Psalmen

«Dankbarkeit ist eine Grundhaltung» – Mein Lieblingspsalm

Kurze Gebete, religiöse Lieder oder kleine Gedichte: Das sind Psalmen. Barbara Becker, in der Kirchenpflege für das Ressort Pfarramtliches, Gottesdienst und OeME verantwortlich, stellt Ihnen ihren Lieblingspsalm vor. Es ist der Psalm 100 über das Dienen und die Dankbarkeit.

Haben Sie auch einen Lieblingspsalm? Wir stellen in loser Folge einige dieser religiösen Lieder, Gebete beziehungsweise Gedichte vor. Ausgesucht wurden sie von Mitarbeitenden der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Psalmen können Trost spenden. Oder sie helfen, die Beziehung zu Gott zu vertiefen. Ein grosser Teil der Psalmen ist im sogenannten Psalter enthalten. Dieses Buch der Psalmen enthält 150 Gedichte, Lieder und Gebete, die Psalmen. Halten Sie mit uns einen Moment inne und lassen Sie den folgenden tröstenden Psalm auf sich wirken.

1 Ein Psalm zum Dankopfer. Jauchzet dem HERRN, alle Welt! 2 Dienet dem HERRN mit Freuden, kommt vor sein Angesicht mit Frohlocken! 3 Erkennet, dass der HERR Gott ist! Er hat uns gemacht und nicht wir selbst zu seinem Volk und zu Schafen seiner Weide. 4 Gehet zu seinen Toren ein mit Danken, / zu seinen Vorhöfen mit Loben; danket ihm, lobet seinen Namen! 5 Denn der HERR ist freundlich, / und seine Gnade währet ewig und seine Wahrheit für und für.
(Psalm 100, Übersetzung «Luther-Bibel»)

«Mir gefällt dieser Psalm voller Lebensfreude, Lob und Dank. Dankbarkeit ist die Grundhaltung, aus der ich mein Leben gestalten will. Auch Dienen ist hier keine mühsame Verpflichtung oder Leistung, sondern ein Handeln aus Freude. Der Psalm lenkt den Blick weg von mir auf den freundlichen Gott, dessen Gnade und Wahrheit ewig ist. Gerne stimme ich ein in die mehrtausendjährige Tradition dieses Psalms, am liebsten gesungen – hoffentlich bald wieder!»

Barbara Becker

Barbara Becker, Mitglied der Kirchenpflege

Mehr über Psalmen und deren Bedeutung in der Seelsorge kann man in dem folgenden Artikel lesen: Das Herz vor Gott ausschütten.


Psalmen

«Segne die Eine, du meine Lebenskraft!» – Mein Lieblingspsalm

Kurze Gebete, religiöse Lieder oder kleine Gedichte: Das sind Psalme. Pfarrerin Nathalie Dürmüller stellt Ihnen ihren Lieblingspsalm vor. Es ist der Psalm 103, der ihr in der Übersetzung der «Bibel in gerechter Sprache» speziell gut gefällt.

Haben Sie auch einen Lieblingspsalm? Wir stellen in loser Folge einige dieser religiösen Lieder, Gebete beziehungsweise Gedichte vor. Ausgesucht wurden sie von Mitarbeitenden der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Psalmen können Trost spenden. Oder sie helfen, die Beziehung zu Gott zu vertiefen. Ein grosser Teil der Psalmen ist im sogenannten Psalter enthalten. Dieses Buch der Psalmen enthält 150 Gedichte, Lieder und Gebete, die Psalmen. Halten Sie mit uns einen Moment inne und lassen Sie den folgenden tröstenden Psalm auf sich wirken.

