Geschehen zusammen mit einem Journalisten oder eine Journalistin zu dokumentieren. Es sind Momentaufnahmen: von der Rettung aus den seeuntauglichen Booten auf das Rettungsboot, vom Leben und Alltag auf der Aquarius, von der medizinischen Versorgung.

Das Engagement der Citykirche Offener St. Jakob für Flüchtlinge

Der Offene St. Jakob solidarisiert sich schon seit vielen Jahren mit Flüchtlingen. Die Citykirche macht sich mit verschiedenen Angeboten für Flüchtlinge stark und macht mit Aktionen auf deren dramatische Lage aufmerksam. «Als Eva Ostendarps Anfrage für die Beherbergung der Fotoausstellung kam, war für uns klar, dass wir mitmachen», sagt Verena Mühlethaler, «denn es wissen alle, was im Mittelmeer passiert, aber es wird einfach weggeschaut.»


Ausstellung Seenotrettung
Grossformatige Bilder aus dem Alltag der Seenotrettung
vom 1. bis 19. September 2020
vor der Citykirche Offener St. Jakob

Podium «Seenotrettung blockiert»
am 2. September, 19 Uhr
Citykirche Offener St. Jakob
Eintritt frei

Ausstellung im Landesmuseum zum Auflösen der Klöster mit dem Beginn der Reformation.

Vom Kloster direkt in die Ehe

Im 16. Jahrhundert wurden in Zürich die Köster aufgehoben. Reformator Ulrich Zwingli hielt sie für nicht gottgewollt. Sein Plan für die Nonnen? Heirat. Vom Kloster direkt in die Ehe. Die Geschichte der Zürcher Nonnen ist nur ansatzweise bekannt, liest sich aber wie ein Krimi.

Die Reformation hatte weitreichende Folgen für Zürich und seine Bewohnerinnen und Bewohner. Denn Ulrich Zwingli liess – im religiösen Kontext – kaum ein Stein auf dem anderen. Er wandte seine Überzeugung, dass einzig die Bibel als gültige Richtlinie in Glaubensfragen dienen sollte, auf viele Bereiche an. Seine Entscheide brachten grosse Veränderungen mit sich – auch für Mönche und Nonnen. Denn für Zwingli war klar: Das Klosterleben lässt sich nicht mit der Bibel begründen, ja widerspricht ihr sogar. Er verurteilte die Lebensweise der Nonnen und Mönche und forderte in einer Predigt im grössten Zürcher Frauenkonvent in Ottenbach im Sommer 1522 die Glaubensfrauen auf, die Bibel zu lesen und alles zu verwerfen, was sich nicht damit begründen liesse. Die Abschaffung der Klöster war für Zwingli beschlossene Sache: Der Zürcher Rat unterstützte seine Meinung, hob die Konvente 1524 auf und übernahm deren Besitz.

Vom Kloster in die Ehe
Doch was sollte jetzt aus den Geistlichen werden? Ulrich Zwingli hatte ganz klare Vorstellung, wo es die Nonnen hinführen sollte: vom Kloster direkt in die Ehe. Eine Rückkehr ins weltliche Leben also. Doch viele der Frauen waren bereits als kleine Mädchen ins Kloster eingetreten und hatten ihr Leben Gott gewidmet. Nun zurück in die Gesellschaft zu gehen, zu heiraten, eine Familie zu gründen – unvorstellbar. Zudem war die monastische Lebensweise für Frauen oft der einzige Weg, ein selbstständiges Leben zu führen. Ein Leben also, in dem sie Ämter und Verantwortung übernehmen konnten. Der Austritt aus dem Kloster war so auch hier – anders als bei den Mönchen, die einen handwerklichen Beruf ergreifen konnten – schwierig. Denn aufgrund ihres Geschlechts und ihrer sozialen Position blieb ihnen auch dieser Weg versperrt. 

Kein organisierter Widerstand
700 Jahre lang existierte die Zürcher Fraumünsterabtei bis ihre Äbtissin, Katharina von Zimmern, im Dezember 1524 freiwillig ihr Kloster dem Rat übergab. Im Gegenzug wurde sie mit einer hohen Leibrente belohnt. In den drei anderen Zürcher Konventen fand indes keine offizielle Übergabe statt. Aber trotz grossen Unmuts leistete keiner geschlossenen Widerstand. Schliesslich verliessen alle ihr Zuhause – weil sie schlicht keine andere Wahl hatten. Dabei wurden die Frauenklöster nicht ganz so rigoros geräumt, wie diejenigen der Männer. Diese wurden vom Rat als Zentren des Widerstands gegen die Reformation angeschaut. Sie wurden vor vollendete Tatsachen gestellt und die Umsiedelung ihrer Bewohner erfolgte mit Hilfe von Stadtknechten, die die Mönche regelrecht aus den Klöstern trieben. Bei den Frauenkonventen setzte der Rat auf Verhandlungen. Auch hier beschloss er zwar deren Auflösung und schickte Abgeordnete, sie traten jedoch ins Gespräch mit den Bewohnerinnen und liessen ihnen deutlich mehr Zeit.

