Gemeinsam durch die Krise – dank Solidarität und gelebter Diakonie

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Unzählige Hilfsprojekte sind in den letzten Tagen entstanden – so auch die Aktion der Jungen Kirche Zürich «Solidarität für Zürich». Freiwillige bieten sich an für Einkauf, Hundespaziergang, Kinderbetreuung… Eine riesige Solidaritätswelle erfasst das Land und schafft in Zeiten der Krise etwas, was wir alle bitter benötigen: Hoffnung.

Die Covid-19-Welle hat die Schweiz fest im Griff. Der Bundesrat hat drastische Massnahmen beschlossen, die viele sehr stark in ihrem Alltag einschränken und ihre berufliche Existenz bedrohen. Es herrscht Unsicherheit – ja gar Angst. Das ist verständlich, denn es ist menschlich. Wir wissen wenig über dieses Virus, wissen nicht wie und wann unser altbekanntes Leben weitergeht.

Doch die Covid-19-Krise hat auch ihre guten Seiten. Ja, Sie lesen schon richtig. Es ist wichtig, dass wir über diese sprechen. Und aus dieser Krise auch Positives ziehen. Weil sie uns einander näherbringt, weil sie Solidarität schafft – und uns Hoffnung geben kann: Wir wissen vielleicht wenig über dieses Virus, aber wir wissen, dass wir es nur gemeinsam bekämpfen können.

Im Dienste der Allgemeinheit

Eines von vielen guten Beispielen ist die Aktion «Solidarität für Zürich». Ins Leben gerufen gemeinsam mit Jugendarbeitenden der reformierten und katholischen Kirche in der Stadt Zürich hat Initiant Simon Brechbühler eine Plattform zur Nachbarschaftshilfe lanciert. Am Freitag, dem 13. März, als der Bundesrat die Schulschliessungen und die ersten Massnahmen gegen die Ausbreitung des Corona-Virus verkündete, beschloss Brechbühler zu handeln. «In unserem Team der Jungen Kirche haben wir entschieden, dass wir die – aufgrund einer Absagewelle von Anlässen und Projekten – frei werdenden Ressourcen doch in den Dienst der Allgemeinheit stellen können», sagt der Initiant. Die Aktion schlug ein wie eine Bombe. Unzählige Freiwillige meldet sich. Leute, die bereit waren zu helfen. Die Plattform vernetzt Hilfesuchende und Hilfeanbietende. «Der persönliche Kontakt ist dabei wichtig. Unsere Aufgabe ist die konkrete Bedürfnisabfrage und dann das Verbinden von Freiwilligen und Betroffenen. Das schafft Vertrauen und eine gewisse Art von Sicherheit», sagt Simon Brechbühler.

«Wir haben ein Generationen-Problem»

Sei es um Einkäufe zu tätigen, um Kinder zu hüten oder den Hund auszuführen – Ziel ist es, einerseits die Risikogruppen nicht grösseren Menschenansammlungen auszusetzen und andererseits Eltern, die trotzdem arbeiten müssen, unter die Arme zu greifen. «Das sind – so dachten wir – die am meisten gefragten und gesuchten Hilfeleistungen», sagt Brechbühler. Inzwischen sind auf der Plattform, die per E-Mail, Telefon oder per Facebook kontaktiert werden kann, auch viele andere Gesuche eingegangen. «Gerade ältere Menschen vermissen vor allem auch die soziale Interaktion. Einfach mal mit jemandem reden», erklärt Simon Brechbühler.

Die Aktion ist also ein voller Erfolg. Und trotzdem gibt es auch hier Schwierigkeiten – oder besser: Herausforderungen. Der Initiant erzählt: «Wir haben ein Generationen-Problem» und ergänzt: «Es gibt auf der einen Seite die HelferInnen, diese erreichen wir problemlos online. Sie sind sich gewohnt schnell und ohne Umschweife zu kommunizieren. Sie bieten Hilfe an und würden sich auch nicht scheuen, welche abzufragen und anzunehmen. Bei den Menschen über 65 ist es aber anders». Diese seien online oft nicht ganz so versiert, konsumieren Informationen nicht über dieselben Kanäle. Es sei schwierig, sie zu erreichen. «Und sie fragen oft auch nicht gerne nach Hilfe», sagt Brechbühler. Genau da sieht er auch einen wichtigen Beitrag, den die Kirche leisten kann, denn die Kirchen hätten Ressourcen und ein grosses Netzwerk unter älteren Menschen – dieses gelte es nun unbedingt zu erreichen.

Diakonie wie sie im Buche steht

Simon Brechbühler zieht eine überaus positive Bilanz aus der ersten Woche. Und auch wenn die Aufgabe sehr zeitintensiv ist – inzwischen arbeiten täglich rund zehn Leute am Angebot – ist sie vor allem auch eines: wichtig. Es brauche ein Tinder für Corona, sagte der Initiator zu Beginn. Was salopp formuliert ist, trifft aber eben nicht nur genau den Nerv der Zeit, sondern auch den der Kirche. «Was wir tun, ist nichts anders als diakonisches und solidarisches Handeln.» Das Thema Diakonie sei überhaupt plötzlich omnipräsent in dieser Krise und Corona zeige eben auf, dass es sie brauche. «Es ist schön zu sehen, was für eine Dynamik entsteht – überall. Und klar hoffe ich, dass wir auch nach der Krise diesen Drive beibehalten können. Und eben alle gemeinsam gestärkt weiter nach vorne blicken können und den Gedanken der Gemeinsamkeit weiterleben.»


Solidarität für Zürich

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