Wer kann Wohnungen der Kirche mieten?

Die Kirchenpflege der reformierten Kirche Zürich hat Grundsätze für die Vergabe ihrer Mietwohnungen festgelegt. Dadurch wird mehr Transparenz erreicht und die Konditionen für einkommensschwächere Menschen werden verbessert.

Die reformierte Kirche Zürich besitzt über 300 Mietwohnungen, dazu gehören auch die Pfarrhäuser. Früher waren diese Wohnungen kirchlichen Mitarbeitenden vorbehalten. Das ist heute nicht mehr der Fall. Als verantwortungsvolle Vermieterin bietet die Kirchgemeinde ihre Wohnungen allen Interessierten an und definiert die Konditionen so, dass auch einkommensschwächere Menschen eine Chance auf ein bezahlbares Zuhause haben.

Aus diesem Grund hat die Kirchenpflege folgende Grundsätze beschlossen:

  • Jede Wohnung, die frei wird, wird öffentlich auf den gängigen Immobilienplattformen ausgeschrieben.
  • Die Miete wird transparent und gemäss Mietrecht festgelegt.
  • Bei der Wohnungsvergabe spielen folgende Faktoren eine Rolle:
    – Der Wohnraum sollte optimal genutzt werden, dabei gilt die Regel pro Person ein Zimmer.
    – Die Mietinteressenten mit den tiefsten Einkommen werden bevorzugt behandelt.
    – Die Miete muss tragbar sein.
    – Der Bereich Immobilien der Kirchgemeinde prüft die Referenzen und Zahlungsfähigkeit der Mietinteressierten.
  • Gleiches Verfahren für alle bei einer Wohnungsbewerbung, dabei übt die Kirchgemeinde grösste Zurückhaltung aus bei der Vergabe einer Wohnung an Personen mit einem fachlichen oder privaten Bezug zur Kirchgemeinde.
  • Nur noch beschränkte Zahl an Dienstwohnungen.
  • Ausnahmen sind temporäre Vermietungen, Pfarrhäuser und Pfarrwohnungen, die gemäss Verordnung über das Pfarramt zur Verfügung gestellt werden, und ausserdem kann die Kirchenpflege beschliessen, Wohnungen für soziale Zwecke zur Verfügung zu stellen.

Online-Gottesdienste: Wie weiter?

Zu Beginn der Corona-Krise hat die reformierte Kirche Zürich einen Blog mit täglichen Impulsen sowie wöchentlichen Online-Gottesdiensten aufgegleist. Wie geht es nun weiter mit diesen Online-Angeboten?

Michael Braunschweig ist in der Kirchenpflege der reformierten Kirche Zürich zuständig für das Ressort Mitglieder, Kommunikation & Gesellschaftspolitik.

Endlich wieder Kita

Von Michael Braunschweig, Mitglied der Kirchenpflege, Ressort Kommunikation

Die Landesregierung muss unsere Stoßgebete gehört haben, die wir zwischen dem tausendsten „aramsamsam gulli gulli gulli ramsamsam“ und dem mittlerweile hundertfach verstorbenen und wieder zum Leben erwachten „Häschen in der Grube“ zum Himmel stießen. Alles Gute kommt von oben. So auch die Nachricht, dass die strengen Isolationsmaßnahmen nun schrittweise gelockert werden dürfen. Nach gut einem Monat, in dem unsere Wohnung gleichzeitig als Bastelraum, Vorlesungssaal, Fußballfeld, Konferenzraum, Tanzbühne und Sitzungszimmer diente, sind wir nicht unglücklich über diese Entlastung.

Mit dem bundesrätlichen Lockerungsplan waren nun auch wir gefordert, eine Exitstrategie aus dem familiären Lockdown zu organisieren. Seit dieser Woche nehmen wir die Betreuungsleistungen unserer Krippe wieder als für unser kleines Familiensystem relevante Entlastung in Anspruch. Die umsichtige Leiterin unserer Kita hatte uns Eltern per Mail dezent darauf hingewiesen, dass die Rückkehr zu normaleren Verhältnissen für unsere Kinder möglicherweise nicht gleich leicht zu bewältigen sein wird wie für uns Erwachsene. Denn nach über einem Monat Abwesenheit von der Kita und den anderen Kindern werden sie sich an diese nun wieder neue Situation erst wieder gewöhnen müssen.

