«Wir wollen Menschen fördern»

Peti Gutknacht und Theres Brandenberger koordinieren die Auszubildenden der reformierten Kirchgemeinde Zürich.

Eine zentrale Rolle in der Berufsbildung innerhalb der reformierten Kirchgemeinde Zürich kommt neu der Streetchurch zu. Ihre Mitarbeitenden Peti Gutknecht und Theres Brandenberger koordinieren und beaufsichtigen die beiden angebotenen Lehrgänge. Im Interview sprechen sie über ihre Arbeit.

Am 17. August traten in Zürich hunderte Jugendliche eine neue Lehre an. Damit begann für sie ein neuer Lebensabschnitt. Neun von ihnen bildet die reformierte Kirchgemeinde Zürich zu Fachpersonen Betriebsunterhalt oder zu Kauffrauen beziehungsweise Kaufmännern aus. Den Rahmen dafür bildet ein neues Berufsbildungskonzept, das im Anschluss an die Fusion zur reformierten Kirchgemeinde Zürich erarbeitet wurde. Die praktische Ausbildung erfolgt in den Kirchenkreisen durch Berufsbildnerinnen und -bildner vor Ort; koordiniert und verantwortet wird sie durch die Streetchurch.

Theres Brandenberger und Peti Gutknecht sind für diese Koordination in den beiden Berufsbildern KV und Betriebsunterhalt zuständig. Was diese Aufgabe beinhaltet, wo ihre Herausforderungen liegen – und weshalb ihnen die Zusammenarbeit mit den Lernenden Freude bereitet, erzählen sie im Interview.

Muss man eigentlich reformiert sein, um eine Ausbildung bei der reformierten Kirchgemeinde Zürich zu absolvieren?

Peti Gutknecht: Nein. Das ist überhaupt kein Thema. Wie auch sonst bei der Streetchurch begegnen wir Menschen nicht als Vertreterinnen und Vertretern einer Konfession – sondern als Menschen. Das gilt natürlich auch für die Ausbildung von neuen Lernenden.

Wieso sollte man denn eine Lehre bei der reformierten Kirchgemeinde absolvieren?

PG: Ich hoffe, dass sich das, was wir hier in der Streetchurch und in der reformierten Kirchgemeinde generell vorleben, auch in der Berufsausbildung ausdrückt: nämlich dass wir Menschen fördern wollen. Und dass wir sie dabei unterstützen wollen, ein aktiver Teil unserer Gesellschaft zu werden.

Theres Brandenberger: Hinzu kommen ganz praktische Gründe, die dafür sprechen, sich bei uns ausbilden zu lassen. Im KV etwa bietet die Arbeit in einer Kirchgemeinde sicher andere Möglichkeiten und ein anderes Umfeld als etwa die Ausbildung bei einer Versicherung. Gerade für Jugendliche mit ausgeprägtem sozialem Bewusstsein bieten wir ein interessantes Umfeld für ihre KV-Ausbildung. Ähnliches gilt für den Betriebsunterhalt, wo man in einem beeindruckenden und einzigartigen Umfeld arbeitet.

PG: Und: Wir suchen Nachwuchskräfte. Die Berufsbildung ist nicht bloss Selbstzweck. Die reformierte Kirchgemeinde hat ein grosses Interesse daran, kompetente Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter über die Grundausbildung hinaus in der Organisation zu halten.

Sie arbeiten als sogenannte Koordinatorin beziehungsweise als Koordinator eines Berufsbilds. Das klingt ziemlich abstrakt. Wie muss man sich Ihre Arbeit vorstellen?

PG: Unsere Arbeit ist vielfältig. Zum einen sind wir für die Rekrutierung von neuen Lernenden verantwortlich. Weiter organisieren wir Anlässe und Ausflüge für unsere Lernenden. Und wir betreiben zurzeit noch viel Aufbauarbeit. Das Berufsbildungskonzept der reformierten Kirchgemeinde ist ja immer noch recht neu: Da fällt viel konzeptionelle Arbeit an. Vieles wird in der jetzigen Phase definiert und gleich umgesetzt.

TB: Zentral ist sicher auch, dass wir dafür sorgen, dass die Berufsbildung in der reformierten Kirchgemeinde einheitlich und in guter Qualität abläuft. Wer bei uns eine Lehre macht, kann eine funktionierende Struktur erwarten. Um das zu erreichen, bieten wir unter anderem interne Weiterbildungen für unsere Lernenden und Berufsbildnerinnen  und -bildner in den Kirchenkreisen an. Und schliesslich sind wir auch Anlaufstelle. Wer Sorgen, Probleme oder Wünsche hat, kann sich jederzeit an uns wenden.

Wird dieses Angebot beansprucht?

PG: Wir haben natürlich noch keinen grossen Erfahrungswert, aber wir stehen schon in regem Kontakt mit den Mitarbeitenden in den Kirchenkreisen. Unser Selbstverständnis ist es, dass wir mit allen anderen Beteiligten der Berufsbildung zusammenarbeiten. Wir wünschen uns ein «Miteinander» – und das ist gut angelaufen.

Das klingt alles sehr idyllisch. Gibt es auch Probleme? Worin besteht die grösste Herausforderung bei Ihrer Arbeit?

TB: Das Alter, in dem die meisten Lernenden ihre Berufsbildung antreten, ist eine enorm intensive Zeit. Die Ablösung von den Eltern, Identitätsfragen, Ausbildung, das Erwachsenwerden: Das sind so viele grosse Themen, die ja auch verunsichern können. Die grösste Herausforderung, aber auch eine enorm bereichernde Aufgabe ist es, einen Weg zu finden, die Jugendlichen auf diesem Weg zu begleiten. Ihnen Orientierung zu bieten, aber auch Freiraum zu gewähren. Sodass sie sich bei uns bestmöglich entwickeln und entfalten können.

Mehr über die Arbeit der Streetchurch erfahren Sie hier.

Ausführlich wird das Berufsbildungkonzept der Kirchgemeinde Zürich hier vorgestellt.

Unsere neuen Lernden stellen wir Euch hier vor. In losen Folge veröffentlichen wir Porträts unserer Lernenden, den Anfang machte Adrian Pasteur, der im Kirchenkreis seine Ausbildung zum Fachmann Betriebsunterhalt begonnen hat.

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