Bruchstückhafte Informationen
Trotz der nicht selbstbestimmten Entscheidung entschieden sich viele Nonnen für das Verlassen des Klosters. Doch die Situation war für viele schwierig. Denn nicht alle fanden einen Ehemann – oder besser: wollten einen Ehemann finden. Einige waren zu alt für eine Heirat. Ihnen wurde erlaubt, bis zu ihrem Lebensende im Kloster zu bleiben. Über die Einzelbiografien der austretenden Nonnen ist wenig bekannt. Man weiss bruchstückhaft von Frauen, die dem reformatorischen Ideal entsprechend Pfarrersfrau und Mutter wurden, man weiss von wieder anderen, die versuchten, als Händlerinnen auf eigenen finanziellen Beinen zu stehen. Der Handlungsspielraum hing stark von der Vermögenslage und dem sozialen Netzwerk ab. Auch weil die jährlichen Leibrenten, die die Nonnen nach dem Austritt bekamen, je nach Kloster unterschiedlich hoch ausfielen. Die Nonnen, die also weder einen Mann fanden noch von ihren Familien aufgenommen wurden, blieb nur die Möglichkeit, in ein katholisches Kloster überzutreten.


Mehr Infos zu der Geschichte der Nonnen gibt es in der Ausstellung im Landesmuseum Zürich, die man als virtuellen Rundgang hier besuchen kann. Ebenfalls online: viele Podcasts und Artikel zum Thema.

Ausbildung bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich

Hauswart bei der Kirche: «Hier gehöre ich hin.»

Ein Porträt unseres Auszubildenden Adrian Pasteur

Mitte August hat Adrian Pasteur mit acht anderen Jugendlichen seine Ausbildung bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich in Angriff genommen. Wieso er eine solche bereits zum zweiten Mal beginnt und was er an seinem zukünftigen Beruf so mag, hat er uns erzählt.

Adrian Pastuer ist Auszubildender der Kirchgemeinde Zürich.

Der 10. August 2020 ist ein besonderer Tag für Adrian Pasteur. Denn an diesem Montagmorgen beginnt für den 17-Jährigen ein neues – und wichtiges – Kapitel in seinem Berufsleben. Es ist der erste Tag seiner dreijährigen Lehre als Lernender Fachmann Betriebsunterhalt EFZ. Doch anders als bei seinen acht Kolleginnen und Kollegen, die ebenfalls ihre Lehre bei der Kirchgemeinde in Angriff nehmen, erlebt Adrian diesen Tag nicht zum ersten Mal. «Es ist mein zweiter erster Tag als Lernender», erzählt er. Eine Ausbildung als Zimmermann, die er bei einem grossen Baudienstleistungsunternehmen begonnen hatte, hat Adrian abgebrochen.

Teamgeist ist Adrian wichtig

Unzuverlässig? Schwierig? Nicht vertrauenswürdig? Ja, all diese Begriffe hat Adrian zu hören bekommen, als er sich entschied, nicht den eingeschlagenen Weg zu Ende zu gehen. «Es war nicht einfach», erzählt er und fügt an: «Aber einerseits habe ich gemerkt, dass der Beruf des Zimmermanns mir keine Freude bereitet, und andererseits war es im Team nicht stimmig. Die Leute hatten keinen Spass an ihrer Arbeit, es war kein Teamgedanke zu spüren». Aspekte, die dem Jugendlichen aber wichtig sind und die er nun bei unserer Kirchgemeinde gefunden hat. Dementsprechend dankbar ist er auch, dass er hier seine zweite Chance bekommt. «Bereits beim ersten Gespräch habe ich gemerkt, dass es hier um Wertschätzung geht. Dass der Mensch gesehen wird und wichtig ist», sagt er.

Im zweiten Anlauf stimmt das Gefühl

Den Beruf als Fachmann Betriebsunterhalt hat sich Adrian genau angeschaut. Vier Tage war er auch schon im Kirchenkreis zehn – wo er nun seine Lehre auch absolviert – schnuppern. Nach dieser Zeit war für den 17-jährigen endgültig klar: «Hier gehöre ich hin.» Seine zukünftigen Aufgaben beschreibt er als abwechslungsreich und mit viel Bewegung verbunden. Es gebe immer etwas zu tun und man gelange an Orte, die man sonst nicht zu sehen bekomme. «Es ist schön, dass ich ein schönes Gebäude pflegen darf. Es gibt faszinierende und aufregende Orte zu entdecken und man hat auch immer soziale Kontakte», schwärmt Adrian.  

