Ein Brief von Regine Bernet

Seit einigen Wochen ist auf der strassenseitigen Fassade des Kirchgemeindehauses Hottingen ein tanzender Knochenmann mit Sense zu sehen. Auch ohne Fachgutachten sind wir sicher: ein echter Harald Naegeli!

Ohne zu zögern haben alle Mitglieder unserer Kirchenkreiskommission sieben acht sich dafür ausgesprochen, dass der Knochenmann Bleiberecht haben soll. Sie haben uns ein Geschenk gemacht, das wir gerne annehmen.

Das Graffito ist schön und dynamisch, und es ist in vielen Bezügen verankert. Der Sensenmann ist vielleicht aus der Grube unter dem Bodengitter heraufgestiegen. Oder er ist abgehauen aus dem Totentanzprojekt in den Türmen des Grossmünsters, das seit letztem Sommer stockt, und hat hier einen neuen Platz zum Tanzen gefunden. Schon früher gab es einen Naegeli an diesem Kirchgemeindehaus (leider wurde er versprayt und musste entfernt werden), ein weiterer, etwas schlichter Kollege figuriert am Kirchgemeindehaus Neumünster. Sie selber wurden in Fluntern geboren, haben früher in Hottingen gewohnt und sind auch heute wieder im Quartier. Auch wenn es nicht vernünftig ist und wohl auch nicht in Ihrem Sinn: ein einheimischer Knochenmann schreckt weniger.

In Sachen Tod gilt die Kirche ja als kompetent, gleichsam zuständig für den Umgang mit dem grossen Thema. Dieser Knochenmann wurde zudem in Zeiten von Corona gesprayt, als wir alle ein wenig dünnhäutiger waren, manche gar verängstigt. Er wird uns in Zukunft an diese Periode erinnern. Es hat uns auch gefallen, dass Sie in dieser Zeit Hauseigentümer mit Bildergaben motiviert haben, ihren Geschäftsmietern die Miete zu erlassen, wenn sie wegen Corona keine Einnahmen hatten. 

Der Knochenmann von Hottingen wird vielen Menschen Anlass geben, eine Pause einzulegen für ein paar Gedanken zur Kunst, zum Tod oder zur Frage, was eine Hausfassade schön oder hässlich macht.

Wir bedanken uns herzlich für das Kunstwerk, das Sie uns geschenkt haben, und grüssen Sie freundlich!

Für die Kirchenkreiskommission sieben acht
Regine Bernet

4 Kommentare zu „Lieber Herr Harald Naegeli

  1. Die Naegeli Affäre. Am 9. Juli 2020 habe ich ich an der Fassade Ihren einen Totentanz fotografiert. Er war makellos. Jetzt ist er entfernt worden. Sie schreiben, er sei leider versprayt worden. Darf ich Sie bitten, mir zu sagen, wann das passiert ist und wann Sie ihn entfernt haben? Ich bin einfach privat ein «Sammler» von Naegelis Figuren, die ich ins Herz geschlossen habe.
    Vielen Dank und freundliche Grüsse,
    Sebastian Hefti

    1. Danke für die Nachfrage. Auch wir schätzen unsere «Nägelis» sehr – den einen am KGH Neumünster bereits seit acht bis zehn Jahren (dank Graffiti-Schutzlack), den neuen am KGH Hottingen seit dem Frühsommer.
      Vor ca. 5 Jahren gab es bereits einen Nägeli am KGH Hottingen welcher damals leider entfernt werden musste. Seinerzeit waren im Quartier regelmässig Sprayer unterwegs, weshalb die Kirchenpflege damals eine «Nulltoleranz» vereinbart hatte. Nun sind wir froh, dass wir wieder zwei haben.
      Freundliche Grüsse
      Barbara Keller, Betriebsleitung Kirchenkreis sieben acht

  2. Ich habe Sie mit der Neuapostolischen Kirche Hottingen verwechselt. Tut mir leid. Weil der Naegeli, der dort an der Fassade prangte, wurde liquidiert, was zum heulen schade ist. Wie ist das? Gibt’s am Kirchgemeindehaus Neumünster im Riesbach einen Totentanz, oder handelt es sich doch – wie ich gesehen habe hinter dem Haus – um eine ältere Figur?

    1. Guten Tag, Herr Hefti
      Die reformierte Kirchgemeinde Zürich hat eine neue Einzelfigur am Kirchgemeindehaus Hottingen, aber nicht einen ganzen Totentanz.
      Herzliche Grüsse
      Barbara Keller

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