Homeoffice – ein Erfahrungsbericht

Von Alexandra Baumann, Kirchenkreis vier fünf

Es ist die Woche 1 nach der denkwürdigen Pressekonferenz des Bundesrates vom Freitag, 13. März. Ich sitze im Homeoffice, was für mich als Teilzeit-Texterin keine komplett unbekannte Situation ist. Und trotzdem ist alles ganz anders als sonst.

Die Natur spriesst und man merkt ihr nicht an, dass gerade die ganze Welt den Atem anhält. In den Administrationsteams der Reformierten Kirche laufen die Organisationsmühlen auf Hochtouren: Die telefonische Erreichbarkeit muss sichergestellt sein, Webseiten werden upgedatet, Serienbriefe mit Hilfs-Angeboten werden an die älteren Kirchenmitglieder versandt und unzählige Raum-Vermietungen verschoben – dabei ist oft noch unklar, ob das Verschiebedatum realistisch ist, denn niemand weiss, wie lange uns diese Situation begleiten wird.

Die unsichtbaren Telefondrähte glühen, es stehen unzählige Fragen im Raum. Und ich merke, wie wichtig es jetzt ist, dass wir den Leuten dort weiterhelfen können, wo sie es brauchen. Seelsorge-Anfragen werden weitergeleitet, jemand möchte in die Kirche eintreten, eine freiwillig engagierte Person bietet telefonisch ihre Dienste an. Vor allem aber nehme ich eines wahr: Die Leute wünschen sich ein offenes Ohr in einer Zeit, in welcher Social und Physical Distancing zu einem Isolations-Gefühl beitragen können. So etwa der Frühlings-Konzert-Besucher, welcher anruft, um sich zu erkundigen, ob er den Ticketpreis zurückerstattet bekommt – und danach anfängt, von seinen Sorgen und Ängsten zu berichten, die ihn gerade umtreiben.

In der Mittagspause bietet sich draussen, in der Naherholungszone, in welcher ich daheim bin, ein Bild wie in den Frühlingsferien: Unzählige Familien sind unterwegs, Schulkinder erzählen aufgeregt, wie toll sie diese «Corona-Ferien» finden, es werden Grillfeuerchen veranstaltet – fast, als sei es einfach ein ganz normaler Frühlingstag. Im Laufe der Woche wird diese laute Unbeschwertheit im Umgang mit der Situation einer Stille weichen, die Ausflügler werden täglich merklich weniger und Polizei-Patrouillen, welche Gruppen zur Auflösung auffordern, werden ein Bestandteil eines neuen Alltages.

In diesem neuen Alltag findet Kirche weiterhin statt. Nicht so, wie man es sonst kennt, nicht in den Räumen, die unsere Gemeindemitglieder kennen und schätzen – dafür in anderen Formen. Wir telefonieren viel mehr, machen Videokonferenzen, versuchen die anfallenden Arbeiten irgendwie zu priorisieren. Wir finden nicht für alles auf Anhieb die «richtige» Lösung, es wird in den nächsten Wochen auch nicht alles sofort «perfekt» laufen – denn wir alle waren noch nie in einer solchen Situation.

Ich klappe abends den Laptop zu und es kommen zwei Gefühle auf: Zum einen die Dankbarkeit, einer Arbeit nachgehen zu können, die ich sinnstiftend und erfüllend finde. Zum anderen eine kleine Wehmut, denn ich vermisse meine Kolleginnen und Kollegen und den Austausch mit unseren Gemeindemitgliedern. Und ich freue mich schon jetzt wieder auf den Tag, an welchem wieder eine Normalität in unseren Alltag zurückkehren darf. Eines wünsche ich mir dabei ganz fest: Dass wir auch über diese Krise hinaus eine Caring-Community bleiben werden.

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