Berufsbildung in der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

«Wir wollen Menschen fördern»

Eine zentrale Rolle in der Berufsbildung innerhalb der reformierten Kirchgemeinde Zürich kommt neu der Streetchurch zu. Ihre Mitarbeitenden Peti Gutknecht und Theres Brandenberger koordinieren und beaufsichtigen die beiden angebotenen Lehrgänge. Im Interview sprechen sie über ihre Arbeit.

Am 17. August traten in Zürich hunderte Jugendliche eine neue Lehre an. Damit begann für sie ein neuer Lebensabschnitt. Neun von ihnen bildet die reformierte Kirchgemeinde Zürich zu Fachpersonen Betriebsunterhalt oder zu Kauffrauen beziehungsweise Kaufmännern aus. Den Rahmen dafür bildet ein neues Berufsbildungskonzept, das im Anschluss an die Fusion zur reformierten Kirchgemeinde Zürich erarbeitet wurde. Die praktische Ausbildung erfolgt in den Kirchenkreisen durch Berufsbildnerinnen und -bildner vor Ort; koordiniert und verantwortet wird sie durch die Streetchurch.

Theres Brandenberger und Peti Gutknecht sind für diese Koordination in den beiden Berufsbildern KV und Betriebsunterhalt zuständig. Was diese Aufgabe beinhaltet, wo ihre Herausforderungen liegen – und weshalb ihnen die Zusammenarbeit mit den Lernenden Freude bereitet, erzählen sie im Interview.

Muss man eigentlich reformiert sein, um eine Ausbildung bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich zu absolvieren?

Peti Gutknecht: Nein. Das ist überhaupt kein Thema. Wie auch sonst bei der Streetchurch begegnen wir Menschen nicht als Vertreterinnen und Vertretern einer Konfession – sondern als Menschen. Das gilt natürlich auch für die Ausbildung von neuen Lernenden.

Wieso sollte man denn eine Lehre bei der reformierten Kirchgemeinde absolvieren?

PG: Ich hoffe, dass sich das, was wir hier in der Streetchurch und in der reformierten Kirchgemeinde generell vorleben, auch in der Berufsausbildung ausdrückt: nämlich dass wir Menschen fördern wollen. Und dass wir sie dabei unterstützen wollen, ein aktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden.

Theres Brandenberger: Hinzu kommen ganz praktische Gründe, die dafür sprechen, sich bei uns ausbilden zu lassen. Im KV etwa bietet die Arbeit in einer Kirchgemeinde sicher andere Möglichkeiten und ein anderes Umfeld als etwa die Ausbildung bei einer Versicherung. Gerade für Jugendliche mit ausgeprägtem sozialem Bewusstsein bieten wir ein interessantes Umfeld für ihre KV-Ausbildung. Ähnliches gilt für den Betriebsunterhalt, wo man in einem beeindruckenden und einzigartigen Umfeld arbeitet.

PG: Und: Wir suchen Nachwuchskräfte. Die Berufsbildung ist nicht bloss Selbstzweck. Die reformierte Kirchgemeinde hat ein grosses Interesse daran, kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Grundausbildung hinaus in der Organisation zu halten.

Sie arbeiten als sogenannte Koordinatorin beziehungsweise als Koordinator eines Berufsbilds. Das klingt ziemlich abstrakt. Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?

PG: Unsere Arbeit ist vielfältig. Zum einen sind wir für die Rekrutierung von neuen Lernenden verantwortlich. Weiter organisieren wir Anlässe und Ausflüge für unsere Lernenden. Und wir betreiben zurzeit noch viel Aufbauarbeit. Das Berufsbildungskonzept der reformierten Kirchgemeinde ist ja immer noch recht neu: Da fällt viel konzeptionelle Arbeit an. Vieles wird in der jetzigen Phase definiert und gleich umgesetzt.

TB: Zentral ist sicher auch, dass wir dafür sorgen, dass die Berufsbildung in der reformierten Kirchgemeinde einheitlich und in guter Qualität abläuft. Wer bei uns eine Lehre macht, kann eine funktionierende Struktur erwarten. Um das zu erreichen, bieten wir unter anderem interne Weiterbildungen für unsere Lernenden und Berufsbildnerinnen  und -bildner in den Kirchenkreisen an. Und schliesslich sind wir auch Anlaufstelle. Wer Sorgen, Probleme oder Wünsche hat, kann sich jederzeit an uns wenden.