1  Von David. Segne die Eine, du meine Lebenskraft!
Alles in mir segne ihren heiligen Namen!
2 Segne die Eine, du meine Lebenskraft!
Vergiss nicht, was sie alles vollbracht hat:
3 Die dir alle deine Schuld vergibt, alle deine Krankheiten heilt,
4 die dein Leben aus dem Grab befreit,
dich mit  Güte und Barmherzigkeit krönt,
5 die deine Schönheit mit Gutem sättigt,
dass sich deine Jugend erneuert wie ein Phönix.
6 Gerechtigkeit bewirkt die Eine,
spricht Recht allen, die unter Gewalt leiden.
7 Ihre Wege hat sie Mose wissen lassen,
die Menschen in Israel ihre Taten.
8 Mitfühlend, voll Zuneigung ist die Eine,
langsam zum Zorn und reich an Freundlichkeit.
9 Nicht für immer bleibt sie im Streit,
nicht auf Dauer ist sie zornig.
10 Nicht nach unseren Sünden hat sie uns bewertet,
nicht nach unserer Schuld an uns gehandelt.
11 Ja, hoch wie der Himmel über der Erde
ist ihre Güte mächtig über denen,
die ihr in Ehrfurcht begegnen.
12 Fern wie der Sonnenaufgang vom Abend,
so weit entfernt sie unsere Fehler von uns.
13 Wie ein Vater mit seinen Kindern fühlt,
schenkt die Eine ihr Mitgefühl denen, die ihr in Ehrfurcht begegnen.
14 Sie weiss, woraus wir gebildet sind,
erinnert sich, dass wir Staub sind.
15 Menschen – wie Gras sind ihre Tage,
wie Wildblumen blühen sie auf.
16 Da: Ein Wind weht vorüber – weg sind sie,
hinterlassen keine Spur.
17 Die Güte der Einen – seit jeher und für immer
gilt sie denen, die ihr in Ehrfurcht begegnen,
ihre Gerechtigkeit gilt Generationen,
18 allen, die ihren Bund bewahren,
sich an ihre Anweisungen erinnern und danach leben wollen.
19 Die Eine, im Himmel ist ihr Thron gegründet,
ihr Königtum herrscht über das All.
20 Segnet die Eine, ihr Engel!
Mächtige Kräfte, die ihr Wort ausführen,
damit der Klang ihres Wortes Gehör findet.
21 Segnet die Eine, all ihr himmlischen Heere!
Die ihr dienen, die tun, was ihr gefällt.
22 Segnet die Eine, alle ihre Geschöpfe,
an allen Orten, wo immer sie herrscht!
Segne die Eine, du meine Lebenskraft!
(Psalm 103, Übersetzung aus der «Bibel in gerechter Sprache»)

«Gott schenkt uns Menschen Mitgefühl und Zuneigung, und für ihn ist die Vergebung unserer Fehler eine Kleinigkeit, heisst es in Psalm 103. Andererseits wird Gott als mächtig und kraftvoll beschrieben. Mit dieser Kraft setzt er – oder sie – sich für Gerechtigkeit für die Unterdrückten dieser Welt ein. Mir Gott als gerecht und zugleich mitfühlend vorzustellen, gefällt mir.

Besonders gefällt mir die Übersetzung aus der ‹Bibel in gerechter Sprache›. Dort wird ‹Lobe den HERRN meine Seele› mit ‹Segne die Eine, du meine Lebenskraft› übersetzt. Das hilft mir, Gott ganzheitlich und jenseits von gängigen Vorstellungen zu denken.

Auch über den Menschen steht in diesem Psalm Poetisches. Er führt uns unsere Endlichkeit vor Augen und macht uns bewusst, dass wir nicht wichtiger sind als die Schöpfung, die uns umgibt. Wir sind genauso vergänglich wie die Blume oder das Gras auf dem Feld und sollten deswegen der Versuchung widerstehen, uns selber allzu ernst zu nehmen.»

Kirchenkreis zehn der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

Pfarrerin Nathalie Dürmüller, Kirchenkreis zehn

Mehr über Psalmen und deren Bedeutung in der Seelsorge kann man in dem folgenden Artikel lesen: Das Herz vor Gott ausschütten.


Psalmen

«Wenn Gott vom Er zum Du wird» – Mein Lieblingspsalm

Kurze Gebete, religiöse Lieder oder kleine Gedichte: Das sind Psalme. Pfarrer Samuel Zahn hat uns seinen Lieblingspsalm verraten. Es ist der Psalm 23, der ihn seit seiner Studienzeit begleitet.

Haben Sie auch einen Lieblingspsalm? Wir stellen in loser Folge einige dieser religiösen Lieder, Gebete beziehungsweise Gedichte vor. Ausgesucht wurden sie von Mitarbeitenden der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Psalmen können Trost spenden. Oder sie helfen, die Beziehung zu Gott zu vertiefen. Ein grosser Teil der Psalmen ist im sogenannten Psalter enthalten. Dieses Buch der Psalmen enthält 150 Gedichte, Lieder und Gebete, die Psalmen. Halten Sie mit uns einen Moment inne und lassen Sie den folgenden tröstenden Psalm auf sich wirken.

«1 Ein Psalm Davids
Der HERR ist mein Hirt, mir mangelt nichts,
2 er weidet mich auf grünen Auen.
Zur Ruhe am Wasser führt er mich,
3 neues Leben gibt er mir.
Er leitet mich auf Pfaden der Gerechtigkeit
um seines Namens willen.
4 Wandere ich auch im finstern Tal,
fürchte ich kein Unheil,
denn du bist bei mir,
dein Stecken und dein Stab,
sie trösten mich.
5 Du deckst mir den Tisch
im Angesicht meiner Feinde.
Du salbst mein Haupt mit Öl,
übervoll ist mein Becher.
6 Güte und Gnade werden mir folgen
alle meine Tage,
und ich werde zurückkehren ins Haus des HERRN
mein Leben lang.»

