Innehalten mit der App Weiler 3:33

Cassiopeia-Steg in Wollishofen im Kirchenkreis zwei.

Von Edita Truninger

Die Gratis-App Weiler 3:33 lädt an 33 verschiedenen Orten in der Stadt Zürich zum Innehalten. Gleichzeitig vermittelt sie spannende Informationen zur unmittelbaren Umgebung.

Er liegt auf meinem Heimweg, deshalb bin ich schon oft mit dem Velo drüber gebrettert, ohne jemals anzuhalten: der Cassiopeia-Steg in Zürich-Wollishofen. Der Holzsteg ragt vom Ufer 100 Meter in den See und verbindet die rote Fabrik mit dem Hafen Wollishofen. Das Konstrukt aus Holz und Metall ist sowohl für Joggerinnen als auch für Väter mit kleinen Kindern zu jeder Jahreszeit ein Anziehungsort zum Sporttreiben oder Flanieren. Auch an diesem wechselhaften Tag Ende Oktober. Die Gipfel des Alpenpanoramas über dem Zürichsee sind bereits schneebedeckt, Möwen und sogar Reiher haben sich auf dem verlassenen Badefloss versammelt und halten sich gegenseitig warm, Flügelchen an Flügelchen.

Die Stille aushalten

Cassiopeia-Steg in Wollishofen im Kirchenkreis zwei.

Der Cassiopeia-Steg ist einer der 33 Orte auf dem Gebiet der Stadt Zürich, die die Gratis-App Weiler 3:33 zum Entdecken vorschlägt. Anhand von geführten Audio-Texten – Achtung Kopfhörer mitbringen! – findet der App-Nutzer oder die App-Nutzerin inmitten in einer von einem steten Lärmteppich erfüllten Umgebung zur Ruhe und Einkehr. Informative Audio-Texte tragen dazu bei, mehr über die Orte direkt vor der eigenen Haustür zu erfahren. Gleichzeitig sind in den angeleiteten Audio-Texten immer wieder Momente für die Stille vorgesehen – und dies ist durchaus wortwörtlich zu verstehen. Denn schnelles Überspringen der Sequenzen lässt die App nicht zu, es gilt, die Stille auszuhalten – in sie einzutauchen. Verrückt, wie ungewohnt es für uns geworden ist.

Widerstrebende Kräfte in uns

Die Weite auf dem Cassiopeia-Steg befreit, das Atmen fällt plötzlich leichter. Träge Wolken sitzen am Himmel über dem See, die Herbstsonne fühlt sich warm und einladend an. Eine angenehme männliche Stimme weist darauf hin, dass der Steg ein W formt und so das Sternbild Cassiopeia abbildet. «Unsere Erde macht zwei grundlegende Bewegungen: Sie dreht sich um die Sonne und gleichzeitig um sich selbst», so die Stimme. Alle Menschen würden Schwer- und Fliehkräfte in ihrem Leben kennen. Einiges strebe nach Dauer, anderes nach Verwandlung. Ich werde von der Stimme dazu eingeladen, mich zu fragen, wo meine eigenen Stärken und Schwächen in diesen widerstrebenden Kräften liegen.

Die erste ihrer Art

Die Stimme stellt jedoch nicht nur Fragen, sondern leitet während des spirituellen Spaziergangs auch Meditationspraktiken wie Atmen oder Gehen an. Bei der App handelt es sich um die erste ihrer Art im deutschsprachigen Raum. Sie wurde 2019 von der Zürcher Hochschule der Künste (ZHDK) und Katholisch Zürich entwickelt. Fazit: Weiler 3:33 ist ein heisser Tipp für kalte Tage. Und gerade wenn Covid-19 die Freizeitaktivitäten stark einschränkt, das ideale Hilfsmittel, um die eigene Stadt und gleichzeitig die eigene Innerlichkeit zu erforschen.

Der Cassiopeia-Steg in Wollishofen ist einer der 33 spirituellen Orte, der in der App Weiler 3:33 bespielt wird. Fotos: Edita Truninger


Der Kirchenkreis neun organisiert am 9. November 2020 um 18.30 Uhr einen spirituellen Spaziergang: Mit dem Handy in der Hand

Pfarrerin Muriel Koch aus dem Kirchenkreis neun und Meinrad Furrer (kath.) führen zunächst in die App ein und machen sich dann zusammen mit den Teilnehmenden auf den Weg.

Mehr Informationen finden Sie hier.

Die spirituellen Orte auf der App Weiler 3:33 verteilen sich über die ganze Stadt, einer befindet sich auch im Kirchenkreis neun beim Kirchenhügel. 

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