Wird dieses Angebot beansprucht?

PG: Wir haben natürlich noch keinen grossen Erfahrungswert, aber wir stehen schon in regem Kontakt mit den Mitarbeitenden in den Kirchenkreisen. Unser Selbstverständnis ist es, dass wir mit allen anderen Beteiligten der Berufsbildung zusammenarbeiten. Wir wünschen uns ein «Miteinander» – und das ist gut angelaufen.

Das klingt alles sehr idyllisch. Gibt es auch Probleme? Worin besteht die grösste Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

TB: Das Alter, in dem die meisten Lernenden ihre Berufsbildung antreten, ist eine enorm intensive Zeit. Die Ablösung von den Eltern, Identitätsfragen, Ausbildung, das Erwachsenwerden: Das sind so viele grosse Themen, die ja auch verunsichern können. Die grösste Herausforderung, aber auch eine enorm bereichernde Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, die Jugendlichen auf diesem Weg zu begleiten. Ihnen Orientierung zu bieten, aber auch Freiraum zu gewähren. Sodass sie sich bei uns bestmöglich entwickeln und entfalten können.

Mehr über die Arbeit der Streetchurch erfahren Sie hier.

Ausführlich wird das Berufsbildungkonzept der Kirchgemeinde Zürich hier vorgestellt.

Unsere neuen Lernden stellen wir Euch hier vor. In losen Folge veröffentlichen wir Porträts unserer Lernenden, den Anfang machte Adrian Pasteur, der im Kirchenkreis seine Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt begonnen hat.

reformierte Kirche Wipkingen

Klimastreik lädt zu Eröffnungsfest in Kirche Wipkingen ein

Seit August nutzt die Bewegung Klimastreik die reformierte Kirche Wipkingen als ihr neues Hauptquartier. Die Klimabewegung will einen offenen Raum für die Auseinandersetzung mit der Klimakrise und ihrer Bewältigung schaffen. Am Freitag, 11. September findet um 17 Uhr die Eröffnungsfeier statt, zu der alle eingeladen sind, die sich ein eigenes Bild von dem Wirken der Klimabewegung machen wollen.

An der Eröffnungsfeier wird Regierungsrätin Jacqueline Fehr anwesend sein. Die Kirchgemeinde ist durch Michael Braunschweig als Vizepräsident und Michael Hauser als Ressortverantwortlicher Immobilien der Kirchenpflege vertreten. Neben Redebeiträgen und Workshops sind ein gemeinsames Essen und ein Velokino geplant.

Die reformierte Kirchgemeinde Zürich stellt dem Verein Klimastreik die Kirche sowie den umliegenden Grünraum kostenlos zur Zwischennutzung zur Verfügung: als Arbeitsort, Treffpunkt und Veranstaltungsraum.

Eröffnungsfest Klimabewegung in der Kirche Wipkingen.

Mehr über die Zwischenutzung erfahren Sie hier.

Berufsbildung in der Kirche.

Unsere neuen Lernenden

Am August haben neun Jugendliche ihre Ausbildung bei der reformierten Kirche Zürich in Angriff genommen. In den zwei Bereichen Fachperson Betriebsunterhalt und Kauffrau beziehungsweise Kaufmann absolvieren sie ihre Berufslehrgänge.

Die Ausbildung ist für die reformierte Kirche Zürich ein festes Fundament und ein Bereich, in den sie investieren will. Die Berufsbildung ist seit der Fusion zur reformierten Kirchgemeinde Zürich vereinheitlicht worden. Dies dank neuer Strukturen und einem offiziellen, für den ganzen Betrieb geltenden Berufsbildungskonzept. 18 Lernende werden zurzeit ausgebildet, das Ziel sind 25. Verantwortlich für die Ausbildung ist die Streetchurch (mehr dazu könnte ihr auf unserer Website «Berufsbildung – ganz nah an den Menschen» nachlesen).

Zum Lehrstart zwei intensive Kennenlerntage

Nun hat also ein neues Lehrjahr begonnen. Am 10. August fanden sich neun Jugendliche bei der Streetchurch ein, um ein neues Kapitel in Angriff zu nehmen. In zwei gemeinsamen ersten Tagen erhielten sie nicht nur eine Einführung, sondern hatten auch die Möglichkeit, sich dank Teambildungsaufgaben besser kennenzulernen. «Es waren sehr intensive und spannende Tage», sagt Peti Gutknecht, Diakon und Koordinator Berufsbild Betriebsunterhalt.

