Faces – eine Ausstellung von Valérie Jaquet

Valérie Jaquet aus Altstetten ist Fotografin mit Schwerpunkt Reportagen und Portraits. Im vergangenen Jahr schuf sie eindrückliche Bilder, die Einblick in den von Covid-19 geprägten Alltag in Zürich geben. Die Fotografien werden vom 8. März bis 9. April in der Grossen Kirche Altstetten gezeigt und ergänzen die Austellung «Leben in Zeiten von Corona».

Valérie Jaquet, im Lockdown vom März 2020 entstanden die ersten Porträts der Serie «Faces». Wie denken Sie an diese Zeit zurück?

VJ: Die ersten zehn Tage des Lockdowns waren eindrücklich. Heute fällt uns das vielleicht weniger auf, aber plötzlich war alles wie ausgestorben und das Leben drastisch reduziert. Es war fast gespenstisch, alleine in der Stadt zu sein, ich habe mich gefühlt wie eine Überlebende auf einem eigenartigen Planeten. So entstanden die ersten Stimmungsbilder des Lockdowns. Und dann tauchten vereinzelt Menschen mit Maske auf, zu diesem Zeitpunkt ein extrem ungewohnter Anblick. Es hat mich etwas schockiert, die Gesichter nicht zu sehen. Gleichzeitig war es faszinierend, wie viel man trotzdem noch mitbekommt von einer Person. Daraus entstand der Impuls, diese Menschen zu fotografieren.

Wie sind Sie dabei vorgegangen?

VJ: Mit dieser Idee bin ich bewusst mit meiner Kamera losgezogen und habe die wenigen Menschen mit Maske auf der Strasse angesprochen und gefragt, ob ich sie portraitieren darf. In den ersten zwei Wochen entstanden so einige Bilder. Im Sommer gab es eine Pause, alles war wieder offen. Aber dann kam die Maskenpflicht im Tram und damit auch eine grössere Vielfalt an Masken. Die Auswahl war plötzlich viel grösser und ich konnte mehr Menschen ansprechen, die ich interessant fand und die gut zu meiner bisherigen Porträtserie passten.

Neben den Porträts gibt es in der Ausstellung auch Impressionen von Zürich im ersten Lockdown. Aus welchem Impuls heraus sind diese entstanden?

VJ: Sie fangen diese Atmosphäre der ersten Tage ein. Die Bilder sind entstanden wenn ich unterwegs war, zum Beispiel am Morgen um sieben Uhr im menschenleeren Hauptbahnhof. Leere Plätze, Masken am Boden. Es sind Stimmungsbilder, an die wir uns heute gewöhnt haben.

Die Idee der Ausstellung ist, einen Rückblick auf diesen Ausnahmezustand im März 2020 zu geben. War das auch Ihre Motivation beim Fotografieren?

VJ: Ich fotografiere ist das, was um mich herum geschieht aus einem Impuls heraus. Ich habe oft eine Kamera dabei. Für mich war es normal, diese Veränderungen zu fotografieren. Es war mir wichtig, dass die Porträts spontan entstanden. Ich nahm immer die selbe Kamera und habe immer auf der Strasse fotografiert. Und immer mit natürlichem Licht, bei jeder Tageszeit, jedem Lichtverhältnis, jeder Jahreszeit.

Was ergaben sich dabei für Begegnungen?

VJ: Beispielsweise bin ich jemandem auf der Strasse begegnet oder habe eine interessante Person im Tram gesehen. Ich musste also sofort reagieren. Die Begegnungen waren dann sehr unterschiedlich. Ich war erstaunt, wie viele Leute eingewilligt haben, sich fotografieren zu lassen. Die meisten fanden das Projekt spannend und ich glaube, durch die Maske fühlten sie sich geschützt und hatten weniger Hemmungen, fotografiert zu werden. So ergaben sich viele schöne Begegnungen und Gespräche. Andere liessen sich nur kurz fotografieren und gingen weiter. Jedoch sagt ein Blick oder die Körperhaltung viel über jemanden aus. Ich habe das Gefühl, ich kenne die porträtierten Menschen ein wenig, auch wenn ich nicht weiss, wie ihr Gesicht aussieht.

Eine der Personen, die Sie im Frühling portraitiert haben, hat sich ganz besonders für Ihre Arbeit interessiert.

VJ: Genau, diese Frau ist mir aufgefallen weil sie eine der Ersten war, die eine Maske trug. Wir kamen ins Gespräch und sie hatte viele Ideen, wo ich meine Fotografien ausstellen könnte. Sie hat den Kontakt zu Pfarrerin Muriel Koch vermittelt, weil diese offen sei für solche Projekte. Und sie fand den Gedanken einer Fotoausstellung tatsächlich spannend und so wir haben die Idee gemeinsam weiterentwickelt.

Ihre Fotografien sind jetzt einige Wochen sehr präsent in der Grossen Kirche Altstetten. Sehen Sie ein Potential, dass es vermehrt Kunstausstellungen in der Kirche geben könnte?

VJ: Das Thema muss natürlich passen. Aber das könnte schon eine neue Art von Begegnung in Kirchen schaffen. Mit solchen Ausstellungen können Räume geöffnet werden und es ist eine andere Art von Kommunikation.

Vom 8. März bis zum 9. April 2021 sind Valérie Jaquets Fotografien in der Grossen Kirche Altstetten ausgestellt, begleitet von der Ausstellung «Leben in Zeiten von Corona» in der Alten Kirche Altstetten. Der Eintritt ist frei. Die Öffnungszeiten sind Montag bis Freitag von 9 bis 17 Uhr.

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