(Psalm 23, Übersetzung Zürcher Bibel)

«Der Psalm 23 ist mir ans Herz gewachsen als roter Faden eines Konflagers, das ich Anfang Studium begleitete. Eine Alp im Puschlav ermöglichte die Vertiefung der starken Szenen: Vom die Tiere beruhigenden Wasser über die enge Schlucht bis zum wuchtigen, behutsamen Hirten. Die Poesie bietet so viel Symbolik und Raum, um Lebenssituationen und Gottesbildern nachzuspüren! Ob als Thema für einen Salbungsgottesdienst – «Du salbst mein Haupt» – oder gesungen: Mit Freude begegne ich dem Text immer wieder neu und trage ihn auswendig in mir, erwarte jedes Mal gespannt den Satz, wo Gott vom Er zum Du wird.»

Pfarrer Samuel Zahn, Kirchenkreis sechs

Mehr über Psalmen und deren Bedeutung in der Seelsorge kann man in dem folgenden Artikel lesen: Das Herz vor Gott ausschütten.


Psalmen

«Licht im Dunkeln des Lebens» – Mein Lieblingspsalm

Kurze Gebete, religiöse Lieder oder kleine Gedichte: Das sind Psalme. Pfarrer Matthias Reuter stellt Ihnen seinen Lieblingspsalm vor, der gerade in der aktuellen Corona-Lage aktueller denn je ist.

Haben Sie auch einen Lieblingspsalm? Wir stellen in loser Folge einige dieser religiösen Lieder, Gebete beziehungsweise Gedichte vor. Ausgesucht wurden sie von Mitarbeitenden der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Psalmen können Trost spenden. Oder sie helfen, die Beziehung zu Gott zu vertiefen. Ein grosser Teil der Psalmen ist im sogenannten Psalter enthalten. Dieses Buch der Psalmen enthält 150 Gedichte, Lieder und Gebete, die Psalmen. Halten Sie mit uns einen Moment inne und lassen Sie den folgenden tröstenden Psalm auf sich wirken.

Gott ist mein Licht und meine Rettung,
Vor wem sollte ich mich fürchten?
Gott ist meines Lebens Zuflucht
Vor wem sollte ich erschrecken?

(Psalm 27,1)

«Mein Konfirmationsspruch von 1980 und immer noch eines der für mich besten Trostworte. Warum? Was soll ich fürchten? Was soll mich erschrecken können? Was für eine schon fast rhetorische Frage! Denn Gott ist da! Gott IST mein Licht, meine Rettung, meine Zuflucht. Nicht er wird es sein, oder vielleicht einmal, wenn es mir schlecht genug geht oder ich was dafür leiste. Nein, Gott ist da als Licht im Dunkeln des Lebens, in meinen Ängsten, wenn ich den Schrecknissen der Welt oder auch einer Corona-Pandemie entgegenblicke. Vielleicht etwas abstrakt, aber für mich in der Zusage so klar und entschieden (und zweifelsfrei), dass mir diese Worte ganz lieb und wichtig sind.»

Mein Lieblingspsalm

Matthias Reuter, Pfarrer in Höngg

Mehr über Psalmen und deren Bedeutung in der Seelsorge kann man in dem folgenden Artikel lesen: Das Herz vor Gott ausschütten.

Psalmen

Das Herz vor Gott ausgeschüttet

Die Psalmen haben im christlichen Kontext eine wichtige Rolle als Gebet-, Meditations- und Liederbuch. Vor über 2000 Jahren entstanden, sind sie mit ihren zeitlosen Themen auch heute aktuell und beliebt.

Beten ohne Kirche

Der Herr ist mein Hirte. Wer kennt sie nicht, diese Bibelstelle? Oder genauer: diesen Psalm? Psalmen sind «das Gebetbuch der Bibel», sind religiöse Gedichte und Lieder, oft poetische Meisterwerke. In ihnen spiegeln sich Gefühle, Lebens- und Glaubenserfahrungen der Menschen: Klagen und Bitten, Dank und Lob.

Wer von Psalmen spricht, meint meist die 150 Gebete im Buch der Psalmen des Alten Testaments. Das Alter der einzelnen Psalmen kann nicht sicher bestimmt werden. Sie wurden circa ab dem 9. bis zum 2. Jahrhundert vor Christus gesammelt. Sicher ist, dass die Psalmen sich über die Jahrhunderte verändert haben und angepasst wurden. Die heutige Fassung des Psalters entstand um die Jahre 100 vor Christus.