Annelies Hegnauer begrüsst die Auszubildenden

Begrüsst wurden die Lernenden auch von der Präsidentin der Kirchenpflege, Annelies Hegnauer. In der Streetchurch richtete sie ihre Worte an die Jugendlichen: «Herzlichen Dank, dass ihr euch für eine Lehre bei der Kirchgemeinde Zürich entschieden habt. Wir hoffen, dass ihr diese erfolgreich abschliesst und dass ihr uns auch nachher erhalten bleibt. Denn wir brauchen dringend motivierte junge Menschen».

Hegnauer sprach auch den grossen Wechsel an, der sich nun im Leben der Jugendlichen vollziehen wird, und nahm betreffend Herausforderungen kein Blatt vor den Mund: «Es wird wahrscheinlich nicht immer einfach sein. Aber ihr habt mit der Streetchurch jemanden im Hintergrund, der immer für euch da ist und an den ihr euch wenden könnt.»

Superfood und Nachhaltigkeit

Als kleines Willkommensgeschenk gab es dann von Annelies Hegnauer für alle eine Tüte mit einem Mix aus Bio-Superfood – für die ersten Tage, um Kraft zu tanken und um an den Nachhaltigkeitsgedanken der reformierten Kirche Zürich erinnert zu werden. «Wir möchten allen eine Umwelt hinterlassen, in der wir gut leben können – auch euch», schloss Hegnauer ihre Ansprache.

Fotos: Sandro Süess, Streetchurch

Rückblick auf den Flüchtlingstag 2020

Am 20. und 21. Juni 2020 hat die Citykirche Offener St. Jakob gemeinsam mit zahlreichen Organisationen und Kirchen in mehreren Städten der Schweiz den fast 40′ 000 Geflüchteten gedacht, die seit 1993 auf ihrem Weg nach Europa zu Tode gekommen sind. Schweizweit wurden an verschiedenen Orten von Freiwilligen die Namen der Geflüchteten und die Begleitumstände deren Todes verlesen und auf Bänder geschrieben.

Hier seht Ihr das berührende Video zum Projekt. Die Aktion «Beim Namen nennen» wird 2021 weitergeführt.

Klimabewegung darf Kirche Wipkingen nutzen

Die reformierte Kirchgemeinde Zürich stellt dem Verein Klimastreikräume die Kirche Wipkingen zur Zwischennutzung zur Verfügung. Das Kirchengebäude und seine Umgebung sollen zum offenen Treffpunkt für Menschen werden, die sich mit Klimafragen und deren Lösung auseinandersetzen. Die Kirche will damit jungen Menschen die Chance bieten, an einem Ort eigenverantwortlich an ihrer Zukunft und ihren Zielen zu arbeiten.

Partner der reformierten Kirchgemeinde ist der Verein Klimastreikräume, der in Ergänzung zur Klimabewegung auf der Strasse Versammlungsorte für Bildung, Vernetzung und Zusammenarbeit sucht. Gemeinsam mit der lokalen Bevölkerung will er Strategien für eine nachhaltige Lebensweise entwickeln. Neben eigenen Veranstaltungen des Vereins sind in der Kirche Wipkingen auch Klimaanlässe Dritter geplant, die unter Aufsicht eines für den Betrieb verantwortlichen Teams stattfinden werden. Die Zwischennutzung ist vorerst auf zweieinhalb Jahre befristet.

Die Kirche Wipkingen aus dem Jahr 1909 und ihr grosszügiger Grünraum an der Rosengartenstrasse stehen unter Denkmalschutz. Ihre Tradition als öffentlicher Versammlungsort will die Klimabewegung aufnehmen und weiterentwickeln. Der Kirchenraum soll allen Klimaengagierten zur Nutzung offenstehen. «Wir suchen einen möglichst lebendigen Austausch mit einer breiten Bevölkerungsschicht», sagt Annik Färber, Co-Präsidentin des Vereins.

Die Kirchgemeinde Zürich beschreitet mit diesem Projekt neue Wege und hofft auf Impulse aus der Klimabewegung. «Der Einsatz für die Bewahrung der Schöpfung, also den nachhaltigen Umgang mit unserem Lebensraum, verbindet die Klimabewegung und die reformierte Kirche», ist Michael Braunschweig, Vizepräsident der Kirchenpflege, überzeugt. Hinzu kommt, dass Kirchengebäude in Fragen des CO2-Ausstosses und des Ressourcenverbrauchs Entwicklungspotential haben. Michael Hauser, Verantwortlicher für Immobilien in der Kirchenpflege, sagt: «Wir freuen uns auf die neue und verantwortungsvolle Nutzung der Kirche und die Projekte, die sich daraus entwickeln.»

