Die Kirchliche Sozialberatung wird Teil der Streetchurch. Wieso das Angebot so wichtig ist – gerade auch in Zeiten der Krise – zeigt die Geschichte von Evelyne. Die 39-Jährige erzählt von ihren Problemen und den Lösungen, die sie Dank der Kirche erarbeitet hat.

Die Covid-19-Krise schüttelt uns mächtig durch und stellt uns vor viele Herausforderungen – jeden einzelnen von uns. Doch sind wir gut vernetzt, haben eine Arbeitsstelle, sind finanziell abgesichert, haben ein intaktes soziales Umfeld und sind bei guter Gesundheit, so lassen sich diese meistern. Stimmen diese Faktoren aber nicht mehr, braucht es nicht selten wenig, damit unsere Welt ins Wanken gerät. Und wenn sie das tut, ist der Weg aus der persönlichen Krise häufig kein leichter. Es sind die Momente im Leben, in denen wir unsere Hand ausstrecken sollten, um nach Hilfe zu fragen. Dies ist kein Zeichen von Schwäche, sondern – ganz im Gegenteil – eines von Stärke. Von ihrer neu gewonnen Kraft berichtet uns Evelyne.

«Schon seit Anfang Jahr ist bei mir der Wurm drin. Erst gab es wegen familiärer Probleme, die mich unter enormen Druck stellten und die mir psychisch sehr zusetzen, dann – als ich mich davon erholt hatte – spielte mein Körper nicht mehr mit und ich bin zusammengebrochen. Unglücklicherweise hatte mein Hausarzt keine Zeit für mich, weil die Covid-19-Krise gerade ihren Anfang nahm. Ich bin eine selbstständige Frau, das war ich schon immer. Das Leben hat mich vor manche Prüfung gestellt, die ich alle gemeistert habe. Aber ab und zu tut psychischer Beistand einfach gut. Jemanden zum Reden, zum Anlehnen. Aber ich wollte stark sein. Also ging ich nach wie vor auch zur Arbeit. Oder besser: Ich versuchte es.

Sozialberatung

Ich bin in einem 1-Personen-Kantinen-Betrieb angestellt. Hier trage ich ein gewisses Mass an Verantwortung. Ich habe viel Freude daran und meine Arbeit gefällt mir sehr. Als dann die Corona-Krise begann, waren wir im Betrieb gut aufgestellt – auch vor den Informationen des Bundes und des Lock Downs. Ich selbst bin Risikopatientin. Massnahmen betreffend Hygiene und Distanz sind für mich also sehr wichtig. Aber ja, ich möchte da auch kein Blatt vor den Mund nehmen: Ganz wohl war mir nicht. Oder besser: Ich hatte Angst. Angst ist kein guter Begleiter, das weiss ich. Und prompt wurde ich krank. Gleich zwei Mal hintereinander. Einmal war es der Magen, einmal eine fiese Erkältung – ich habe deswegen einige Tage bei der Arbeit gefehlt. Dann kam der Tag, an dem überall Home Office verordnet wurde. Meine Unsicherheit wurde nicht kleiner – sie verlagerte sich bloss. Was wird in Zukunft sein? Würde ich noch Arbeit haben?

Seit März bin ich also zuhause. Nein, nicht weil wir Kurzarbeit haben, sondern weil ich krank bin. Ich erkannte mich nicht wieder. Immer war etwas, immer ging etwas nicht. Mal war es besser, dann wieder viel schlimmer. Meine Ärztin hat mich schliesslich krankgeschrieben. Was ich habe? Ich weiss es nicht. Doch nun wurde mir ein Corona-Test erlaubt. Ich werde also bald wissen, ob ich Covid-19-positiv bin. Viele fragen mich: Was macht es denn für einen Unterschied, ob du weisst, dass du Corona hast oder nicht? Für mich einen wahnsinnig grossen. Es bringt Klarheit. Und ich kann akzeptieren, dass nichts hilft, dass ich meinem Körper Zeit geben muss – und Ruhe. Zudem würde ich gerne auch meinem Arbeitgeber eine klare Botschaft senden können. Damit er planen kann und damit er weiss, wann ich wieder zurück sein werde.

Corona hat uns finanziell arg zugesetzt. Ich habe viele Hilfsorganisationen kontaktiert. 18 an der Zahl. Auch bei der Kirchgemeinde an meinem Wohnort wurde ich vorstellig. Diese hat mich dann auf das Angebot der Sozialberatung bei der Streetchurch hingewiesen. Die Streetchurch kannte ich schon, aber ich war der festen Überzeugung, dass auch sie ihr Angebot wegen Corona sistiert hatten. Aber dem ist ja bei Weitem nicht so. Es gibt nun einfach vieles online, was wirklich toll ist. Ich habe dann also mit einem Sozialarbeiter telefoniert und er hat mir schnell, unbürokratisch und persönlich geholfen. Er hat mir Briefe für die Ämter verfasst, hat sich umgehört, wie wir unsere finanzielle Situation verbessern können. Schlussendlich war die grösste Hilfe, die man mir geben konnten, aber einfach das Gefühl, da zu sein. Zu sagen: «Das ist Evelyne, sie hat Probleme. Wir helfen.» Dafür möchte ich mich bedanken und ich möchte auch anderen raten, Hilfe zu holen, wenn sie welche brauchen. Denn: es tut gut.»

Angebot «Kirchliche Sozialberatung»

Ab Mai 2020 führt die Streetchurch unter dem Namen «Kirchliche Sozialberatung» ein Kompetenzzentrum für die soziale Arbeit der evangelisch-reformierten Kirche in der Stadt Zürich. Das Angebot richtet sich insbesondere an Einzelpersonen und Familien jeglicher Religion, Konfession und Nationalität mit Wohnsitz in der Stadt Zürich. Das professionelle Angebot wird subsidiär zu staatlichen Angeboten positioniert. Es arbeitet vernetzt mit der Sozialdiakonie und den Pfarrämtern in den Kirchenkreisen sowie mit anderen Fachorganisationen oder Amtsstellen.

Das Angebot wurde von der Stiftung «Kirchlicher Sozialdienst Zürich» in die Kirchgemeinde Zürich überführt. Nach personellen Wechseln konstituiert sich das Team neu. Aufgrund der aktuellen Lage rund um das Coronavirus finden Beratungen vermehrt online und telefonisch statt.

www.streetchurch.ch/sozialberatung | 044 552 42 42 | info@streetchurch.ch

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