Laut Pfarrer Martin Rüsch vom Grossmünster Zürich haben Psalmen wesentliche Impulse für die heutigen Gottesdienste geliefert: «Im christlichen Kontext sind sie zum wichtigsten Gebets-, Meditations- und Liederbuch geworden. Psalmen enthalten im Unterschied zu anderen biblischen Texten eine ureigene Artikulation von existenziellen und somit zeitlosen Themen.» Aus diesem Grund, so Rüsch, komme ihnen auch im Bereich der Seelsorge eine grosse Bedeutung zu: «Psalmen sind verschriftlichte Gebetsformen. Sie fassen starke Gefühle in Worte und nehmen Sprachlose an die Hand.»

Es lohnt sich übrigens, Psalmen eingehend zu ergründen. Denn jeder Psalm behandelt ein eigenes Thema, mit dem wir uns vielleicht identifizieren können. Und jeder Vers widmet sich einem Aspekt dieses Themas. Aus dem Zusammenhang gerissen, können sie schnell falsch verstanden werden. Was es mit dem Hirten aus dem Eingangssatz genau auf sich hat, verrät Ihnen Psalm 23.

In loser Folge veröffentlichen wir hier die Lieblingspsalmen von Menschen aus der Kirchgemeinde Zürich.

Der Lieblingspsalm von:

Pfarrer Matthias Reuter: «Licht im Dunkeln des Lebens»

Pfarrer Samuel Zahn: «Wenn Gott vom Er zum Du wird»

Pfarrerin Nathalie Dürmüller: «Segne die Eine, du meine Lebenskraft!»

Barbara Becker, KIrchenpflegerin: «Dankbarkeit ist eine Grundhaltung»

Beten ohne Kirche

Beten ohne Kirche

Pfarrerin Katharina Autenrieth-Fischlewitz, Kirchenkreis sechs

In den letzten Wochen wurde klar: für gemeinschaftliches Gebet kann Kirche nicht bürgen. Deshalb muss Zürich aber nicht zur gottvergessenen Stadt werden, denn Beten ist Allgemeingut und es kann immer und überall gebetet werden.

Drei mögliche Einwände und Erwiderungen darauf:

  • Beten ist was für „die Frommen“, zu denen gehöre ich nicht.

Ja, beten ist zweifellos was für Fromme und die kombinieren das Gebet häufig mit einer Geste oder bestimmten Körperhaltung. Mir gefällt, was Martin Luther einmal gesagt hat: Beten ist ein Reden des Herzens mit Gott. Ein Gebet kommt ohne Worte und ohne Gesten aus. Es erfordert weder Begabung noch ein bestimmtes Mass an Frömmigkeit. Wer betet, kennt einen vertrauenswürdigen Adressaten für das, was das Herz bewegt: Sorge, Angst, Dankbarkeit, Sehnsucht. Auch meine unvermittelten Seufzer und Jauchzer im Alltag gehen letztlich an Gottes Adresse: „Bitte nicht ich!“, „Das darf doch nicht wahr sein!“, „Puuh, Glück gehabt!“.  

  • Wir haben früher auch nicht gebetet, wie soll ich das dann meinem Kind beibringen?

Beten kann man nicht beibringen. Aber ein Kind kann mit Beten vertraut gemacht werden. Beim Gebet handelt es sich nicht um eine religiöse Pflicht, die erfüllt werden muss und möglicherweise sogar Boykott in den eigenen vier Wänden auslöst. Wer sich eine „Gebetstradition“ im eigenen Haushalt wünscht, kann nach einem stimmigen Ritual suchen: zum Beispiel eine Kerze zum Essen anzünden, das Kreuzzeichen auf die Stirn machen, bevor das Kind aus dem Haus geht, die Bitte um Schutz, bevor es schlafen geht, Gott die Namen all derer nennen, die man liebt. Entscheidend ist, dass es mir als Vater oder Mutter entspricht und mir etwas bedeutet. Das Kind kann daran teilhaben und bekommt vermittelt: beten ist normal – Mama oder Papa tut das auch. – Würde Ihnen ein Austausch über religiöse Rituale im Alltag gefallen? Lassen Sie es mich wissen, ich hätte auch Interesse daran.

  • Ich bete nur im Gottesdienst.

Vielleicht brauche ich Gemeinschaft um Beten zu können: andere, die mit mir Stille halten oder mich mit dem Klang ihrer Stimme mittragen, jemand der stellvertretend für mich formuliert und spricht. Kommt mir eine Person in Sinn, die mein Gebetsfreund oder meine Gebetsfreundin sein könnte? Jemand, dem ich vertraue. Jemand, der es nicht komisch findet, dass ich mir Begleitung beim Beten und Schweigen wünsche. Jemand, der auf meine Bitte „bete für mich“ mit „ja“ antwortet. Diese Menschen gibt es: in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, in der Familie, ja vielleicht sogar in der Partnerschaft. Und gibt es da niemanden, so sind da viele Pfarrpersonen mit einer Telefonnummer.