Ende August laden der Verein Klimastreikräume und die reformierte Kirchgemeinde Zürich zur Vorstellung des neuen Programms in der Kirche Wipkingen ein.

Song of the Week: Shackles

Von Ulrich Meldau, Kantor, Kirchenkreis zwei

Junge Menschen singen Pop & Gospel gegen den Corona Blues.Unter diesem Motto startete das Projekt Anfang Mai.

Bereits gegen 2000 Mal wurden die Songs of the Week aus dem Kirchenkreis zwei mittlerweile auf YouTube angeklickt. Vielleicht konnten sie etwas Auflockerung und Freude in eine Zeit bringen, die aktuell durch Lockerungen des Lockdowns ebenso geprägt ist wie durch plötzlich wieder steigende Fallzahlen.

Der Urban Gospel «Shackles» des Singer-Songwriter Duos «Mary Mary» spricht von Befreiung durch Lobpreis in Musik und Tanz und so funktionierten zwei Engemer Konfirmandinnen «ihre» Kirche, die würdige «Zürcher Sacré-Coeur», mal eben zu einer Tanzbühne um. Der ältere Bruder der einen, der schon als kleiner Junge im Kinderchor Enge sang, übernahm den Saxophon-Part und brachte gleich einen ZHDK-Studienkollegen als Trompeter mit.

Die Solosängerin war bei der Jungen Kantorei Enge in verschiedenen Ensembles wie den Ängi Voices und dem Jugendchor aktiv und den Chor-Part übernahmen  einige aus den früheren Songs of the Week bekannte Solistinnen sowie weitere Jugendchor Mitglieder.

Die musikalische Leitung des Projekts haben Barbara und Ulrich Meldau.

Song of the Week Juni 2020

Song of the Week Mai 2020

Neuer Name für Lutherwiese

Auf Initiative der Lesegruppe «Frauen Lesen» im Kirchenkreis zwölf heisst der bisher als Lutherwiese bezeichnete Spielplatz hinter dem Offenen St. Jakob im KIrchenkreis vier fünf jetzt offiziell Mentona-Moser-Anlage. Mentona Moser war eine bedeutende Schweizer Revolutionärin. Der Roman, den Eveline Hasler über sie geschrieben hat, hat die Lesegruppe des Kirchenkreises zwölf dazu veranlasst, einen Antrag auf Umbenennung an die Strassenbenennungskommission zu stellen. Mit Erfolg. Am 2. Juli wurde die neue Namenstafel enthüllt.

Auf der ganzen Welt werden zurzeit die Denkmäler und Strassennamen der westlichen Welt diskutiert: Sie ehren nicht selten problematische Persönlichkeiten – und fast ausschliesslich Männer. Jetzt, auf dem Höhepunkt der Diskussion, wurde ein zentraler Platz in Zürich nach einer Frau benannt. Auf Initiative einer Gruppe, die vielen kein Begriff sein dürfte.

Eine produktive Lesegruppe

«Frauen Lesen» nennt sich der Lesekreis, die der Kirchenkreis zwölf der reformierten Kirchgemeinde seit rund 20 Jahren organisiert. Rund zwölf Frauen treffen sich regelmässig, um gemeinsam Bücher von und/oder über Frauen zu lesen. Vor ungefähr einem Jahr lasen sie «Tochter des Geldes» von Eveline Hasler, ein Roman über die Schweizer Revolutionärin und Moser-Erbin Mentona Moser, wie Pfarrerin Hanna Kandal erzählt, die die Lesegruppe organisiert und leitet.

«Die Geschichte von Moser hat uns nachhaltig fasziniert und berührt», sagt Kandal. So nachhaltig, dass die Mitglieder der Lesegruppe gemeinsam einen Antrag an die Zürcher Strassenbenennungskommission stellten. Am 2. Juli, ein Jahr später, findet sich eine kleine Gruppe Menschen auf der Wiese hinter der Citykirche Offener St. Jakob ein. Sie wartet darauf, dass eine neue Namenstafel enthüllt wird: Mentona-Moser-Anlage. Bisher war der Spielplatz als Lutherwiese bekannt.