Den Rat haben wir uns zu Herzen genommen und ein didaktisch gestuftes Vorbereitungsprogramm gestartet: In der vergangenen Woche haben wir zunächst immer wieder von der Kita, den Betreuerinnen und den anderen Kindern gesprochen, dann haben wir regelmäßig Bilder aus dem Kita-Alltag angesehen und schließlich haben wir unsere täglichen Spaziergänge so gelegt, dass sie uns an der Kita vorbeiführten. Durch die großen Glasscheiben konnten unsere Kinder so bereits mit den anderen Kindern wieder Kontakt aufnehmen; was sie so gerne taten, dass man sie von der Scheibe fast unter Tränen losreißen musste. Und dann kam der große Tag, an dem sie früh am Morgen wieder in die Kita aufbrechen durften. Es lief zum Glück alles, als hätte es keine Corona-bedingte Abwesenheit gegeben: Voller Freude stürzten sie sich, kaum waren wir angekommen, in ihren Gruppenraum und jauchzten, begeistert darüber, dass ihnen alles vertraut war.

Dankbar nehmen wir derweil die Entlastung unseres Heimbüros an – und sind froh darüber, dass uns diese Krise noch vor der Schulpflicht unserer Kinder getroffen hat. Voller Respekt stellen wir uns vor, wie ungleich anspruchsvoller es in den letzten Wochen gewesen sein muss, gleichzeitig Arbeit, Familie und Schulunterricht in der eigenen Wohnung und in einem auf Dauer auch ertragbaren 24-Stunden-Rhythmus unterbringen zu müssen – und das alles ganz ohne Unterstützung der Großeltern.

Nach der langen Periode ungewisser Aussichten, ging nun plötzlich alles wieder ziemlich rasch. Fast ein wenig zu rasch. Denn diese Zeit buchstäblich beengter Verhältnisse hatte auch ihre schönen Seiten. Vor allem aber hatten wir uns für diese Zeit eigentlich noch mehr erzieherische Ziele vorgenommen: den Kindern die Angst zu nehmen vor dem Laufrad, sie an den Topf oder gar ans WC heranzuführen und vielleicht, ja, vielleicht sogar: den ewigen Nuggi endlich ins Pfefferland zu verbannen. Aus alledem wurde nur ansatzweise etwas: Das Interesse fürs Laufrad hat zugenommen – der gehörige Respekt ist aber noch immer da. Die WC-Schüssel ist immer noch vor allem ein Studienobjekt, aber immerhin hat Töchterchen bereits einmal ein Probesitzen gewagt. Ganz traurig sind wir allerdings auch nicht, dass wir diese Ziele nicht erreicht haben. Denn insgeheim wünschen wir uns ja, dass wir unsere Kinder eines Tages von der Kita abholen und wir verdutzt erfahren, dass sie ab nun keine Windeln mehr brauchen.

Das Hoffen auf diese kleinen Wunder muss ja auch in Krisenzeiten erlaubt sein. Wenngleich auch bei uns die große Hoffnung überwiegt, dass die Suche nach einer Impfung bald erfolgreich sein wird. Dum spiro, spero.

Dieser Beitrag erschien in leicht anderer Fassung am 25.4.20 in der „Schweiz am Wochenende“ und verschiedenen Regional-Zeitungen. Online findet er sich z.B. unter diesem Link.

Hoch oben auf dem Turm liegt die Erkenntnis begraben

Von David Guggenbühl, Kirchenkreis eins

Gespräche sind brutal wichtig; gerade jetzt! So gesehen haben wir Schwein gehabt. Dank der rasanten digitalen Entwicklung können wir auch heute, auch jetzt Gespräche führen; dank Telefon, Mobile, Video. Klar, das gleiche wie ein live-Gespräch ist es nicht. Und doch: es geht.