Begrüssung

Die Verbeugung

Von Pfarrerin Hanna Kandal, Kirchenkreis zwölf

Es ist schon länger her, seit ich in einer Erzählung des Norwegers Jostein Gaarder von einem Jungen gelesen habe, der von einem weit entfernten Stern auf die Erde fällt. Er landet im Garten eines Hauses, in dem der achtjährige Joachim die Geburt seines kleinen Bruders erwartet. Der Junge vom anderen Stern gleicht Joachim äusserlich, hat aber einige seltsame Angewohnheiten. Eine davon ist, dass er sich bei jeder Frage seines Gegenübers tief verbeugt. Eine Frage, sagt er, verdient allen Respekt. Sie bringt uns weiter, löst etwas aus, setzt etwas in Gang – was eine Antwort in der Regel nicht vermag…

An diese Geschichte musste ich wieder denken, als ich mich mit einer Kollegin über die neuen Begrüssungsformen unterhielt, die jetzt in der Situation des sozialen Distanzhaltens zu erleben sind.

Am schönsten finde ich die Verneigung. Ich sah sie bisher im Orient, in Asien auch. Oft noch kombiniert mit dem Zusammenlegen der Hände vor der Brust wie bei einer Bitte. In dieser Geste liegt alle Hochachtung, aller Respekt vor meinem Gegenüber drin.

Mehr Innigkeit und Wärme drücke ich aus, wenn ich die Hand aufs Herz lege und den Kopf leicht neige. Du bist mir lieb und wert, sage ich damit, du liegst mir am Herzen.

Gute Laune krieg ich, wenn Menschen einander fröhlich zuwinken zum Gruss. Hallo zusammen, schön dass Ihr da seid!

Kürzlich zog jemand den Hut vor mir. Eine altmodische Geste, die schon fast in Vergessenheit geraten ist. Ich fühlte mich geehrt und hörte auch das unausgesprochene „Küss die Hand, Gnädigste“ mitschwingen. Schade, dass heutzutage nur noch so selten Hüte gezogen werden!

Auch ein breites Lächeln mit Augenzwinkern entschädigt mich bei weitem für den unterlassenen Handschlag.

Die coronabedingten Abstandsregeln bringen uns eine neue Vielfalt an Begrüssungs- und Abschiedsformen, mit denen wir einander wertschätzen und ehren, respektvoll liebend wahrnehmen. Dazu kommen oft auch Worte, die lang nicht so gehört wurden. Gott zum Grusse sagte mir doch jemand, wie aus einem alten Märchenbuch entstiegen. Und dann all das Internationale: selam, schalom, namaste, bless you, b’hüet di Gott.

Wir werden vielsprachiger dadurch und vielfältiger und verstehen einander umso besser – der Geist von Pfingsten umweht uns.

Die sind voll süssen Weins (Apg 2,13)

von Pfarrer Christoph Strebel, Kirchenkreis sieben acht

Seit den Einschränkungen wegen der Covid-19 Ansteckungsgefahr spielt im Lenggquartier im Kreis acht jeden Abend jemand Posaune. Das Repertoire erstreckt sich von Popmusik über klassische Werke bis zu Gelobt sei Gott im höchste Thron. Und er spielt gut.

Ich warte fast jeden Abend darauf, die Posaune wieder zu hören, und frage mich, was er wohl heute spielen wird. Gestern hat er nicht gespielt. Oder habe ich ihn überhört?

Bis heute hat er oder sie sich all meinen Ortungs- und Entlarvungsversuchen erfolgreich widersetzt. Die akustischen Verhältnisse sind auch so, dass die Töne einmal von da, dann wieder von dort zu kommen scheinen. Machmal scheinen sie ganz nah, dann kommen sie wieder aus der Ferne.

Dieser Mensch nimmt sich die Narrenfreiheit einfach so vor sich hin zu spielen. Er hätte ein viel grösseres Publikum verdient und auch erreichen können, hätte er die Termine seiner Ständchen publiziert. So spielt er nur für die, die zufällig gerade da sind und sich die Zeit nehmen zuzuhören.

Wer immer das auch ist, der spielt, ich möchte mich bei ihm oder bei ihr für das regelmässige Geschenk bedanken. Denn es ist ein Geschenk: Eine verschwenderische Geste, durch keinen vermeintlich tieferen Sinn verdorben, unberechenbar, aber doch irgendwie immer wieder erwartet.

