Stricken ist sinnvolle Freizeitbeschäftigung und damit beste Medizin für eine gesunde Psyche. Diverse Initiativen in den Kirchgemeinden zeigen, wie beliebt stricken ist – sei es in Gesellschaft oder daheim.  

Ran an die Stricknadeln, und los! In der reformierten Kirchgemeinde Zürich gibt es diverse Initiativen, die Strickwaren herstellen und verkaufen – mit dem Ziel, gemeinnützige Organisationen zu unterstützen. Bereits während des Lockdowns im März hat der Kirchenkreis zwölf zum Stricken von kleinen Quadraten aufgerufen. So sind insgesamt 900 Stück zusammengekommen, die Erna Kümin und ihre Kolleginnen von der Basargruppe vorwiegend zu Decken zusammengenäht haben.

Corona-Lockdown-Patchworkdecke

Die Frauen treffen sich einmal pro Woche zum Kreativsein und Handarbeiten. Entstanden sind ca. zehn Kinderdecken, zwei grosse Decken und zwei Kissen. Da der Basar wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste, werden die bunten Decken nun im Kirchgemeindehaus Oerlikon verkauft.

Patchworkdecke. Foto: Silvia Ritschard

Wollsocken sind der Kassenschlager

Auch die Sozialdiakonin der Bullingerkirche im Kirchenkreis vier und fünf, Elsbeth Bösch, trifft sich regelmässig mit der 80-jährigen Elsa Blöchlinger und der um rund zehn Jahre jüngeren Rita Frech zum Stricken. «Die beiden Frauen stricken Mützen, Pulswärmer, Stulpen, Schals, Bébéfinken und stapelweise Socken», erzählt Elsbeth Bösch.

Der Verkauf findet normalerweise nach dem Gottesdienst oder am Herbstfest statt und kommt einem Hilfswerk zugute. «Eigentlich heisst es ja, dass heutzutage niemand mehr Wollsocken trägt. Aber am Herbstfest sind sie immer ganz schnell weg», so Elsbeth Bösch weiter. Dieses Jahr fällt das Herbstfest wegen der Corona-Pandemie ins Wasser – und die Frauen evaluieren zurzeit andere Absatzkanäle.

Lismen in der Bullingerkirche: Rita Frech (links) und Elsa Blöchliger. Foto: Elsbeth Bösch

Im Kirchenkreis zehn gibt es seit rund 15 Jahren handglismets.ch im Netz, einen Online-Shop für gestrickte Artikel, vor allem Wollsocken. Die Initiantinnen nehmen auch Aufträge entgegen, stricken aber nur daheim.

Babyfinken

Die Kirchgemeinde Oberengstringen, die zum Kirchenkreis zehn gehört, hat die vorhandenen Strickwaren kurzerhand in eine Tradition eingebaut: Dort bekommen die Eltern bei der Geburt ihres Kindes gestrickte Babyfinken, die ein Vertreter oder eine Vertreterin der Kirchgemeinde jeweils als Willkommensgeschenk vorbeibringt.

Bébéfinkli. Foto: Peter Lissa

Beim Stricken sind die Hände beschäftigt – das beruhigt, gerade in unsicheren Zeiten. Doch genauso wichtig sind Austausch und Geselligkeit. Dies beobachtet auch Sozialdiakonin Elsbeth Bösch: «Wir plaudern und trinken Kaffee oder Tee, wenn wir uns treffen – da liegt die Strickarbeit dann fast mehr auf dem Tisch.» Die wunderbaren Strick-Erzeugnisse werden also vor allem daheim angefertigt.

Das eigene Zuhause ist im Corona-Jahr ein Zufluchtsort – bei empfohlenem Homeoffice oder verordneten Quarantänetagen kann es aber auch Isolation und Einsamkeit bedeuten. Inzwischen sind es längst nicht mehr nur die älteren Menschen, die gegen die Einsamkeit anstricken. Elsbeth Bösch erzählt: «Ich habe neulich eine junge Bekannte getroffen, die seit März im Homeoffice ist. Sie sagt, sie habe schon alles versucht, damit ihr die Decke nicht auf den Kopf fällt – Mandalamalen, Backen oder Nähen. Nun hat sie mit Stricken begonnen, aber eigentlich kann sie es gar nicht.» Wären also generationenübergreifende Stricknachmittage ein Bedürfnis? Viele Strickgruppen sind gern bereit, neue Mitglieder – egal welchen Alters – aufzunehmen und ihr Wissen zu teilen. 

Übersicht über die Strickinitiativen der Kirchgemeinden:

Kirchenkreis vier fünf

Im Kirchgemeindehaus der Bullingerkirche wird regelmässig gestrickt – Rita Frech und Elsa Blöchlinger stehen bei Strickproblemen auch gern beratend zur Seite.
Kontakt: Elsbeth Bösch, 044 493 44 22

Kirchenkreis neun

Im Kirchenkreis neun, Standort Altstetten, wird traditionell am ersten Dienstag im Monat in gemütlicher Runde bei Kaffee und Gesprächen gestrickt. Die Gruppe unterstützt sich gegenseitig bei Strickproblemen und tauscht Ideen und Strickmuster aus.
Kontakt: Eva Winzeler, 044 431 12 05

Kirchenkreis zehn

Bazargruppe Höngg
Die Bazargruppe Höngg ist eine Arbeitsgruppe in Höngg, die sich unter dem Jahr trifft und für den Bazar der reformierten Kirchgemeinde strickt. Neue Helferinnen sind jederzeit willkommen.
Kontakt: Susanna Gehrig-Meili, 077 501 40 26

Osteuropahilfe
Die Osteuropahilfe stellt Weihnachtspakete für Kinder von 2 bis 16 Jahren in Osteuropa (www.osteuropahilfe.ch) her und sucht Strickerinnen, die Pullover, Schals, Mützen, Socken und Handschuhe stricken. Sie sind auch auf Wollspenden angewiesen.
Kontakt: Beatrice Bertschi-Meili, 077 535 27 76

Kirchenkreis zwölf

Oerlikon
Die Strickfrauen vom Kirchenkreis zwölf treffen sich regelmässig am Dienstagnachmittag von 14 bis 16.30 Uhr im Kirchgemeindehaus Oerlikon zum Kreativsein und Handarbeiten. Da der Basar nicht stattfinden konnte, verkaufen sie Stickwaren und Bastelerzeugnisse während der Öffnungszeiten des Kirchgemeindehauses.

Saatlen
Im Kreativ-Atelier im Kirchenzentrum Saatlen werden über das ganze Jahr mit viel Liebe zum Detail farbenfrohe Kunstwerke gestrickt und gehäkelt. Die Socken, Decken, Jäckchen und vieles mehr können jeweils am Dienstagnachmittag von 14 bis 16.30 Uhr gekauft werden.
Kontakt: Anni Kuhn, 044 301 26 33

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