Ein Glaube ist wie Wasser

Jiri Dvoracek | Selina Knöpfli
Pfarrer | Biologin

«Vertrauen ist wie Wasser», heisst es in einem Gedicht. Die drei monotheistischen Religionen legen bekannterweise grossen Wert auf Glauben bzw. auf Vertrauen und es überrascht wohl nicht, dass Wasser mit seiner Vieldeutigkeit im Judentum, Christentum und Islam eine grosse Rolle spielt.

Aber welche? Dies werden Sie bei der interreligiös offenen Feier im HEKS-Garten erfahren, die von den Frauen aus dem HEKS-Garten im Auzelg und dem Imam der albanischen Moschee, Fahredin Bunjaku, mitgestaltet wird. Ihre Fragen können Sie beim anschliessenden Essen stellen. Der folgende Text will Sie auf die kommende Feier zum Thema «Wasser» einstimmen und zum Nachdenken bewegen.

Oft wird der Glaube mit Feuer verglichen, das plötzlich entflammen kann, das vielleicht nur noch flackert und am Erlöschen ist, das die Welt in Brand setzen kann, das aber auch das Herz wärmt und den Weg in der Dunkelheit weist. Wie wäre es jedoch, mal von Glauben wie von Wasser zu reden? Ein Glaube ist wie Wasser, tief und unergründlich, wunderbar und faszinierend, befreiend und fesselnd zugleich, stets im Wandel, mal tobend, mal stillstehend, mal alltäglich, im Überfluss vorhanden, mal rar und mangelnd, mal klar und mal milchig wie Gletscherwasser oder wie der feuchte Nebel, mal funkelnd, wie ein Wassertropfen. Wie wunderbar er funkelt! Tausend Lichter, tausend Farben sind vereint in diesem kleinen Tropfen. Schau genau hin, du siehst den Himmel, ja, du erkennst die ganze Welt darin. Und da, wie ein Vergrösserungsglas, zeigt er dir Zusammenhänge, lenkt deinen Blick auf Unsichtbares. So eine Winzigkeit reicht, um dir das Herz zu öffnen, um in dir Bewunderung und Erstaunen zu wecken. Bewahr sie gut auf, diese Kostbarkeit!

Ein Glaube ist wie der klamme Nebel

Trüb ist es, nur schemenhaft sind Umrisse erkennbar. Was hier scheint, ist im nächsten Moment weg… ist plötzlich vor mir, dunkel, beängstigend… verschwindet, zurück bleibt die dicke, graue Leere. Ich will rufen, doch kein Ton erklingt. Bin ich alleine? Lauert der Feind hier irgendwo? Gott, bist Du da? Bist Du irgendwo in dieser Trübnis? Ich finde Dich nicht, wo ist der Weg, der nach vorne geht?

Ein Glaube ist wie ein Wolkenbruch

Schmerzvoll prasselt es auf mich nieder, peitscht mir ins Gesicht. Die nächste Bö, unbarmherzig, lässt mich machtlos, hilflos ausgeliefert. Das bisschen Schutz – gut gemeint, vorausdenkend geplant – längst ist es zerrissen, zerfleddert beim ersten Aufspielen der Mächte. Umhergewirbelt, fortgefegt wie ein Blatt. Ich kauere mich in einer Ecke zusammen – warte…

Ein Glaube ist wie ein Brunnen in der Wüste.

Zäh zieht sich die Zeit dahin, schleppend nur geht der Gang. Der Blick klebt am Boden, sieht längst keine Nuancen mehr. Wann kommt das Ende… Schritt für Schritt, Gedanke um Gedanke. Doch – eine Illusion? Eine Fata Morgana? Einbildung des milchigen Geistes? Ein Geräusch, ein Glucksen wie aus fernen Welten. Unwiderstehlich lockt es, der Schritt wird straffer, die Augen suchen die Hoffnung. Es wird lauter – keine Täuschung! Der belebende Strahl durchströmt den Körper, erfrischt die Seele, belebt, was im Sterben lag.

Ein Glaube ist wie der Strom.
Längst kennt er seine Richtung, vertraut seinem Weg. Man könnte meinen, er stehe still für die Ewigkeit, doch er weiss genau, wohin er will. Immer weiter, weiter, weiter, dem Grossen Ganzen zu.

Mein Glaube ist wie Wasser, das aus Quellen gespeist wird, das tobt und wogt, schäumt und wirbelt, das in Stürmen auf die Probe gestellt wird, das mal stillsteht, und mal Gefahr läuft, sich im Sande zu verlaufen, auszutrocknen in der Hitze des Alltags. Mein Glaube ist wie Wasser, das Wunder bewirkt und die Seele belebt. Und Ihr Glaube? Wie ist der? Wie Wasser, das…
Denken Sie darüber nach und tauschen Sie sich über Ihre Antworten bei der Feier mit den Gläubigen der drei Religionen aus.

Interreligiös offene Feier im HEKS-Garten Auzelg zum Thema «Wasser»
Sonntag, 29. August, 10.30 Uhr

«Vertrauen ist wie Wasser, das Durstige erfrischt, das Wüsten zu Quellen macht, das Felsen aushöhlt, das sich bewegt, vertrocknet und wieder als Regen zurückkommt.» Josef Dirnbeck / Martin Gutl

Schreibe einen Kommentar