Wenn man mich während meines Theologiestudiums nach meinem Berufswunsch gefragt hätte, hätte ich lange Zeit spontan geantwortet: Hofnarr. Nun ist dieser Beruf leider ausgestorben und ich bin schliesslich doch Pfarrer geworden.

Verstehen Sie mich richtig; ich habe nichts gegen vernünftige Überlegungen am richtigen Ort. Aber, wo die Vernunft in eine Sackgasse geraten ist, da hilft nur noch Narrheit als Ausweg aus der Misere.

Jesus wurde zum Gespött, so sehr hat er sich zum Narren gemacht mit seiner weltfremden Rede vom Reich Gottes und hat uns so einen Ausweg aus der menschlichen Sackgasse eröffnet.

Pfingsten ist der Geburtstermin der Kirche. Lukas beschreibt in seiner Apostelgeschichte, wie der Heilige Geist über die Jünger und Jüngerinnen kam:

Da entstand auf einmal vom Himmel her ein Brausen, wie wenn ein heftiger Sturm daherfährt, und erfüllte das ganze Haus, in dem sie sassen; und es erschienen ihnen Zungen wie von Feuer, die sich zerteilten, und auf jeden von ihnen liess eine sich nieder. Und sie wurden alle erfüllt von heiligem Geist.

(Lukas 2,1-4)

Die babylonischen Sprachverwirrung schien für einen Moment ausser Kraft gesetzt, eine grosse Völkerverständigung sich anzubahnen. Aber statt sich darüber zu freuen, reagierten die Menschen in Jerusalem ganz anders: Die einen waren schlicht überfordert und ratlos, die anderen taten das Tun der Jünger als sinnloses Geschwätz Betrunkener ab:

Die sind voll süssen Weins.

(Apg 2,13)

Seither ist die Kirche leider zur Vernunft gekommen. Niemand könnte uns mehr für Betrunkene halten. Wo närrische Ideen keimen wollen, werden sie konzipiert, budgetiert, bewilligt, geplant, organisiert, koordiniert, publiziert und schliesslich ausgewertet. Und regelmässig sterben närrische kleine Gesten wie das Posaune-Spielen am Abend den unvermeidlichen Kältetod der Institution.

Närrisch ist, wer dem Heiligen Geist vertraut und damit rechnet, dass Gemeinschaft und Kirche nicht organisiert werden müssen, sondern entstehen.

Ich wünsche uns den Mut, uns öfter zum Narren zu machen, denn – um mit dem Apostel Paulus zu sprechen: Diese Narrheit ist weiser als alle Weisheit der Welt.

Heiliger Geist

An Pfingsten überwinden wir Grenzen

Pfarrerin Priscilla Schwendimann im Gespräch über Pfingsten und den Heiligen Geist.

Frau Schwendimann, was ist eigentlich der Heilige Geist?
Was ist eigentlich der, die, das Heilige Geist – das ist eine gute Frage. Grundsätzlich ist der Heilige Geist einer der drei Teile der Trinität, die ja aus Gott Vater, seinem Sohn Jesus und diesem Wesen besteht. Wie genau, das ist eine der grossen Fragen, die schon immer diskutiert wurden und wesentlich zur uralten Spaltung in Ost- und Westkirche beigetragen hat. Beim sogenannten Filioque-Streit ging es darum, ob der Heilige Geist aus dem Vater und dem Sohn hervorgeht – oder nur aus dem Vater.

Können Sie noch etwas konkreter werden? Worin besteht seine Rolle?
In der Bibel, diesem kryptischen und immer wieder so tröstlichen Buch, finde ich diese Trinität so wie wir sie kennen – klar formuliert – gar nicht vor. Die Evangelien handeln vor allem von Jesus, der unter den Menschen wandelt und Gott als Vater bezeichnet, und sie sprechen auch vom Heiligen Geist. Jesus kündet an, dass, wenn er selbst gegangen sein werde, darauf die oder der Heilige Geist auf die Erde kommen werde – um Trost zu spenden (Joh 14, 24-26).
Pfingsten ist der Moment, an dem viele von den Jesus Nachfolgenden mit dem Geist Gottes erfüllt werden. Oder wie die Bibel es nennt: «übergossen» wurden mit dem heiligen Geist. Diese Kraft verbindet uns und lässt uns in eine Art Ekstase fallen; der Heilige Geist ist ein Mutmacher. Sie schenkt Glauben und lässt uns Gottes Gegenwart erkennen und spüren. Er schenkt Leben.
Für mich ist der Heilige Geist der am wenigsten «in Worte» fassbare Teil dieser Trinität und gleichzeitig der heute wohl spürbarste Teil der Trinität. Die Bibel selbst nimmt nicht so oft Bezug auf den Heiligen Geist. Trotzdem wird er bei allen wichtigen biblischen «Events» erwähnt: der Taufe und dem Missionsbefehl. Er ist der «Paraklet», wie er bei Johannes bezeichnet wird, der «Tröster» – also der Teil von Gott, der uns beisteht.

