Pfarrerin Katharina Autenrieth-Fischlewitz, Kirchenkreis sechs

In den letzten Wochen wurde klar: für gemeinschaftliches Gebet kann Kirche nicht bürgen. Deshalb muss Zürich aber nicht zur gottvergessenen Stadt werden, denn Beten ist Allgemeingut und es kann immer und überall gebetet werden.

Drei mögliche Einwände und Erwiderungen darauf:

  • Beten ist was für „die Frommen“, zu denen gehöre ich nicht.

Ja, beten ist zweifellos was für Fromme und die kombinieren das Gebet häufig mit einer Geste oder bestimmten Körperhaltung. Mir gefällt, was Martin Luther einmal gesagt hat: Beten ist ein Reden des Herzens mit Gott. Ein Gebet kommt ohne Worte und ohne Gesten aus. Es erfordert weder Begabung noch ein bestimmtes Mass an Frömmigkeit. Wer betet, kennt einen vertrauenswürdigen Adressaten für das, was das Herz bewegt: Sorge, Angst, Dankbarkeit, Sehnsucht. Auch meine unvermittelten Seufzer und Jauchzer im Alltag gehen letztlich an Gottes Adresse: „Bitte nicht ich!“, „Das darf doch nicht wahr sein!“, „Puuh, Glück gehabt!“.  

  • Wir haben früher auch nicht gebetet, wie soll ich das dann meinem Kind beibringen?

Beten kann man nicht beibringen. Aber ein Kind kann mit Beten vertraut gemacht werden. Beim Gebet handelt es sich nicht um eine religiöse Pflicht, die erfüllt werden muss und möglicherweise sogar Boykott in den eigenen vier Wänden auslöst. Wer sich eine „Gebetstradition“ im eigenen Haushalt wünscht, kann nach einem stimmigen Ritual suchen: zum Beispiel eine Kerze zum Essen anzünden, das Kreuzzeichen auf die Stirn machen, bevor das Kind aus dem Haus geht, die Bitte um Schutz, bevor es schlafen geht, Gott die Namen all derer nennen, die man liebt. Entscheidend ist, dass es mir als Vater oder Mutter entspricht und mir etwas bedeutet. Das Kind kann daran teilhaben und bekommt vermittelt: beten ist normal – Mama oder Papa tut das auch. – Würde Ihnen ein Austausch über religiöse Rituale im Alltag gefallen? Lassen Sie es mich wissen, ich hätte auch Interesse daran.

  • Ich bete nur im Gottesdienst.

Vielleicht brauche ich Gemeinschaft um Beten zu können: andere, die mit mir Stille halten oder mich mit dem Klang ihrer Stimme mittragen, jemand der stellvertretend für mich formuliert und spricht. Kommt mir eine Person in Sinn, die mein Gebetsfreund oder meine Gebetsfreundin sein könnte? Jemand, dem ich vertraue. Jemand, der es nicht komisch findet, dass ich mir Begleitung beim Beten und Schweigen wünsche. Jemand, der auf meine Bitte „bete für mich“ mit „ja“ antwortet. Diese Menschen gibt es: in der Nachbarschaft, im Bekanntenkreis, am Arbeitsplatz, in der Familie, ja vielleicht sogar in der Partnerschaft. Und gibt es da niemanden, so sind da viele Pfarrpersonen mit einer Telefonnummer.

Wenn Sie mehr darüber lesen wollen, dann empfehle ich Ihnen unseren Impuls vom 24. April 2020: Beten zu Hause: Gott weiss, was Sie brauchen.

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