Eine Berufsrevolutionärin

Mehr darüber, wer Mentona Moser war, erzählt Hannes Lindenmeyer vom Quartierverein in einem kurzen Input: eine eigentliche Berufsrevolutionärin. 1874 als Tochter einer der reichsten Familien der Schweiz geboren, wandte sie sich bald sozialen und politischen Themen zu. In London besuchte sie Kurse über Soziale Arbeit und leistete freiwillige Unterstützung in sozialen Brennpunkten. Zurück in Zürich engagierte sie sich in der Sozialdemokratischen Partei, trat später aber wieder aus, um der Kommunistischen Partei beizutreten. Der Idealismus Mosers führte sie später nach Russland und nach Deutschland, wo sie sich am Widerstand gegen den Nationalsozialismus beteiligte. 

Ein Hauptaugenmerk Mentona Mosers hätte immer den Kindern gegolten, erzählt Hanna Kandal. In Zürich habe sie sich stark dafür eingesetzt, dass Freiräume geschaffen werden, in denen sie sich in sicherem Umfeld austoben dürfen. «Das war damals noch überhaupt nicht gewöhnlich», sagt Lindenmeyer. «Auf der nahegelegenen Bäckeranlage war Kindern das Spielen verboten.» Erst auf den Druck Mentona Mosers hin eröffnete Zürich 1909 schliesslich den ersten Kinderspielplatz der Stadt. Hinter dem Offenen St. Jakob, auf der heutigen Mentona-Moser-Anlage.

Musikalische Nachtwege im Grossmünster

Endlich: Wir können wieder zu nachtschlafender Zeit bei Kerzenschein und Musik durch das Grossmünster wandeln und in eine besinnliche Stimmung eintauchen. Die Musikalischen Nachtwege finden wieder jeden letzten Freitag im Monat statt: Am 26. Juni leiten der Pfarrer Christoph Sigrist und die Sopranistin Simone Füssler die mystischen Musikalischen Nachtwege im Grossmünster.

«Durch den Klang der Musik entsteht eine ganz spezielle Stimmung, unterstützt durch das warme Kerzenlicht. Wir tauchen im Kirchenraum in eine andere Welt ein – in ein Energiefeld, das die Seele auflädt und uns Gott intuitiv nah sein lässt», sagt Grossmünster-Pfarrer Christoph Sigrist über die Musikalischen Nachtwege.

Musikalische Nachtwege im Grossmünster
www.grossmuenster.ch
Freitag, 26. Juni, 22 Uhr bis circa 22.45 Uhr.
Besammlung beim Hauptportal
Keine Anmeldung nötig

Solidarisch durch die Krise: Broken Bread

Von Christian Baumgartner, Jugendarbeiter, Kirchenkreis zwei

Es zeichnet sich noch nicht ab, wie sich die Coronakrise mittel- und langfristig auf unser Leben auswirken wird. Was allerdings deutlich sichtbar ist: Die Krise trifft die Ärmsten hart – auch mitten in Zürich. 1’400 Personen standen jüngst in der Langstrasse an, um sich eines der vielen Lebensmittelpakete des Vereins Incontro zu ergattern. Immer willkommen: Spenden für die Ärmsten.

Die Arbeit des Vereins wird durch Zuwendungen von Kirchgemeinden und Privatpersonen ermöglicht. Hier können wir als Kirche unterstützen. Auch die reformierte Kirchgemeinde Zürich engagiert sich, zum Beispiel im Kreis zwei. In den Kirchgebäuden werden von Mitgliedern zusammengestellte Pakete entgegengenommen. Freiwillige transportieren die gesammelten Lebensmittelspenden wöchentlich ins Stadtzentrum, wo sie am Freitag- und Samstagabend an die bedürftige Bevölkerung abgegeben werden. Niederschwellig, unkompliziert und schnell. Es ist eine Hilfe, die rasch ankommt und geschätzt wird. Denn sie wirkt unmittelbar.

Lebensmittelspenden sind willkommen

Gerne lade ich Sie ein, sich zu beteiligen und ein Paket an einem der Sammelorte zu deponieren. Es fällt ins Auge, dass viele Menschen ihr Paket kreativ verzieren oder eine handgeschriebene Karte an die Betroffenen beilegen. Das ist ein grosses Zeichen von Menschlichkeit in einer Zeit, welche für alle mit grossen Unsicherheiten belastet ist.