Sie sprechen sowohl vom Heiligen Geist als auch von der Heiligen Geistkraft. Besteht da ein Unterschied?
Der Begriff der Heiligen Geistkraft ist sehr wahrscheinlich aus der feministischen Bewegung heraus entstanden. Gott als Vater ist ein sehr biblisches Bild, Gott als Mutter wird leider zu wenig betont, und Jesus war auch ein Mann. Daran, dass Gott nur männlich sein soll, haben sich viele feministische Theologinnen und Theologen zurecht gestört. Ruach – also der hebräische Begriff des Heiligen Geistes – ist von der Wortart her weiblich. So entstand die Idee, nicht der (oder die) Heilige Geist(in) zu sagen, sondern von der Heiligen Geistkraft zu sprechen. Und eine Kraft ist der Heilige Geist sicher.
Für mich hat das auch viel mit Energie und Kreativität zu tun. Natürlich geht es schlussendlich um eine Auslegungsfrage: Je nachdem, ob man darunter eher einen Geist oder eine Kraft versteht. Für mich persönlich ist der Heilige Geist ein geschlechtsloses Wesen, das Trost spendet und mich mit anderen und Gott verbindet.

Was auch Thema sein wird im #churchunited-Gottesdienst am Pfingstsonntag, den Sie ja mitinitiiert haben.
Genau. An diesem Video-Gottesdienst zu arbeiten, bereitet mir gerade sehr viel Freude. Er wird aus Video-Beiträgen von etwa 100 Menschen bestehen – sowohl von Pfarrpersonen als auch von Gemeindemitgliedern aus der ganzen Schweiz. Wir haben Aufnahmen von verschiedenen Kirchenglocken, die wir gleichzeitig abspielen werden; die Predigt stammt von mehreren Personen. Teile davon sind auf Italienisch, andere auf Französisch, Englisch und Rätoromanisch, und auch verschiedene schweizerdeutsche Dialekte kommen natürlich vor. Denn darum geht es an diesem Sonntag. An Pfingsten reden alle Leute durcheinander: Der Heilige Geist kommt zu uns, und wir überwinden unsere Grenzen.


Hinweis: Am Sonntag feiern wir unseren Online-Gottesdienst aus dem Zytlos. Dabei dreht sich alles um den Heiligen Geist. Pfarrer Daniel Brun dazu: An Pfingsten hat der Heilige Geist Geburtstag, so wie Jesus an Weihnachten Geburtstag hat. In diesem Sinne: Happy Birthday, Heiliger Geist! Wenn Ihr mitfeiern wollt, findet Ihr den Gottesdienst hier, auf Facebook oder Youtube.

Den #churchunited-Gottesdienst am Pfingstsonntag könnt Ihr unter folgendem Link sehen: https://vimeo.com/422789132 (wird erst am Sonntag live geschaltet.

Wisst Ihr schon, was Ihr an Pfingsten kochen wollt? Falls nicht, könnt Ihr Euch hier inspiieren lassen: Pfingsten kulinarisch.

Wollt Ihr den Ostergottesdienst mit Priscilla Schwendimann nochmals anschauen?

Elia stand auf, ass und trank und ging

Gespräch der Pfarrerinnen Chatrina Gaudenz und Eva Rüsch

Ende Juni hören Eva Rüsch und Chatrina Gaudenz auf, im Kirchenkreis zwei als Pfarrerinnen zu amten. Wegen der Corona-Restriktionen wissen wir im Moment nicht, ob wir ihr Abschiedsgottesdienst wie geplant am 14. Juni am Hauriweg gefeiert werden kann oder nicht. Deshalb haben sich die beiden Pfarrerinnen enstchlossen, Sie bereits jetzt in ihre Vorbereitungen für diesen Abend einzubeziehen.

Chatrina Gaudenz: Wenn ich über Wege nachdenke, auf denen wir in unserem Leben unterwegs sind, kommt mir der Prophet Elia in den Sinn. Er geht lange Wege. Und einmal läuft er bis ans Ende seiner Kraft, legt sich unter einen knorrigen Wacholder und sagt zu sich selbst: «Es ist genug!»

Eva Rüsch: Dieses Wort «genug» habe ich in letzter Zeit oft gehört. Im Sinn von: Es reicht! Keine Besuche, eingeschränkte Freiheiten, finanzielle Sorgen. Es ist genug, das Mass ist voll; manchmal können wir einfach nicht mehr – wie Elia.

