Im Kammerchor zählt jede Stimme

Für sein neustes Chorprojekt sucht Kantor Sacha Rüegg erfahrene Stimmen von Menschen über 50 Jahren. Es soll ein überschaubarer Chor werden – im Programm filigrane Stücke, die keinen grossen Chorklang vertragen.

Etwas Neues lernen und gleichzeitig die eigene Komfortzone verlassen – ein neues Chorprojekt im Kirchenkreis vier fünf macht es möglich: Kantor Sacha Rüegg sucht dafür ambitionierte Sängerinnen und Sänger, die sich jugendlich fühlen, aber nicht mehr ganz zu den Jungen gehören. Konkret richtet sich das neue Angebot an singerprobte Menschen über 50 Jahren. Da man bei einem kleinen Chor mit 20 bis 24 Köpfen die einzelnen Stimmen viel besser hört und jeder Sänger gefordert ist, stellt Chorleiter Sacha Rüegg auch gewisse Anforderungen: «Interessierte sollen Erfahrung mit Stimmbildung haben und musiktheoretisch insofern so gut geschult sein, als dass sie sich auch zu Hause vorbereiten können», so Sacha Rüegg. Der Probenaufwand halte sich auf diese Weise in Grenzen und man kommt zielgerichteter zur Musik.

Für Menschen, die bereit sind, etwas zu investieren

Interessierte erhalten von Sacha Rüegg vorgängig eine Einladung zum Vorsingen. «Ich will sicher niemanden blossstellen», betont er, «aber ich möchte dem sängerischen Potenzial der Person auf die Spur kommen.» Konkret will der Chorleiter abklopfen, ob die Vorsängerin das Tonsystem gut kennt, ihr Musiktheorie geläufig ist, sie Rhythmusgefühl hat und auch komplexere Melodien nachsingen kann. «Es geht nicht darum, bereits alles perfekt zu können. Aber die Bereitschaft der Person, etwas zu investieren, ist wichtig». Es ist auch denkbar, dass Sacha Rüegg eine Empfehlung ausspricht: Zum Beispiel ein halbes Jahr Stimmbildungsunterricht zu nehmen oder das Wissen über Musiktheorie aufzufrischen.

Bereits zuvor in einem Chor gesungen zu haben, reicht als Kriterium allein also nicht unbedingt aus. «In einem grossen Chor wird man von der Gruppe oft mitgezogen. Dann verträgt es auch weniger geübte Stimmen. Bei einem so kleinen Chor steht man stimmlich schnell recht allein da», so Sacha Rüegg. Eine gewisse Lust, sich mit seiner Stimme zu exponieren, muss also vorhanden sein. Doch warum das Mindestalter fünfzig Jahre? «Wenn man lange beim gleichen Chor dabei ist, gibt es oft irgendwann einen Generationenwechsel – und plötzlich findet man sich ab fünfzig bei den Ältesten wieder. Gleichzeitig fühlt man sich noch zu jung für den Kirchenchor. Das neue Angebot schliesst diese Lücke.»

Kammerchor mit guten Stimmen

Berufsmusiker Sacha Rüegg hat schon seit längerer Zeit nach einem geeigneten Gefäss für sein Vorhaben gesucht. «Ich wollte ganz bewusst einen Kammerchor mit guten Stimmen gründen, weil man damit programmatisch andere Akzente setzen kann.» Er denke da zum Beispiel an Stücke von Bach, bei denen die Feinheiten herausgearbeitet werden oder auch an zeitgenössische Stücke von Willy Burkhardt. Doch im Grunde kann Rüegg erst so richtig mit der Programmgestaltung loslegen, wenn er seine neuen Chormitglieder und deren Stimmen kennt – schliesslich müssen die Stimmen zueinander passen und diese letztlich wieder zu den vorgetragenen Stücken. Eine Chorgründung in einer ausklingenden Pandemie – für Sacha Rüegg ist das kein Widerspruch: «Die Idee des Kammerchors kommt den Corona-Massnahmen eher entgegen.» Die Hoffnung sei, dass so ein Chor auch bei neuen Einschränkungen weiter proben könnte. Sacha Rüegg: «Und vielleicht haben in dieser Zeit Menschen Lust bekommen, etwas Neues anzupacken.»

Informationen und Anmeldung: Kantor Sacha Rüegg – sacha.rueegg@reformiert-zuerich.ch

Neu: Musikalische Seelsorge in der Citykirche offener St. Jakob

Die Liebe für die Kirchenmusik begleitet Sacha Rüegg schon sein ganzes Leben. Für ihn – seit über zwanzig Jahren Kirchenmusiker und Organist in der Kirche Offener St. Jakob – ist sie extrem reichhaltig. «Kirchenmusik hat etwas Tieferes, Unerklärbares an sich», versucht er es in Worte zu fassen. Um dies zu erfahren, müsse man nicht tiefgläubig sein. Sacha Rüeggs Glaube an die Kraft der Musik zeigt sich auch in seinem zweiten neuen Herzensprojekt: Seit Anfang Mai bietet er im Offenen St. Jakob musikalische Seelsorge an. Diese richtet sich an Menschen, die ihre Seele durch Musik stärken möchten. Der Kirchenmusiker geht musikalisch auf die bestehende Gefühlslage von Menschen ein, ohne gross Worte zu verlieren. Die Klänge können sitzend, stehend, tanzend oder auf einer Yogamatte liegend aufgenommen werden. Darüber hinaus kann auch gemeinsam musiziert oder sogar gesungen werden.

Jeden Dienstag von 13.15 bis 14.15 Uhr in der Kirche offener St. Jakob (ausser in den Schulferien)

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