Das Grossartige an einem Gespräch ist der direkte Austausch von Meinungen, Ideen und Gedanken. Gespräche bringen einem immer weiter, immer wieder auf neue Ideen und neue Gedanken. Darum ist es auch so brutal wichtig, dass man in einem Gespräch nicht nur redet, nicht nur predigt,sondern eben auch zuhört. Mehr noch: nachfragt. Wichtig ist auch, dass man ein Gespräch offen angeht und versucht, zu verstehen, was der andere meint. Kern eines guten Gesprächs ist der offene und ehrliche Meinungsaustausch und die Weiterentwicklung.

Gerade das spielt eigentlich überall eine Rolle; im Geschäftsleben wie im Privatleben und eben auch in der Kirche. Darum habe ich zusammen mit Ueli Greminger, Pfarrer vom St. Peter, vor drei Jahren die Turmgespräche lanciert. Einmal im Monat laden wir einen interessanten Gast zu uns auf dem Turm vom St. Peter ein, ins Zimmer des alten Turmwächters. Und da oben reden wir dann intensiv mit dem Gast und versuchen zu erfahren, was sein könnte. Für keines der Gespräche setzen wir uns ein Ziel, und doch kommen wir immer an.

In den letzten Jahren haben wir viele Gespräche geführt. Mit Andreas Thiel haben wir über politisches Kabarett geredet, mit Gerri Müller über die Sünde in der Politik, mit Ancilo Canepa über die Seele des Fussballs, mit drei jungen Klimaaktivisten über ihre Träume, mit Andres Lutz über seinen Bestreben, beseelte Kunst zu schaffen, mit Ernst Hafen über die digitale Gefahr, mit Renato Pfeffer über das Schwulsein in einer religiösen Sekte, mit Balthasar Glättli über die Vielfalt und mit vielen mehr.

Wir haben aber auch mit Vertretern der Kirchen geredet. Mit Michel Müller über die Qualitätssicherung, mit Daniel Schmid über die besten Weihnachtslieder und im Rahmen des Wahlkampfs mit Annelies Hegnauer, Res Peter, Michael Braunschweig und Andres Hurter über ihre Ideen für die Kirchgemeinde Zürich.

Auf dem Turm geredet haben wir bis zum Lockdown. Dann war Ruh. Wir durften nicht mehr. Wenn wir nicht mehr auf den Turm können, haben wir uns gesagt, dann kommt der Turm halt zu uns. Wir haben Live-Streams organisiert und die Turmgespräche live übertragen. Zuerst haben wir mit all unseren Pfarrern aus dem Kirchenkreis eins geredet. Über die Krise und ihren Umgang damit. Am Anfang haben wir die Gespräch in der Lavaterstube geführt, später dann an einem Ort nach Wunsch des Pfarrers.

Und jetzt haben wir unsere neue Präsidentin der Kirchenpflege, Annelies Hegnauer, zu uns auf den Turm eingeladen oder vielmehr gehen wir am 1. Mai zu ihr und reden mit ihr am Tag der Arbeit über ihre neue Arbeit. Und weil keine Gesprächsteilnehmer mit dabei sein können, haben wir auf unserer Website www.turmgespraeche.ch ein Frageformular aufgeschlagen, damit Sie Annelies Hegnauer vorab Fragen stellen können.

Also, am 1. Mai ab 13.00 auf www.turmgespraeche.ch. Einmal mehr ein Gespräch ohne Ziel, aber mit der Sicherheit, dass wir ankommen werden.

Annelies Hegnauer, Präsidentin der Kirchenpflege.

Video-Botschaft von Annelies Hegnauer

Im November 2019 wurde die Kirchenpflege der Kirchgemeinde Zürich erstmals an der Urne gewählt. Der Stichentscheid fürs Präsidium wurde im zweiten Wahlgang am 9. Februar 2020 gefällt. Und gestern nun, am 1. April 2020, hat sich die neue Kirchenpflege konstituiert.

Präsidentin Annelies Hegnauer übernimmt ihr Amt in einer schwierigen Zeit. Mit einer Video-Botschaft macht sie Mut: Gemeinsam stehen wir das durch, sagt sie.

Matthias Reuter, Pfarrer

Trotz(t) Corona! Wir als Kirche sind für Sie da!