Chatrina Gaudenz: Zum Glück geht die Geschichte im ersten Buch der Könige weiter. Genug kann nie genügen, singt Konstantin Wecker einmal… Gott schickt Elia einen Engel, der ihn fürsorglich und bestimmt unterstützt. Der Engel sagt zu Elia: «Steh auf und iss!»

Eva Rüsch: Nachbarinnen und Nachbarn, Kinder, Freiwillige haben sich in den vergangenen Wochen als Engel gezeigt: «Kann ich für dich einkaufen? Bleib du daheim. Ich erledige das für dich.» Dabei war auch manchmal eine Portion Bestimmtheit nötig… Der Engel sagt: «Du hast einen weiten Weg vor dir!» Wie bei Elia liegt wohl ein langes Wegstück vor uns, das uns zurück in die Normalität führt. Gleichzeitig weckt dieser Satz in mir den Wunsch, dass ein Engel am Wegrand von uns allen steht.

Chatrina Gaudenz: Wo führt Dich Dein Weg denn jetzt hin? Verrätst Du mir das?

Eva Rüsch: Er führt mich in die Nähe von Winterthur, eine Gegend, die mir wohl vertraut ist. Dort werde ich in einem Alterszentrum als Seelsorgerin tätig sein und freue mich sehr darauf! In genau diesem Heim habe ich übrigens als Studentin während den Semesterferien in der Pflegeabteilung gearbeitet. Und Du?

Chatrina Gaudenz: Ich bleibe in der reformierten Kirchgemeinde Zürich. Ich bin als Pfarrerin im Kirchenkreis sieben acht nominiert, wo ich auch jetzt bereits amte. Du, Eva, aber bevor Elia seinen Weg fortsetzt, stärkt der Engel ihn. Er stellt ihm geröstetes Brot und einen Krug voll frisches Wasser vor die Nase. Mir gefällt das. Was nimmst Du mit auf Deinen Weg?

Eva Rüsch: Wegzehrung! Davon habe ich in Wollishofen, im Kirchenkreis zwei viel bekommen. Einen ganzen Korb voll guter Begegnungen mit engagierten Menschen und eine tolle Zusammenarbeit wie mit den Sigristinnen und Sigristen. In meinen Korb packe ich verschiedenste Erfahrungen, die mir auf meinem weiteren Weg als Pfarrerin weiterhelfen. Besondere Freude bereiteten mir jeweils gemeinsam durchgeführte Gottesdienste wie am Ewigkeitssonntag, oder auch das Trauercafé Horizont. Dafür sage ich allen in der Kirchgemeinde DANKE!

Chatrina Gaudenz: Ich wünsche Dir von Herzen viel Glück! Die Wegzehrung von Elia übrigens – ein Bissen Brot und ein Krug voll Wasser, halten ihn 40 Tage und 40 Nächte lang bei Kräften und das mitten in der Wüste! Das muss eine ganz besondere Wegzehrung gewesen sein: Brot des Lebens? Wasser des Lebens? Das Leben selbst? Was meinst Du?

Eva Rüsch: Halt, halt! Wir sind bereits am Ende des Artikels. Chatrina, ich schlage vor, dass wir dieses Gespräch an unserem Abschiedsgottesdienst fortsetzen.

In der Hoffnung, dass wir einander dann als Gemeinde wiedersehen, freuen wir uns herzlich, wenn Sie am 14. Juni mit dabei sind!


Tamar war zur Zeit Elias ein wichtiger Grenzübergang, bevor man in die Wüste Richtung Sinai aufbrach.  Es ist nicht ausgeschlossen und wäre gar nicht überraschend, wenn Elia seine letzte Nacht, bevor er in die Wüste ging, hier verbrachte.

Elia am Horeb (1. Buch der Könige 19, 4 ff.)

Elia aber ging hin in die Wüste eine Tagereise weit und kam und setzte sich unter einen Wacholder und wünschte sich zu sterben und sprach: Es ist genug, so nimm nun, Herr, meine Seele; ich bin nicht besser als meine Väter. Und er legte sich hin und schlief unter dem Wacholder. Und siehe, ein Engel rührte ihn an und sprach zu ihm: Steh auf und iss! Und er sah sich um, und siehe, zu seinen Häupten lag ein geröstetes Brot und ein Krug mit Wasser. Und als er gegessen und getrunken hatte, legte er sich wieder schlafen. Und der Engel des Herrn kam zum zweiten Mal wieder und rührte ihn an und sprach: Steh auf und iss! Denn du hast einen weiten Weg vor dir. Und er stand auf und ass und trank und ging durch die Kraft der Speise vierzig Tage und vierzig Nächte bis zum Berg Gottes, dem Horeb.