Junge leben Kirche

Sechs junge Menschen haben ein Pfarrhaus umgebaut und leben nun darin. Ein Platz in der Wohngemeinschaft ist für Menschen in vorübergehenden Notsituationen. Foto: Lukas Bärlocher

In Albisrieden im Kirchenkreis neun hat der Sozialdiakon Lukas Bärlocher gemeinsam mit fünf Mitstreiterinnen und Mitstreitern eigenhändig ein Pfarrhaus renoviert. Um darin zu wohnen, sich in der Gemeinde zu engagieren – und Kirche zu leben.

698 Arbeitsstunden hat die Gruppe in den Umbau investiert. Und das Resultat kann sich sehen lassen: Das alte Pfarrhaus in Albisrieden erstrahlt in neuem Glanz. Das Wohnzimmer sieht gemütlich aus; das Esszimmer verspricht lange Abende des Philosophierens.


Das Haus wirkt einladend – und genau so solle es sein, sagt Lukas Bärlocher. Er hat das Projekt Diakoniegemeinschaft gemeinsam mit fünf Mitstreiterinnen und Mitstreitern initiiert. Die Gruppe kennt sich hauptsächlich aus dem Projekt Zytlos im Kirchenkreis zwei, wo sich alle in verschiedenen Formen betätigen. Lukas Bärlocher arbeitet als Sozialdiakon. Die Gruppe verbinde aber vor allem der Wunsch, sich in der Gemeinde zu engagieren, erzählt er, und dafür neben den etablierten Formen auch neue zu finden.

«Wir sind Teil einer Generation, die nicht unbedingt kirchensozialisiert ist», sagt der Diakon. Leider hätten vergleichsweise wenige Zwanzigjährige Lust, am Sonntagmorgen in die Kirche zu gehen. «Es ist unser Wunsch, dass die Kirche für junge Menschen attraktiv bleibt und diese sich auch wieder mehr beteiligen.»

Ein vielfältiges Projekt

So entstand auch die Idee für das Projekt Diakoniegemeinschaft. In einer Wohngemeinschaft soll Kirche gelebt werden: als Treffpunkt, Raum der Spiritualität, aber auch als Ort, an dem man einfach «abhängen» und diskutieren kann. Alle Bewohnerinnen und Bewohner fühlen sich der reformierten Kirchgemeinde Zürich zugehörig. Vier von ihnen seien der Gemeinde neu beigetreten, erzählt Bär­locher. «Es liegt mir und auch den anderen am Herzen, diese Zugehörigkeit auch formal festzumachen.» Zusätzlich zur Kerngruppe soll ausserdem stets ein Zimmer für Personen in Not oder mit finanziellen Engpässen bereitstehen. Den Anfang macht ein Gast aus Nigeria, der neu in das Pfarrhaus eingezogen ist. Er hat sich zum Ziel gesetzt, für sein Kinderheimprojekt in Nigeria ein neues und besser geeignetes Heim zu bauen.

Kirche zu leben, heisst für die Bewohner und und Bewohnerinnen aber nicht nur, dass sie ihren Glauben teilen, Mitglieder der Gemeinde sind und in einem Grosshaushalt zusammenleben. Sondern auch handfeste Arbeit: Sie haben sich selbst dazu verpflichtet, jede Woche mindestens zwei Freiwilligenstunden in die Kirchgemeinde zu investieren. Geplant seien etwa Brunches und Krimidinner mit Konfirmandinnen und Konfirmanden oder die Mithilfe beim Gemeindewochenende. Das Haus soll belebt werden und der Gemeinde offenstehen. «Leider sind aber viele unserer Pläne von Corona durchkreuzt worden», sagt Lukas Bärlocher.

Eine private Initiative

Die Gemeinde selbst zeige sich bis jetzt offen und herzlich gegenüber den neuen Mitgliedern. «Während des Umbaus haben uns fast jeden Tag Leute besucht», sagt der Sozialdiakon. «Wir stehen in engem Kontakt mit den Mitarbeitenden aus dem Kirchenkreis neun und hoffen, bald auch das kirchliche Leben mitzuprägen.» Dabei ist die Diakoniegemeinschaft eigentlich privat und nicht formell an die Gemeinde oder das Projekt Zytlos gebunden. Die WG bezahlt regulär Miete für ihr Haus, und ihr Mietvertrag ist befristet. «Natürlich hoffen wir, dass wir das Pfarrhaus noch etwas länger bewohnen dürfen, doch es ist klar, dass wir das Haus irgendwann wieder verlassen müssen», sagt Lukas Bärlocher.

Und das ist auch in Ordnung. Denn die Diakoniegemeinschaft versteht sich als Versuch: als Labor mit ungewisser Zukunft – und vielen Möglichkeiten. Lukas Bärlocher: «Mein Traum ist es, dass noch viele solche kirchlichen Wohngemeinschaften in ganz Zürich entstehen können.» Der Anfang ist gemacht.

Weiterführende Informationen über das Kinderheimprojekt in Nigeria unter www.goldenchildprojekt.ch

Das Pfarrhaus vor dem Umbau

Während dem Umbau

Nach dem Umbau


Fotos der Bildstrecken von Lukas Bärlocher

5 Kommentare zum Beitrag “Junge leben Kirche”

    • Liebe Frau Safari

      Wir würden uns sehr über einen Besuch freuen! Aufgrund der aktuellen Coronabestimmungen sind Besuche in unserem Grosshaushalt momentan eher schwierig. Sobald sich die Lage etwas entspannt hat würden wir Sie sehr gerne willkommen heissen.
      Freundliche Grüsse, Lukas Bärlocher

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  1. Guten Tag
    Ich bin seit einigen Jahren ein aktives Gemeindemitglied im Kirchenkreis 8
    Und seit meiner Jugend am Kontemplativen Leben interessiert.
    Ich bin 33ig und es würde mich sehr wundernehmen ob es möglich wäre an einem solchen Wohnprojekt teilzunehmen. Besten Dank für die Rückmeldung!

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    • Guten Tag
      Es freut mich sehr, dass Sie/ Du auch an einem Kontemplativen Leben interessiert bist.
      Ich werde mich gerne persönlich melden.
      Herzlichen Gruss, Lukas

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