Was packe ich in das Paket (=Papiersack) ein?

Variante 1: Für unsere Freunde und Freundinnen, die eine Kochgelegenheit haben

1 Pack Toastbrot
1 Brotaufstrich (Nutella, Konfitüre, Honig)
2 Packungen / Schachteln Streichkäse / Sandwichkäse (ohne Kühlung haltbar)
2 Dosen Thon
1 kg Teigwaren und 1 kg Reis
Schokolade bzw. Schoggi‐Cake oder Madeleine
1 Dose Pastetenfüllung
1 Tomatensauce
1 Büchse Erbsli mit Rüebli bzw. Bohnen
Instantkaffee oder Tee
½ Liter Milch

Variante 2 – für unsere Freunde und Freundinnen, die obdachlos sind

1 Pack Toastbrot
1 Brotaufstrich (Nutella, Konfitüre, Honig)
2 Packungen / Schachteln Streichkäse / Sandwichkäse (ohne Kühlung haltbar)
2 Dosen Maiskörner (Dose, die man ohne Dosenöffner öffnen kann)
2 Dosen Thon
1 Pack Salami (ungekühlt haltbar)
Schokolade bzw. Schoggi‐Cake oder Madeleine
Apfelmus (in Tetrapackung oder Dose, die man ohne Dosenöffner öffnen kann)
1 Liter Orangensaft
½ Liter Milch · 1 Plastikmesser und 1 Plastiklöffel

Sammelorte in unserer Kirchgemeinde gibt es im
Kirchenkreis eins: Predigerkirche (Mo-Sa von 14.00-15.30 Uhr)
Kirchenkreis zwei:  Kirchen Enge, Kirche Leimbach (Mo-Fr 9.00 bis 19.00 Uhr) und Alte Kirche Wollishofen: (Mo-Fr 9.00 bis 17.00 Uhr)
Kirchenkreis sieben acht
Kirchenkreis neun: Alte Kirche Albisrieden und Altstetten (Fr bis 15.00 Uhr)
Kirchenkreis zehn: Kirche Höngg und Oberengstringen (bis Fr 12.00 Uhr)
Kirchenkreis elf

Über die Aktion Broken Bread hat SRF 4 News Aktuell am 5. Juni 2020 berichtet und am 23. April 2020 war ein Bericht in der NZZ.

Aktion: Beim Namen nennen

Von Pfarrerin Verena Mühlethaler, Kirchenkreis vier fünf

Seit 1993 sind mindestens 38 739 Menschen beim Versuch, nach Europa zu flüchten, gestorben.
Die meisten sind im Mittelmeer ertrunken. Andere wurden an Grenzübergängen erschossen.
Männer, Frauen, Jugendliche, Kinder, Babys.

An den Aussengrenzen Europas und in Nordafrika leben aktuell hunderttausende Menschen in
erbärmlichen Flüchtlingscamps unter katastrophalen Bedingungen. Besonders auf den
griechischen Inseln ist die Situation dramatisch. Die Corona-Pandemie verschärft die Situation
zusätzlich.

Aktion: Beim Namen nennen

Die reformierte und katholische Kirchgemeinde Zürich und verschiedene NGOs gedenken rund um den Flüchtlingstag gemeinsam mit den anderen grossen Städten der Schweiz den fast 40 000 Flüchtlingen, die seit 1993 auf ihrem Wege nach Europa gestorben sind.

Mahnmal der Trauer und des Protests

Am Samstag, 20. Juni, werden freiwillig Engagierte während dem ganzen Tag in der Wasserkirche die Namen der gestorbenen Flüchtlinge und die Begleitumstände ihres Todes verlesen und auf Zettel schreiben. Diese sollen als ein grosses Mahnmal rund um die Wasserkirche der Trauer und dem Protest über die europäische Abwehrpolitik Ausdruck geben.

Podiumsdiskussion und Ökumenischer Gottesdienst

Am 17. Juni um 20 Uhr gibt es ein virtuelles, internationales Podium zum Thema «Das Sterben auf dem Mittelmeer stoppen!».
Am Sonntag, 21. Juni um 10 Uhr findet zum Abschluss ein ökumenischer Gottesdienst im Grossmünster statt.
Mehr Informationen zu den Aktionen am Flüchtlingstag 2020

Titelfoto: Jürg Curschellas