Glaube ist keine Voraussetzung

Wie seine Freunde reagiert hätten, als er erzählte, dass er seine Ausbildung bei der Kirche absolvieren werde? «Speziell, klar. Es ist nicht alltäglich. Und viele wissen auch schlicht nicht, was ein Hauswart in der Kirche genau macht.» Eine Verbindung zur Kirche hat Adrian mit seinem Glauben. «Ich glaube an Gott. Das war aber nie eine Voraussetzung, um eine Lehrstelle hier zu erhalten», versichert er. Den Glauben hat er von zu Hause mit auf den Weg bekommen. «Meine Eltern haben mir immer gesagt, ich solle schauen, dass es meiner Seele gutgeht», erzählt er. Wie er das zu erreichen gedenkt? Mit viel Engagement und Einsatz und dem grossen Ziel vor Augen, seine Lehre erfolgreich zu bestreiten und sie dann auch abzuschliessen. Er will beweisen, dass er diese zweite Chance verdient hat und dass es sich eben gelohnt hat, an ihn zu glauben.

Ausführliche Informationen zum Berufsbildungskonzept der Kirchgemeinde Zürich gibt es hier.

In den kommenden Wochen werden wird die weiteren Lernenden in Kurzporträts vorstellen. Wir werden den Jugendlichen dafür immer die gleichen Fragen stellen. Solche, die auf der Hand liegen, aber auch solche, die uns eben ein wenig tiefer in die Personen schauen lassen. Was würde Sie interessieren? Gerne können Sie uns Ihre Fragen schicken. Unsere neuen Lernenden auf einen Blick.

Sozialwerk Pfarrer Sieber

Wer möchte sich im Winter für das Wohl von Obdachlosen engagieren?

Die Temperaturen sind zurzeit hoch: Sommer, Trockenheit, Tropennächte und die Sehnsucht nach kühlendem Nass prägen unsere Wahrnehmung. Aber der Sommer wird vorbei gehen und die kalte Jahreszeit kommen. Für alle, die in gesicherten Verhältnissen leben, mag das vielleicht unangenehm sein, vor allem für die, die den Sommer lieben. Aber für die sozial Schwachen der Gesellschaft, die kein Dach über dem Kopf haben, kann der Winter lebensbedrohlich werden. Um gut gerüstet für die Unterstützung in der kalten Jahreszeit zu sein, sucht das Sozialwerk Pfarrer Sieber schon jetzt nach Freiwilligen für die Wintersaison 20/21, die sich für das Wohl von Obdachlosen engagieren wollen.

Für die Notschlafstellen Pfuusbus und Iglu und die Kältepatrouillen sucht das Sozialwerk Freiwillige für die Zeit von Mitte November 2020 bis Mitte April 2021, damit das Winterangebot für Obdachlose aufrechterhalten kann.

Sie interessieren sich für ein solches Engagement für Obdachlose, dann kommen Sie zur Informationsveranstaltung. Dort erfahren Sie mehr.

Informationsveranstaltung
am Montag, 7. September 2020
von 18 – 20 Uhr
im Kirchgemeindesaal St. Felix und Regula, Hirzelstrasse 22, 8004 Zürich

Bitte melden Sie sich hier bis Montag, 31. August für die Informationsveranstaltung an.

Falls Sie Interesse haben, an der Informationsveranstaltung jedoch nicht teilnehmen können, wenden Sie Sie sich par Mail an: fw-koordination@swsieber.ch.

In den Notschlafstellen Pfuusbus und Iglu sorgen Freiwillige zwischen 18.00 und 09.00 Uhr dafür, dass Obdachlose ein vorübergehendes Daheim erhalten und sich für einige Stunden vom Stress des Gassenalltags erholen können. Im Pfuusbus begegnen Sie aussergewöhnlichen Menschen, die auch zu Zürich gehören, und im Iglu treffen Sie auf Wanderarbeitende und bieten Unterstützung.

Auf den Kältepatrouillen, die jeweils von 23.00 bis 03.00 Uhr unterwegs sind, unterstützen Freiwillige Obdachlose in der ganzen Stadt und machen sie auf die Notschlafstellen aufmerksam. Auf den Kältepatrouillen lebt die Menschlichkeit ganz konkret.