Matthias Reuter, Pfarrer

«Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht,
sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit»

2. Timotheusbrief 1,7

Furcht kann uns alle in der Tat überfallen angesichts der aktuellen Nachrichten rund um die neue Virusinfektion COVID-19. Täglich werden die Nachrichten schlimmer. Ein Virus stellt in Frage, was wir bis anhin für selbstverständlich hielten. Auch der Kirchenbetrieb wird stillgelegt, nichts geht mehr bis Ende April – mindestens! Für mich, der als Pfarrer seit 26 Jahren in Zürich arbeitet, eine komplett unverstellbare Situation. 

Sollte mich da nicht Furcht befallen? Zunächst ja, Furcht und Ängste sind ganz natürlich, sie lassen sich auch nicht wegscheuchen oder unterdrücken. Heimlich wie ein Dieb schleicht sich die Furcht in unsere Herzen, lässt uns zusammenzucken und lähmt uns. Ja, diese Krise, die wir erleben, ist furchterregend. Solch eine Krise kannten die meisten Menschen bis deutlich über 80 Jahre gar nicht mehr. Sie kommt gefühlt aus heiterem Himmel – denken Sie kurz drei bis vier Wochen zurück, als wir hier noch fast heile Welt hatten.

«Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit»

Doch es ist auch viel Kraft spür- und erlebbar. Spontane zivile Nachbarschaftshilfen blühen auf, das Kirchenprojekt «Solidarität für Zürich» wird quasi über Nacht aus dem Boden gestampft, bei uns Mitarbeitenden und Pfarrern, Pfarrerinnen glühen die Telefondrähte, quellen die Mailboxen über … Was können wir machen? Wie können wir helfen? Diese Idee da, jene Idee dort, kreatives Chaos … Es ist Kraft da. Eine Kraft, die sagt: Wir als Kirche sind auch weiterhin für Sie da! Wir alle wollen wo immer möglich, wie immer möglich für die Menschen unserer Stadt und unserer Kirchgemeinde da sein. 

Statt Gottesdiensten in den Kirchen werden Gottesdienste über das Internet übertragen, Seelsorge wird auf Telefon, WhatsApp, Chat verlagert, da Besuche nur noch in Ausnahmen erlaubt sind, pragmatische Alternativen für Suppenküchen und Mittagstische werden gesucht, Material für kirchliches Homeschooling aufbereitet, Kerzen ins Fenster gestellt (www.zhref.ch/abendgebet) und, und, und. Lassen Sie sich überraschen! 

Auch wenn zurzeit alle Veranstaltungen ausfallen, ist die Kirche weiterhin für Sie da. Vielleicht müssen wir sogar gemeinsam «Kirche sein» und «Kirche gestalten» neu entdecken, Sie und ich, Sie und wir. Trotz(t) Corona! Wir trotzen gemeinsam dem Virus! Es ist eine grosse Herausforderung, wenn wir als Gesellschaft zusammen aus der Lähmung durch die Furcht mit neuer Kraft der Zukunft entgegen gehen wollen. Das geht nur mit Liebe. Liebe für die Menschen in unserer Stadt, und natürlich darüber hinaus, aber auch Liebe zu dieser auf alten Fundamenten ruhenden Kirche. Liebe gegeben von Gott, gegeben gerade in dieser verrückten Zeit und in der Not, die sich weltweit brutal ankündigt.

Liebe ist ein häufiges Wort in der Bibel, aber Besonnenheit? Es kommt nur acht Mal vor, und doch tut uns der Geist der Besonnenheit jetzt besonders gut. Besonnenheit hilft gegen vorschnelles und unüberlegtes Urteilen und Handeln. Annehmen, was jetzt geboten und verboten ist. Nicht jeder Missstand muss sofort behoben werden. Geduld! Zum Geist der Besonnenheit, den Gott uns gibt, gehört für mich auch Geduld: Geduld bis das Ende der Pandemie erreicht ist, Geduld mit uns selbst, Geduld mit anderen.

«Gott hat uns nicht gegeben einen Geist der Furcht, sondern der Kraft, der Liebe und der Besonnenheit»


Matthias Reuter ist seit 1. März 2020 Vorsitzender des Konvents der Gemeindepfarrer und Gemeindepfarrerinnen der Kirchgemeinde Zürich.